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International «Anfang des Zerfalls der Ukraine»

Immer mehr Tote nach neuen Gewaltakten in der Ostukraine. Moskau macht die Übergangsregierung in Kiew für die «Tragödie von Odessa» mit über 30 Toten verantwortlich. Russlands Präsident fährt derweil auch schweres rhetorisches Geschütz gegen die ukrainische Führung auf.

Ein Feuerwehrmann löscht Feuer vor einem Gebäude
Legende: Aufräumarbeiten nach der «Tragödie von Odessa». Bei einem Brand sollen über 30 Menschen gestorben sein. Keystone

Russlands Aussenministerium hat inzwischen die ukrainische Regierung für die Strassenschlachten und den Brand eines Gewerkschaftshauses mit zahlreichen Toten in Odessa verantwortlich gemacht.

Legende: Video Eskalierende Gewalt in der Ostukraine abspielen. Laufzeit 2:06 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 02.05.2014.

Auch Washington entrüstet

Die Ereignisse seien auf die Unverantwortlichkeit Kiews zurückzuführen, hiess es. Moskau verurteile das Geschehen scharf, zitierte die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass am frühen Samstagmorgen aus einer Mitteilung des Ministeriums. Die «Tragödie von Odessa» sei ein weiterer Beleg für «Kiews kriminelles Vertrauen auf Gewalt und Einschüchterung».

Die US-Regierung hat die Gewalt in der ukrainischen Schwarzmeerstadt als «unannehmbar» verurteilt. Das US-Aussenministerium forderte die Ukraine und Russland in einer Erklärung dazu auf, gemeinsam «Ruhe, Gesetz und Ordnung» wiederherzustellen.
«Die Gewalt und das Chaos, das zu so vielen sinnlosen Toten und Verletzten geführt haben, sind inakzeptabel», erklärte zudem die stellvertretende Sprecherin des Ministeriums Marie Harf.

Legende: Video Brandstiftung in Odessa (unkomm.) abspielen. Laufzeit 0:46 Minuten.
Aus News-Clip vom 03.05.2014.

Über 30 Tote in Odessa

Bei den schweren Strassenschlachten in der ukrainischen Hafenstadt Odessa sind den Behörden zufolge mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Zudem seien bei den blutigen Krawallen zwischen prorussischen Aktivisten sowie Anhängern der Übergangsregierung in Kiew etwa 200 Menschen verletzt worden, teilte das Innenministerium der früheren Sowjetrepublik am Samstag mit.

Rund 130 Beteiligte der Ausschreitungen am Freitagabend, bei denen auch das örtliche Gewerkschaftshaus in Brand geraten war, wurden festgenommen. Die Behörden verhängten eine dreitägige Trauer. Die ehemalige Regierungschefin Julia Timoschenko reiste nach Odessa, um sich ein Bild von der Lage zu machen, wie ihre Partei mitteilte.

Legende: Video SRF-Korrespondent Wanner aus Slawjansk abspielen. Laufzeit 2:27 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 02.05.2014.

SRF-Reporter: Ukraine kaum zu retten

Der Gewaltausbruch in Odessa «kam nur auf den ersten Blick spontan», erklärte SRF-Korrespondent Christoph Wanner in der Nacht aus Slawjansk. Auch in der südukrainischen Stadt habe es in der Vergangenheit bereits pro-russische und pro-ukrainische Demonstrationen gegeben, die aber jetzt eskaliert seien.

Nach seiner Einschätzung ist «die Ukraine, so wie sie heute besteht, kaum noch zu retten». Die derzeitige Lage sei «eine Art Anfang des Zerfalls», meint Wanner weiter. Die Übergangsregierung in Kiew habe die Kontrolle über das Land «vollkommen verloren». Der Osten dürfte sich seiner Einschätzung nach abspalten. Die Frage sei, wie diese Teilung des Landes genau ablaufen werde. «Mit Sonderoperationen, Panzern und Scharfschützen kann man ein Land nicht retten», so der SRF-Korrespondent weiter.

Rebellen-Vormacht in Slawjansk

Ukrainische Soldaten waren am am Freitag in Vororte der ostukrainischen Stadt Slawjansk vorgerückt. Die Vormachtstellung der Rebellen dort konnten sie aber nicht brechen.

Die Separatisten warfen den Soldaten vor, bei dem Vormarsch drei Rebellen und zwei Zivilisten getötet zu haben.

Putin-Sprecher: Friedensplan torpediert

Ein Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin erklärte, die ukrainischen Sicherheitskräfte hätten aus der Luft auf Zivilisten gefeuert und mit ihrer «Strafaktion» den internationalen Friedensplan für die Ukraine torpediert.

Nach Angaben des ukrainischen Geheimdienstes SBU wurde ein Kampfhelikopter mit einer tragbaren Boden-Luft-Rakete abgeschossen. Dies belege, dass «trainierte, gut ausgebildete ausländische Spezialisten» auf Seiten den Separatisten kämpften. Russland hat bislang jede direkte Beteiligung an den Aufständen abgestritten.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von E.Beier, Hannover
    Korrespondent Christoph Wanner ist für mich ein sehr guter mutiger intelligenter Reporter. Er ist quasi schon weltweit bekannt in Bezug auf das Thema Ukraine Krise. Auch auf anderen Sendern oft zu sehen und zu hören. Hochachtung für seine mutigen Reportage, Berichten und Meldungen.Meine militärische Ausbildung spielt hier keine Rolle.Hiermit möchte ich Herrn Wanner schützen. Herr Wanner muß die Ukraine verlassen um der Gefahr aus dem Weg zu gehen selbst eine bekannte Geisel zu werden. Es gibt...
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  • Kommentar von Roger Stahn, Fraubrunnen
    Inzwischen fordert Gauweiler (CSU) die Bundesregierung auf, Klarheit über den Einsatz der Bundeswehrsoldaten in der Ostukraine zu schaffen. "Wer hat zu dieser weiteren Mission deutsche Soldaten in die Ostukraine geschickt - zeitgleich und außerhalb der ausdrücklich als Zivilveranstaltung beschlossenen OSZE-Sondermission -, und wie soll das mit dem Wiener OSZE-Abkommen vereinbar sein?" Interessant auch das Interview von Oberst Axel Schneider im BR vom 23.04.2014, da ist von OSZE keine Rede.
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Die Krimtataren beginnen sich zu wehren gegen ihre neuen Herrscher auf der Krim. In Odessa spüren die maskierten Moskaumilizen starken Gegenwind. Scheinbar doch keine leichte Beute diese Ukraine.
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    1. Antwort von Thomas Koblet, Rickenbach
      Durch einen Bekannten, der enge familiäre Beziehungen hat auf der Krim, gibt es die klare Info, dass immer mehr Krimtataren ihre Existenz abbrechen und nur noch weg wollen? Das Versprechen von Moskau alle Minderheiten zu respektieren und einzubinden, wird nicht allzu ernst genommen. Wie es in Odessa zu dieser Katastrophe kam, kann hier niemand abschliessend sagen aber wirklich wundern tut es je niemand, oder? Die Spirale dreht sich, Verselbstständigung der Gewalt!!
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    2. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      vom dem sieht man nichts.
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    3. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @T. Koblet: "Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut." Veränderungen brauchen Zeit. Was gut werden will muss wachsen können. Diese von Ihnen benannten Krimtataren sollten einfach noch ein wenig Geduld haben. Aber diese haben ja schon vorher in Schwarz gemalt & eine Anbindung an Russland abgelehnt, obwohl es ihnen unter ukrainischer Führung auch nicht wirklich besser gegangen ist. Denke aber, dass hier einfach der "alte" Hass auf Russland mitspielt & man Russland gar keine Chance geben will.
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