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International An Beneš-Dekreten wird nicht gerüttelt

Jedes Jahr erinnert der Verband der Sudetendeutschen an die Vertreibung aus der Tschechoslowakei nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Anhaltend laut bleibt die Forderung nach Ausserkraftsetzung der umstrittenen Beneš-Dekrete, die diese Vertreibung legitimieren – ohne Erfolg.

Legende: Video Sudentendeutsche treffen und erinnern sich abspielen. Laufzeit 2:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.06.2014.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden bis 1947 rund 2,9 Millionen deutsche Staatangehörige aus der Tschechoslowakei zwangsweise ausgesiedelt. Ein Kapitel der Nachkriegsgeschichte, das die Beziehungen Bayerns und Tschechiens seit Jahrzehnten trübt. Bis heute sind die umstrittenen Dekrete in Kraft, die diese Vertreibung und Enteigung der Ausgesiedelten teilweise legitimieren. Benannt sind sie nach dem ehemaligen Präsidenten Edvard Beneš.

Eine Karte des Protektorats Böhmen und Mähren.
Legende: In den schraffierten Flächen waren die Sudetendeutschen vor ihrer Vertreibung zumeist ansässig. SRF

Aus Anlass des Sudetendeutschen Tages in Augsburg ist es erneut zu einer Diskussion um diese Dekrete gekommen. Der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, der CSU-Politiker Bernd Posselt, forderte die Tschechen erneut auf, sich davon zu distanzieren. Das tschechische Volk solle sich «endlich von dieser schrecklichen Erblast» trennen, sagte er. Die Dekrete seien «Gerümpel», das weggeräumt werden sollte.

Prag reagiert sofort

Obwohl die Dekrete kein grosses Thema in Augsburg waren, reagierte der tschechische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka umgehend und wies die Forderung zurück: «Meine Regierung sieht keinen Anlass, die Beneš-Dekrete in irgendeiner Weise anzuzweifeln und eine Debatte über diese Frage zu eröffnen», sagte er nach einem Bericht der Agentur CTK.

Der seit Januar regierende Sozialdemokrat verwies auf die Deutsch-Tschechische Erklärung von 1997. Darin anerkannten beide Staaten ihre Verantwortung für ihre Taten im und nach dem Zweiten Weltkrieg. «Es besteht kein Grund, warum die Vergangenheit unsere derzeit ausgezeichneten Beziehungen sowohl mit Deutschland als auch mit Bayern belasten sollte», betonte er.

Seehofer warnt vor Emotionen

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer warnte bei dem Pfingsttreffen angesichts des Konflikts in der Ukraine vor einer Gefährdung der europäischen Einigung. «Sie ist die genialste Idee der Nachkriegsgeschichte», sagte der CSU-Chef.

Seehofer ist amtierender Schirmherr der Sudetendeutschen, denn vor 60 Jahren hatte der Freistaat offiziell die Schirmherrschaft für die Volksgruppe übernommen. Seitdem gelten die Sudetendeutschen als vierter Stamm Bayerns nach den Altbayern, Franken und Schwaben.

46 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Moll, Basel
    Heute jährt sich zum 72. Mal die Ermordung der Einwohner des kleinen mittelböhmischen Bergarbeiterdorfes Lidice und das völlige Niederbrennen dieser Ortschaft durch die Nazibesatzer. Darüber verliert die "Tagesschau" keine einzige Silbe - im Gegensatz zum Treffen der Sudetennazis vom Pfingstsonntag in Augsburg
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    1. Antwort von Marcel Chauvet, Weißenstadt
      Wenn man wie Sie beleidigend von "Sudetennazis" spricht, dann macht man sich wirklich selbst unglaubwürdig.Das führt zur Abwertung. Die Untaten der Nazis z.B. in Lidice sind und bleiben Unrecht und die Vertreibung der Sudetendeutschen und die an ihnen begangenen Massaker durch Tschechen sind und bleiben ebenfalls Unrecht. Daran gibt es objektiv gesehen nichts zu deuteln. Diese Tragödien ereigneten sich im übrigen vor Jahrzehnten und die wirklich Schuldigen können Sie meinetwegen ausgraben.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet, Weißenstadt
      @Heinz Moll: Das ist eine Angelegenheit, die allein Deutschland, Tschechien und die Slowakei betrifft, sofern man nach vielen Jahrzehnten der Sache überhaupt noch eine Bedeutung beimessen kann. Und Tschechien und der Sliowakei leben wir in der EU nunmehr in bestem Einvernehmen. Ich kann deshalb nicht verstehen, dass Sie sich derart echauffieren und sogar nicht mal vor Beleidigungen zurückschrecken, da es Sie schlicht und ergreifend als Eidgenosse eigentlich in keiner Weise tangiert.
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    3. Antwort von Heinz Moll, Basel
      @Chauvet: Ich setze meine Worte immer mit Bedacht. Mir klingt die braune Kampfparole der organisierten Sudetendeutschen immer noch im Ohr: "Brandt an die Wand!" Als dieser redliche Mann die Versöhnung mit dem Osten suchte. Die Ausweisung der braunen Landesverräter aus der ČSR war kein Unrecht. Nehmen Sie die Tatsachen endlich zu Kenntnis. Die heutige Agitation gegen Benesch ist mit jener Hitlers deckungsgleich. Ich echauffiere mich nicht, ich kritisiere und korrigiere Geschichtsklitterung.
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    4. Antwort von Marcel Chauvet, Weißenstadt
      Mit Ihren Pauschalurteilen,diese Leute allesamt als "braune Landesverräter" oder "Sudetennazis"zu bezeichnen und Ihren sonderlichen Vergleichen kann ich ein solches Urteilsvermögen beim besten Willen nicht mehr voll nehmen.Damit Ihnen nicht sonst noch Stimmen "im Ohr klingen" sollten wir uns lieber den heiteren Dingen des Lebens zuwenden und den Geburtstag Donald Ducks feiern,der hat nämlich seinen 80er.Ich glaube, dass wir Deutschen und "Sudetendeutschen" 69 Jahre nach Kriegsende das dürfen.
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  • Kommentar von Thomas Streicher, Reinach BL
    Die Lawine kommt langsam ins Rollen. Nicht bloss die Sudetenfrage, auch die Oder-Neisse-Grenze, Danzig und Ostpreussen werden wieder zum Thema. Obwohl das im Moment noch kaum jemand wahrhaben will.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet, Weißenstadt
      ...wenn man Flöhe und diese auch noch besonders leise husten hören kann, dann womöglich. 12 Mill. Flüchtlinge wurden im Rest-Deutschland integriert, der Großteil von damals lebt nicht mehr und für die Nachkommen heilt die Zeit restlos alle Wunden.Wer will von denen nach Osten zurück, doch nur die ganz Alten und nur zum Kurz-Besuch der alten Heimat. Allerdings gibt es eine Zuwanderung in umgekehrter Richtung, beispielsweise von Polen nach D (609.856 Polen als Migranten in D per 31.12.2013)
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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Weißenstadt
    @Libor Jarolimek: Die Opfer wurden schließlich selbst zu Tätern und sind moralisch keinen Deut besser. Niemand will von der Tschechien Grenzgebiete zurück, selbiges ist auch nicht nach dem Beitritt der CSSR zur EU, den Deutschland zusammen mit vielen wirtschaftlichen Investitionen unterstützt hat, möglich. In Deutschland jedenfalls hat man versucht die Geschichte aufzuarbeiten, wenn man in Ihrem Land kein schlechtes Gewissen hat, dann spricht das für sich.
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