Anschlag auf Jüdisches Museum: Franzose verhaftet

Die Polizei von Marseille hat nach der tödlichen Schiesserei im Jüdischen Museum in Brüssel einen Tatverdächtigen inhaftiert. Der 29-Jährige hatte Waffen und andere verdächtige Objekte in seinem Gepäck. Der Mann soll für islamistische Dschihadisten in Syrien gekämpft haben.

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Verdächtiger in Marseille verhaftet

1:07 min, aus Tagesschau am Vorabend vom 1.6.2014

Sechs Tage nach der tödlichen Schiesserei im Jüdischen Museum in Brüssel hat die französische Polizei einen Tatverdächtigen verhaftet.

Der 29-jährige Franzose war am Freitag Zollbeamten in Marseille aufgefallen, als er aus Brüssel kommend an einem Busbahnhof in Marseille eintraf. Im Gepäck des Verdächtigen seien eine Kalaschnikow und eine Pistole gefunden worden. Das sagte der belgische Generalstaatsanwalt Frederic Van Leeuw. Solche Waffen waren auch bei dem Anschlag in Brüssel benutzt worden. Der Mann trug laut Van Leeuw auch «eine beeindruckende Menge Munition» bei sich.

Waffe in Dschihadisten-Flagge gewickelt

Die Kalaschnikow war in die Flagge der Organisation Islamischer Staat im Irak und in Syrien (ISIS) eingehüllt gewesen. Die ISIS gilt als eine der kampfstärksten Dschihadisten-Gruppen, die derzeit in Syrien kämpfen. Sie hat einen besonders hohen Anteil ausländischer Kämpfer.

Zudem sei auf einer Videokamera ein Bekennervideo gefunden worden, sagte Van Leeuw: Darin bedauert der Täter, dessen Gesicht nicht zu erkennen ist, dass eine Helm-Kamera, mit der er die Tat filmen wollte, nicht funktioniert habe. Es werde derzeit geprüft, ob die Stimme des verhafteten Mannes auch die Stimme des Bekenners sei.

Tatverdächtiger schweigt

Der Verhaftete habe von Ende 2012 an für etwa ein Jahr in Syrien gekämpft, sagte der französische Staatsanwalt François Molins in Paris. Bei der Rückkehr nach Europa habe der Mann durch einen Reiseweg über Malaysia, Singapur und Bangkok versucht, seine Spur zu verwischen.

Er sei vor allem wegen Raubes fünf Mal für insgesamt sieben Jahre im Gefängnis gewesen und habe sich dort «radikalisiert». In der Haft sei er durch seinen religiösen Bekehrungseifer aufgefallen und habe Mitgefangene beim Freigang zum Gebet aufgefordert. Staatsanwalt Molins sagte, der Tatverdächtige habe sich bisher geweigert, mit der Polizei zu reden.

«  Wir werden sie bekämpfen, wir werden sie bekämpfen, wir werden sie bekämpfen. »

Präsident François Hollande
zu Dschihadisten

Die Verhaftung des Mannes wirft ein Schlaglicht auf die oft beschworene Terrorgefahr durch einheimische Islamisten, die aus Konfliktzonen wie dem Hindukusch oder Syrien nach Europa heimkehren. Alleine aus Frankreich sollen rund 780 Islamisten in militärische Ausbildungslager oder direkt in den «Heiligen Krieg» gezogen sein.

Frankreichs Präsident François Hollande kündigte daher ein entschiedeneres Vorgehen gegen «Dschihadisten» an, die selbsternannten Kämpfer im Einsatz für den Islam. «Die ganze Regierung ist mobilisiert, um diese Dschihadisten, wie sie genannt werden, aufzuspüren und zu verhindern, dass sie Schaden anrichten.»

Belgiens Premier Elio Di Rupo forderte eine verschärfte Überwachung gewaltbereiter Organisationen und eine engere Zusammenarbeit der Staaten bei der Beobachtung der aus Syrien heimkehrenden Kämpfer.

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Bilder der Überwachungs- kamera (ohne Ton)

0:28 min, vom 26.5.2014

Täter schoss auf vier Menschen

Ein Unbekannter war am 24. Mai in das Brüsseler Museum eingedrungen und hatte um sich geschossen.

Ein Überwachungsvideo zeigt einen Mann mittlerer Statur, der vor dem Eingang eine Kalaschnikow aus einer Tasche holte, in das Museum trat und wieder herauskam.

Der Mann tötete ein israelisches Paar und eine französische Museumsmitarbeiterin. Ein belgischer Angestellter wurde schwer verletzt und später aufgrund der Schwere seiner Verletzungen für «klinisch tot» erklärt.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Jüdische Bevölkerung fühlt sich unwohl in Europa

    Aus Tagesschau vom 29.5.2014

    Das tödliche Attentat im jüdischen Museum in Brüssel und der Erfolg der rechts-nationalen Parteien bereiten vielen Juden in Europa Sorgen. Die jüdische Bevölkerung fühle sich zunehmend unwohl in Europa, sagte der Vize-Präsident der europäischen Juden bei einem Besuch in Biel.