Hektik in der Militärallianz Angst vor US-Kurswechsel scheucht die Nato auf

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Nato-Aussenminister kommen heute zu einem zweitägigen Treffen in Brüssel zusammen, um eine engere Zusammenarbeit der Militärallianz mit der EU zu beschliessen.
  • So viele Beschlüsse wie die 28 Aussenminister jetzt fällen wollen, gab es schon lange nicht mehr: Es geht um 40 Kooperationsprojekte mit der EU, von gemeinsamen Marine-einsätzen bis zur Abwehr von Hackern.
  • Damit soll dem neuen, Nato-skeptischen US-Präsidenten Donald Trump die Nützlichkeit der Allianz bewiesen werden. Denn die Angst vor einem Kurswechsel in Washington ist das inoffizielle Hauptthema des Treffens.

Angesicht der Fülle an Vorhaben der Nato stellt sich die Frage, ob die Militärallianz weiss, wohin die Reise gehen soll, oder ob es sich bloss um Aktivismus zwecks Ablenkung handelt. Tatsächlich hat die Nato nämlich drei grosse Probleme:

Erstens Russland: Zwar hat das Bündnis in Moskau seinen alten Feind neu gefunden, aber wie soll man mit ihm umgehen? Ist Konfrontation unvermeidlich, oder wäre Versöhnung nach Moskaus Bedingungen besser?

Zweitens das Verhältnis zur EU: Wird die EU sicherheitspolitisch ergänzend zur Nato tätig werden, oder, wie manche fürchten, in Konkurrenz?

Drittens Donald Trump: Wendet er sich ab, oder waren entsprechende Drohungen nur so dahingesagt? Offenkundig ist jedenfalls: Die Nato ist jetzt derart aktiv, um zu zeigen, wie unverzichtbar die Allianz ist. Gerade auch für die USA.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

    Nato-Generalsekretär gegen eine militärische Emanzipation Europas

    Aus Echo der Zeit vom 18.11.2016

    In seiner ersten Rede über die Zukunft der Nato zeigt sich Generalsekretär Jens Stoltenberg schwer besorgt. Er beschwört die enge Bindung an die USA und lässt zugleich erkennen, dass er sie mit unter US-Präsident Trump für gefährdet hält.

    Irritiert zeigt sich Stoltenberg darüber, dass sich die EU militärisch emanzipieren will.

    Fredy Gsteiger

  • FOKUS: Was geschieht mit der Nato?

    Aus 10vor10 vom 10.11.2016

    «Zu teuer», «überflüssig», «verstaubt»: Donald Trump hält offensichtlich nicht sehr viel von der Nato. Die USA bezahlen derzeit am meisten für die Militär-Allianz. Wird sich das unter Trump ändern? Was würde das für die sicherheitspolitische Lage in Europa bedeuten? 10vor10 ist diesen Fragen nachgegangen.