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Rolle der Türkei in Syrien «Ankara und Moskau dürften sich punkto Aleppo abgesprochen haben»

Die Rebellen in Aleppo sind eingekesselt, Assad hat gesiegt. Die Türkei spielt hier eine zwiespältige Rolle, wie ARD-Korrespondent Reinhard Baumgarten sagt.

Legende: Audio Aus Pragmatismus die Augen zugedrückt? abspielen.
5:41 min, aus Echo der Zeit vom 17.12.2016.

Mit dem Sieg der syrischen Armee in Ost-Aleppo hat sich das Blatt in Syrien gewendet. Die Truppen Baschar al-Assads kontrollieren mit russischer und iranischer Hilfe weite Teile des Landes.

Eine Resolution des UNO-Sicherheitsrats wird von Russland blockiert. Der russische Präsident Wladimir Putin stellt dafür regionale Friedensgespräche in Aussicht. Eine besondere Rolle soll dabei die Türkei spielen, die seit August militärisch in Nord-Syrien präsent ist.

SRF: Die Türkei hat eine besondere Rolle in Syrien. Welche Interessen vertritt das Land dort?

Reinhard Baumgarten: Ankara will den Einfluss der syrischen Kurden eindämmen. Offiziell geht es Ankara auch darum, die Terrormiliz Islamischer Staat zu bekämpfen. Diese Terrormiliz hat etliche Anschläge hier in der Türkei verübt und ist eine Gefahr für Ankara.

Präsident Erdogan sagte, dass die Türkei keine territorialen Interessen in Syrien habe. Stimmt das?

Das weiss man nicht genau. Erdogan streut unheimlich viel Unsicherheit. Das ist Teil seiner Politik. So ist das auch mit dem jetzigen Flirt mit Putin. Das ist im Grunde genommen purer Pragmatismus.

Erdogan weiss aber aus der Geschichte heraus, dass Russland eigentlich der Erzfeind der Türkei ist.
Autor: Reinhard BaumgartenNahost-Korrespondent der ARD

Ist die türkische Aussenpolitik nicht gescheitert?

Der türkische Anspruch bestand darin, mit allen türkischen Nachbarn in Konsens und Frieden zu leben. Mit Armenien hat sich das Land überworfen. Mit Griechenland gibt es Sticheleien, in Syrien herrscht Bürgerkrieg. Iran ist einer der grossen Gegenspieler von Ankara, gerade im Syrien-Konflikt. Insofern ist die türkische Aussenpolitik gescheitert.

Präsident Erdogan wollte ursprünglich den syrischen Machthaber zu Fall bringen.

Das ist immer noch das türkische Ziel. Erdogan wurde dann allerdings von Moskau kritisiert, als er sich an einer Konferenz entsprechend äusserte. Daraufhin sagte er, dass es gar nicht so gemeint gewesen sei.

Ich unterstelle Erdogan, dass er immer noch findet: Assad muss weg.
Autor: Reinhard BaumgartenNahost-Korrespondent der ARD

Ankara hat ja auf der Seite der Rebellen in Syrien eingegriffen. Hat Ankara die Rebellen in Aleppo im Stich gelassen?

Es kann gut sein, dass bestimmte Rebellengruppen, die auch in Aleppo kämpften, aufgrund von Absprachen zwischen Putin und Erdogan nicht mehr von der Türkei unterstützt wurden. Denn der Widerstand in Aleppo ist sehr schnell zusammengebrochen.

Ankara unterstützt aber weiterhin Rebellengruppen in Syrien. Das macht die Lage unübersichtlich.
Autor: Reinhard BaumgartenNahost-Korrespondent der ARD

Nun gibt es seitens der Rebellen das Gerücht, dass zwischen Moskau und Ankara schon seit längerem ein Pakt besteht. Wie glaubhaft ist das?

Es gibt einen grossen Sieger, der heisst Putin. Der zweite grosse Sieger heisst Baschar al-Assad. Der Pakt zwischen Ankara und Moskau könnte darin bestehen, dass Moskau die Türken in diesem Korridor, den die türkische Armee dort zu schaffen versucht, gewähren lässt. Und dass Ankara im Gegenzug bei Aleppo die Augen zudrückt, denn wir haben keine massive Kritik von Erdogan an diesem wirklich brutalen und menschenverachtendem Vorgehen Moskaus und Teherans gehört. Normalerweise schimpft Erdogan, gerade wenn es um Menschlichkeit geht. Insofern denke ich schon, dass es eine Absprache gibt.

Wir haben bisher nicht über die USA gesprochen. Ist das symptomatisch?

Es insofern nicht symptomatisch, als es zwischen Ankara und Washington eine ganze Reihe von Missverständnissen gibt, die zum Teil gravierend sind. Es hängt stark davon ab, was Donald Trump als künftiger US-Präsident vorhat: Inwieweit er den Kurs von Ankara absegnet und wie weit er weiterhin – wie vor ihm Obama – auf die Kurden in Nordsyrien setzt. Tut er das, dann ist der Riss zwischen Ankara und Washington in keiner Weise gekittet, sondern dürfte noch grösser werden.

Das Gespräch führte Isabelle Jacobi.

Reinhard Baumgarten

Porträt von Reinhard Baumgarten
Legende: ZVG

Reinhard Baumgarten ist langjähriger Nahost-Korrespondent der ARD in Istanbul. Der Islamwissenschaftler hat zahlreiche Publikationen über die Region veröffentlicht.

30 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Wie jetzt? Gestern aus Berlin direkt, soll die Türkei zusammen mit der USA ein Abkommen getroffen haben, wie die Russen & Assad auszuschalten sind.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    Schwierig zu beurteilen, was die Türkei in Syrien will. Dass die Türkei den IS unterstützt hat, Öl aus Syrien illegal exportiert hat und das Giftgas an die Rebellen geliefert hat, ist ja belegt.Der russische Militärjet wurde wahrscheinlich auf Weisung der USA abgeschossen. Von daher gesehen sollte Russland der Türkei nicht über den Weg trauen.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Es geht der Türkei um die Kurden, wie immer
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    2. Antwort von Alexander Wach (birry)
      Wo ist es bitteschön belegt?? Belegt ist dass CIA sich bei der Türkei entschuldigt hat vor 2 Tagen, wegen Unterstellung angebliche Geschäfte mit IS. Klar verübt IS deshalb Anschläge in der Türkei?? Wem es interessiert kann man im google "CIA entschuldig sich bei der Türkei" schreiben und selber informieren.
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    3. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Wie Hr. Planta gehe ich davon aus dass es der Türkei offensichtlich um die Kurden geht. Hr. Wach: Die Entschuldigung bestreite ich nicht, aber ich gebe dieser nicht dieselbe Bedeutung da es diplomatisches Geplänkel sein könnte. Warten wir ab, es sind inzwischen im Irak viele Dokumente zum Vorschein gekommen die belegen mit wem der IS Geschäfte gemacht hat. Die Sichtung und Auswertung wird dauern aber es bleibt zu hoffen dass die Wahrheit eines Tages ans Licht kommt.
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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    In Libanon sitzen mehr als eine Million syrischer Geflüchteter, die geduldet, aber nicht als Flüchtlinge anerkannt werden, weil Libanon die entsprechende Uno-Konvention nicht anerkannt hat. Der innenpolitische Druck ist gross, sich ihrer zu entledigen. Erklärt Asad den Krieg für beendet, dürfte das als willkommener Vorwand zur Abschiebung dienen – auch in Europa. Syrische Zivilisten werden also weiterhin sterben. Nur nicht mehr so öffentlich.
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