Anschlag in Ankara: Erdogan leitet Ermittlungen ein

Die Türkei leitet drei Tage nach dem verheerenden Terroranschlag in Ankara Ermittlungen ein – die direkt dem Präsidenten Recep Tayyip Erdogan unterstehen. Dieser räumte «Fehler» ein, wies aber Kritik von oppositioneller Seite zurück. Bisher hat sich noch niemand zum Attentat bekannt.

Erdogan spricht in ein Mikrofon

Bildlegende: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vor Journalisten in Ankara: «Den Staatskontrollrat beauftragt». Keystone

Er habe den Staatskontrollrat (DDK) mit den Ermittlungen beauftragt, sagte Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vor Journalisten in Ankara. Jede Möglichkeit sollte in Betracht gezogen werden. Die Untersuchungskommission untersteht direkt dem Präsidenten. Sie ist befugt, alle Behörden zu überprüfen – mit Ausnahme der türkischen Streitkräfte und der Justiz.

Zuvor hatten Kritiker den Behörden Versagen vorgeworfen. Der sozialdemokratische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu hatte gefordert, der Innen- und der Justizminister sollten zurücktreten.

«Wir sind auch nur Menschen»

Auch der Chef der prokurdischen «Demokratischen Partei der Völker» (HDP) warf Erdogan vor, die Sicherheit der Kurden absichtlich aufs Spiel zu setzen. Die Terrororganisation IS, die nun verdächtigt wird, sei «nicht in der Lage, ein solches Attentat ohne die Unterstützung des türkischen Staates durchzuführen.»

Zwar gab der türkische Staatspräsident zu, dass es «womöglich Fehler» gegeben habe. Er wies jedoch die Kritik an den Ministern zurück. Rücktritte seien keine Lösung: «Wir führen einen Staat und wir sind auch nur Menschen.»

Am Samstag waren bei dem Doppelanschlag in der Hauptstadt Ankara nach Regierungsangaben 97 Menschen getötet worden. Zu dem Anschlag bekannte sich bisher niemand.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Ballone mit den Namen der Opfer fliegen in den Himmel während eines Gedenkens in Ankara am 13. Oktober 2015.

    Anschlag in Ankara spaltet die Türkei

    Aus Echo der Zeit vom 13.10.2015

    Das Attentat mit fast 100 Toten in Ankara vertieft den wachsenden Graben, der durch die türkische Gesellschaft geht. Seit Monaten müssen die Türkinnen und Türken mitansehen, wie sich Rhetorik und Kampf zwischen Kurden und Regierungsanhängern akzentuieren.

    Beobachtungen von Louise Sammann, Korrespondentin von Deutschlandradio in Istanbul.

    Simone Fatzer

  • Schuldzuweisungen nach Attentat in Ankara

    Aus Tagesschau vom 12.10.2015

    Der türkische Regierungschef Davutoglu ist überzeugt, die Terrormiliz IS sei verantwortlich für den Anschlag auf eine kurdische Friedensdemonstration gestern. Auf kurdischer Seite hingegen beschuldigt man die Regierungspartei selbst, die Finger im Spiel gehabt zu haben.

  • Wut und Trauer in der türkischen Hauptstadt

    Aus Tagesschau vom 11.10.2015

    Nach dem Doppelanschlag mit fast 130 Toten trauern heute Tausende in der türkischen Hauptstadt Ankara: Ausserdem entlädt sich heute am Tag nach dem Anschlag die Wut auf die türkische Regierung. Mit Einschätzungen von SRF-Korrespondentin Ruth Bossart.