Angst folgt der Unsicherheit in Tunesien

Eine schwache Wirtschaft, ein politischer Mord und der Rücktritt der Regierung. Zwei Jahre nach dem Arabischen Frühling droht dem Land das Chaos.

Demonstration in Tunesien.

Bildlegende: Tunesiens Politikerkaste ist tief gespalten. Keystone

Tunesien fürchtet eine schwere politische Krise. Der Rücktritt von Ministerpräsident Hamadi Jebali hat die Angst verstärkt.

Der als gemässigt geltende Jebali wollte eine Regierung aus Experten bilden. Er scheiterte an diesem Vorhaben. Die Opposition schätzt ihn. Doch seine eigene Partei Ennahda verweigerte Jebali die Gefolgschaft. Die islamistische Ennahda ist stärkste politische Kraft in der Regierungskoalition. Und die Angst vor ihr ist gross.

Riddah Kefi vom Nachrichten-Portal Kapitalis sagt: «Viele Liberale fürchten eine neue Diktatur». Diesmal unter religiösen Vorzeichen. Ennahda habe solche Befürchtungen genährt. Die Menschen sind verunsichert. Jebali musste reagieren.

Politischer Mord gab Anstoss

Warum wollte der Ministerpräsident die Regierung umbilden? Er fühlte sich wohl dazu gedrängt. Jebali reagierte auf den Mord des Oppositionspolitikers Chokri Belaïd vor eineinhalb Wochen. Nach der Bluttat protestierten Regierungsgegner.

Die Demonstrationen haben die tiefen Gräben in Tunesien offen gelegt. Sogar die Regierung ist gespalten. Die Ennahda wurzelt ideologisch in der ägyptischen Muslimbruderschaft. Die Partei errang bei den Wahlen 2011 einen Sieg in der Verfassungsgebenden Versammlung. Sie konnte allerdings nicht die Mehrheit der Sitze sichern.

Salafisten nahmen am Urnengang nicht teil. Die linken und liberalen Parteien erzielten insgesamt ein gutes Ergebnis. Sie konnten sich jedoch nicht durchringen, eine schlagkräftige Koalition zu bilden.