Zum Inhalt springen

International Angela Merkel reist durch Hochwasserorte

Deutschlands Bundeskanzlerin macht damit auch beste Wahlwerbung in eigener Sache. Ihr SPD-Konkurrent Steinbrück verzichtet darauf. Unterdessen zeichnet sich ab, dass sich im gefährdeten Dresden die Investitionen in den Hochwasserschutz gelohnt haben.

Legende: Video «SRF-Korrespondent Stefan Reinhart zur Lage in Deutschland» abspielen. Laufzeit 2:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 04.06.2013.

Jahrhundertflut im Jahr 2002 in Ostdeutschland: Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder stand zu dieser Zeit mitten im Kampf um seine Wiederwahl und machte sich einen Namen als «Krisenkanzler». Dass er seine Kanzlerschaft im selben Jahr knapp verteidigte, war auch seinem medial gut inszenierten Einsatz während des Hochwassers zuzuschreiben.

Auch bei Merkels Gang durch das überflutete Passau waren viele Kameras auf sie gerichtet. Die Kanzlerin wurde beim Hände schütteln mit zahlreichen Helfern gefilmt. Der Zeitpunkt der Katastrophe kommt für die CDU/CSU-Kandidaten nicht unpassend: In wenigen Monaten steht die Bundestagswahl an. Im Freistaat Bayern gibt es Landtagswahlen.

Vorwurf des «Katastrophentourismus»

Peer Steinbrück, Merkels Konkurrent der SPD um den Kanzlersitz, bleibt zuhause. «Die SPD-Wahlkampfspitze hat sich das überlegt, aber wohl doch gedacht, dass solch ein Besuch missverstanden würde als plumper Wahlkampf auf Kosten der Menschen», sagt SRF-Korrespondent Stefan Reinhart in Dresden.

Die SPD habe Merkel «Katastrophentourismus» vorgeworfen, so Reinhart weiter. «Wäre sie nicht gekommen, hätte man aber wiederum gesagt, dass ihr das Schicksal der Menschen hier gleichgültig sei.»

100 Millionen für die unbürokratische Hilfe

Den betroffenen Regionen sicherte Merkel unbürokratische Hilfe von 100 Millionen Euro zu. Das Geld sei für Bayern, Sachsen und Thüringen gedacht, die noch einmal den gleichen Betrag beisteuerten. Merkel stellte auch Sachsen-Anhalt finanzielle Unterstützung in Aussicht. Jetzt gehe es darum, den Menschen rasch zu helfen, sagte die Kanzlerin.

Deutschlandweit kamen im Hochwasser mindestens vier Menschen ums Leben. Bereits am Donnerstag war in Niedersachsen eine Radfahrerin ertrunken, die auf einer wegen Überflutung gesperrten Strasse gestürzt war. In Baden-Württemberg verloren drei Menschen ihr Leben, unter ihnen ein Feuerwehrmann.

Bundespräsident Joachim Gauck sprach den Betroffenen Mut zu und dankte den Helfern. «Zusammen schaffen wir das!», sagte er nach Angaben des Präsidialamtes in Berlin.

Nach tagelangen Regenfällen steht die Innenstadt von Passau noch immer unter Wasser. Der Pegelstand stieg in der Nacht zum Dienstag nach Behördenangaben auf 12,89 Meter. Das war die grösste Flut seit 1501. Bei der sogenannten Jahrhundertflut im Jahr 2002 wurden 12,20 Meter gemessen. Auch Regensburg kämpft jetzt gegen die Flut: Angesichts steigender Wasserstände ist dort neuer Katastrophenalarm ausgelöst worden.

Bild der Überschwemmung in Dresden vom 3.6.2013.
Legende: Der Wasserstandpegel in Dresden soll maximal 8,8 Meter erreichen. Keystone

Investitionen in Dresden zahlen sich aus

Für Sachsens Landeshauptstadt Dresden wird der Höchststand für die Nacht zum Mittwoch erwartet. Dort stieg die Elbe vom normalen Pegelstand von 2 Metern auf 7,37 Metern.

Die Bürgermeisterin habe jedoch Entwarnung gegeben, sagt SRF-Korrespondent Reinhart. Es werde ein Pegelstand von 8,80 Metern erwartet und nicht 9,80, wie man ursprünglich befürchtet habe. «Damit kann man in Dresden leben», sagt Reinhart. Das habe damit zu tun, dass man seit der Flut 2002 fast 150 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert habe.

Danach rollt die Hochwasserwelle weiter Richtung Norden: In Magdeburg rechnen die Behörden für die kommenden Tage mit einem dramatischen Anstieg der Elbe auf 6,90 Meter. Normal seien knapp 2 Meter.

5 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Hansi Dragoner, Drachenstein
    Hier ist es wieder mal genauso wie mit der Fabel vom Esel, Vater und Sohn. Bewegt sich der Vater auf dem Esel fort ist es nicht recht, hockt dann der Sohn auf dem Esel wird der Vater ausgelacht, sitzen sie zu zweit auf dem Esel wird der Esel bedauert. Lässt sich Merkel beim Hochwasser sehen, ist es eine Wahlkampfmasche, hätte sie sich nicht sehen lassen, würde erst recht gemeckert. Jedenfalls machte sie sich nicht mit angezogenen Gummistiefeln wichtig. Madame hatte normale Schuhe an.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Gerhard Himmelhan, Naters
      Hatte es hier eigentlich kein Hochwasser, schön, dass ihr keine anderen Sorgen habt.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Gabi Bossert, Safenwil
    Kanzlerin Angela Merkel schaut entsetzt aus dem Fenster des Privatjets, um sich ein Bild der Katstrophe zu machen. Und aus dieser Vogelperspektive werden wir auch weiter handeln und agieren, lassen uns überraschen WAS Alles noch passieren kann.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von sigrid siewert, zepernick
    Na fein, dass Frau Merkel nun auch ausgeschlafen hat, lange genug dauerte es ja. Aber sie musste wirklich zuerst den Empfang des königlichen Besuchers abarbeiten. Da ist sie auf einer Wellenlänge mit unserem Herrn Gauck. Merkwürdig, welche Prioritäten diese Personen setzen ......!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Adrian Jäger, Wyler
      Die Kanzlerin hätte sich präventiv schon vor dem Unwetter an den kritischen Orten einfinden und Sandsäcke schleppen sollen. Das holländische Königspaar und Herr Gauck hätten dabei gleich mithelfen können. Das wäre die richtige Einstellung und gleichzeitig ein Zeichen europäischer Solidarität. Und das Gesicht der Kanzlerin hätte auch etwas betroffener sein dürfen. Wenigstens dramatisch dreinschauen konnte Schröder damals besser.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen