Anschläge in Brüssel: Was bisher bekannt ist

Brüssel nach der Terrorserie: Die Ermittlungen kommen voran und zwei Verdächtige konnten von der Staatsanwaltschaft identifiziert werden. Es waren Brüder. Der Zusammenhang zu den Anschlägen in Paris liegt auf der Hand. Ein Überblick zum aktuellen Wissensstand.

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Jagd nach den Mittätern

0:43 min, aus Tagesschau am Mittag vom 24.3.2016

Wer steckt hinter den Anschlägen?

Die Polizei hatte ein Bild von einer Video-Überwachungskamera am Flughafen Zaventem veröffentlicht, das drei Männer zeigt. Einer von ihnen ist Ibrahim El Bakraoui, der sich in der Flughafenhalle in die Luft sprengte. Der Terrorist, der in der Metro-Station Maelbeek eine Bombe zündete, war demnach sein jüngerer Bruder Khalid.

Drei Männer mit Gepäck auf dem Bild einer Überwachungskamera

Bildlegende: Federal Police

Einer der beiden weiteren Männer, die auf dem Fahndungsbild zu sehen sind, ist Medienberichten zufolge der bislang als Terrorverdächtiger gesuchte Najim Laachraoui (24). Er soll sich demnach ebenfalls in die Luft gesprengt haben. Dies bestätigten die Behörden zunächst aber nicht.

Unklar ist, wer der dritte Mann auf dem Fahndungsbild ist, wie der belgische Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw am Mittwoch an einer Medienkonferenz über den neusten Stand der Entwicklungen informierte.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan gab bekannt, die Türkei habe die belgischen Sicherheitsbehörden bereits im Juli vergangenen Jahres vor einem der Attentäter gewarnt. Trotzdem hätten diese ihn frei gelassen. Belgien wies die Vorwürfe umgehend zurück.

Wie liefen die Attentate am Flughafen ab?

Das Trio kam mit dem Taxi zum Flughafen. Beim Gepäck wollten sich die drei keinesfalls helfen lassen. Die Terrorserie beginnt um 7.58 Uhr mit zwei Explosionen auf dem Flughafen, kurz hintereinander. Zwei Männer sprengen sich in die Luft. Einer von ihnen wird anhand der Aufnahmen einer Überwachungs-Kamera als Ibrahim el Bakraoui identifiziert, ein Belgier.

Der Polizei ist der 29-Jährige durch verschiedene Straftaten bekannt, aber nicht als Islamist. Vom zweiten Selbstmord-Attentäter in der Abflughalle kennt man die Identität noch nicht.

Belgische Medien berichten, es soll sich dabei um den gesuchten Najim Laachraoui handeln. Dies ist nicht offiziell bestätigt. Ein dritter Mann mit dem grössten Sprengsatz auf seinem Gepäckwagen sprengt sich nicht in die Luft. Warum, weiss man nicht. Er überlebt, kann fliehen.

Was weiss man über den Anschlag in der U-Bahn?

Der Selbstmord-Anschlag in der Metro-Station Maelbeek geht auf das Konto von Khalid El Bakraoui, dem jüngeren Bruder des identifizierten Flughafen-Attentäters. Wegen verschiedener Vorstrafen waren seine Fingerabdrücke bei der Polizei gespeichert. Der 27-Jährige – ebenfalls Belgier – zündet die Bombe um 09.11 Uhr im mittleren von drei Wagen. Wie der jüngere El Bakraoui dorthin kam und ob er dort Mittäter hatte, weiss man nicht. Die Staatsanwaltschaft gibt aus ermittlungstaktischen Gründen keine weitere Auskunft.

Bilder von den Anschlägen in Brüssel

Wie viele Opfer gibt es?

Auch am Tag danach ist das nicht klar. Noch sind nicht alle Opfer identifiziert. Die belgischen Behörden sprechen jetzt von mindestens 31 Toten und über 270 Verletzten.

Am Dienstag war noch von 34 Toten und 230 Verletzten die Rede. Die Opfer kamen nach Angaben des belgischen Aussenministers Didier Reynders aus etwa 40 Nationen. Hinweise auf Schweizer Todesopfer gibt es vorerst nicht. Gemäss Staatsanwalt Van Leuw könnte die Opferzahl noch steigen.

Wer wird noch gesucht?

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird noch nach einer ganzen «Reihe von Personen» gefahndet. Zahlen und Namen nannte Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw keine. Der Verdacht richtet sich aber insbesondere gegen Najim Laachraoui, der bereits seit dem Wochenende offiziell gesucht wird. Er soll – zusammen mit Salah Abdeslam, der am Freitag in Brüssel festgenommen wurde – einer der Drahtzieher der Paris-Anschläge gewesen sein.

Am Mittwochmorgen meldeten belgische Medien bereits seine Festnahme. Die Information stellte sich aber als inkorrekt heraus. Am Abend berichtete dann der Sender RTBF, Laachraoui sei tot. Er sei der zweite Selbstmordattentäter am Flughafen gewesen, der Mann ganz links auf dem Foto der Überwachungskamera. Seine DNA soll auf Sprengstoff gefunden worden sein, der bei den Anschlägen in Paris verwendet wurde.

Gibt es einen Zusammenhang zum Terror in Paris?

Vieles deutet darauf hin: der Ablauf der Taten, der Sprengstoff, die Tatorte. Vor allem aber die Herkunft der mutmasslichen Täter. Einer der beiden Brüder – Khalid – soll unter falschem Namen eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Anschläge mit 130 Toten im November in Paris genutzt wurde.

Beide Brüder waren belgische Staatsbürger und wegen verschiedener nicht terroristischer Taten vorbestraft. Laachraoui wurde am Montag öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Er soll zusammen mit Salah Abdeslam, der am Freitag in Brüssel festgenommen wurde, einer der Drahtzieher der Paris-Anschläge gewesen sein.

Laachraoui soll im Februar 2013 nach Syrien gereist sein. Anfang September 2015 geriet er – mit falscher Identität unter dem Namen Soufiane Kayal – zusammen mit Salah Abdeslam und Mohamed Belkaid in eine Kontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Abdeslam und Belkaid gelten als mutmassliche Beteiligte der Pariser Anschläge.

Hat sich die Lage in Belgien beruhigt?

Weiterhin gilt Terrorstufe 4 – die höchstmögliche. Das öffentliche Leben funktioniert mittlerweile halbwegs wieder. Aber das ganze Land trauert. Bis Karfreitag ist noch offiziell Staatstrauer. Die Flaggen wehen auf halbmast.

Die Metro-Station Maelbeek wird vermutlich noch mehrere Wochen geschlossen bleiben. Der Flughafen Brüssel bleibt auf jeden Fall noch bis einschliesslich Freitag geschlossen.

Das für Dienstag geplante Fussball-Länderspiel zwischen Belgien und Portugal wurde aus Sicherheitsgründen zunächst abgesagt, soll jetzt aber doch am kommenden Dienstag im portugiesischen Leiria ausgetragen werden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Menschen zeigen Solidarität

    Aus Tagesschau vom 23.3.2016

    Karikaturisten haben Brüssels Wahrzeichen «Manneken Pis», den in einen Brunnen urinierenden Jungen, zum Symbol für Menschlichkeit gemacht. Mit «Je suis Manneken Peace» drücken die Menschen in sozialen Netzwerken ihre Solidarität aus.

  • Brüssel findet zurück zur Normalität

    Aus Tagesschau vom 23.3.2016

    In Brüssel haben die Menschen den Opfern mit einer Schweigeminute gedacht. Das öffentliche Leben beginnt nur langsam, doch die meisten Verkehrsmittel sind wieder in Betrieb. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck in Brüs-sel.

  • Mutmasslicher Attentäter festgenommen

    Aus Tagesschau vom 23.3.2016

    Die Polizei hat in Anderlecht einen Verdächtigen festgenommen. Zudem sei ein Brüderpaar identifiziert worden, das die Selbstmordanschläge verübt haben soll. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck in Brüssel.