Anschlag in Ottawa war Tat eines aktenkundigen Konvertiten

Beim Anschlag im kanadischen Ottawa war nach Angaben der Behörden nur ein Täter beteiligt. Die Polizei bestätigte am Tag nach der Bluttat entsprechende Medienberichte. Am Ort des Geschehens waren auch Schweizer Schüler und Lehrpersonen, die sich während des Attentats verschanzten.

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«Wir Kanadier lassen uns nicht einschüchtern»

2:12 min, aus Tagesschau vom 23.10.2014

Kurz nach dem Attentat auf das kanadische Parlament kursierten Gerüchte, dass bis zu drei Täter am Gewaltakt beteiligt gewesen waren. Nun dementierte Polizeisprecher Marc Soucy entsprechende Meldungen und sagte, dass es sich um einen Einzeltäter handelte. Damit bestätigten die Behörden entsprechende Medienberichte.

Am Mittwochvormittag hatte der bewaffnete Angreifer einen Wachsoldaten am Nationalen Kriegsdenkmal gegenüber dem Parlament erschossen. Anschliessend stürmte er ins Parlamentsgebäude, wo er in der Eingangshalle bei einem Schusswechsel getötet wurde.

Laut Medienberichten wurde der Attentäter vom Sergeant-at-Arms des Unterhauses, dem 58-jährigen Kevin Vickers, erschossen. Er ist Sicherheitschef und Zeremonienmeister des Parlaments.

Täter stand auf Terrorwarnliste

Kanadische Medien veröffentlichten zudem erste Informationen zum Täter. Dieser soll demnach auf der Terrorwarnliste der Behörden gestanden haben. Laut kanadischen Medienberichten ist der 32-jährige Angreifer zum Islam konvertiert und war den Behörden als gefährlich bekannt gewesen.

Demnach war er wegen Drogendelikten und Raub vorbestraft. Ein Regierungsvertreter sagte der Zeitung «Globe and Mail», kürzlich sei dem Mann sein Pass eingezogen worden, um ihn an der Ausreise, etwa nach Syrien, zu hindern.

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Zeugen des Ottawa-Attentats

2:16 min, aus Schweiz aktuell vom 23.10.2014

Schweizer Schüler mitten drin

Vierzehn Schüler im Alter von 18 und 19 Jahren und zwei Lehrpersonen aus Bulle (FR) erlebten den Anschlag auf das Parlament in Ottawa direkt mit. Sie besuchten das Gebäude, als die Schüsse fielen. Sie konnten in die Kapelle des Parlaments flüchten, wo sie während neun Stunden ausharrten.

Eine Mutter war per SMS von einem der Jugendlichen über den Anschlag informiert worden. Sie alarmierte daraufhin die Schweizer Behörden – dies erfolgte etwa eine halbe Stunde nach den ersten Schüssen.

«Ungewisse Momente»

«Schweiz aktuell» sprach mit einem Schüler der Gruppe: «Wir wollten auf den Turm des Parlaments und standen am Lift an. Plötzlich hörten wir einen Schuss.» Sofort seien alle Besucher in der Kapelle eingeschlossen worden.

Es seien für alle Beteiligten sehr «ungewisse Momente» gewesen, sagte François Piccand von der Erziehungsdirektion Freiburg: «Wir versuchten uns über das Internet zu informieren, aber es herrschte totale Unsicherheit. Wir waren froh, als wir erfahren haben, dass alles unter Kontrolle ist und es keine Verletzten gibt.»

François Genoud, Rektor des Collège du Sud in Bulle sagte, dass die Behörden zunächst vorgesehen hätten, alle Schüler zu befragen. Schliesslich sei aber nur derjenige Schüler befragt worden, der den Täter aus direkter Nähe gesehen hatte.

Gymnasiasten kehren am Freitag zurück

Die Gruppe aus dem Greyerzerland wird am Freitag in der Schweiz zurück erwartet. Einige erlitten wegen der Erlebnisse einen Schock, erklärte der Rektor. Ihnen werde auf Wunsch psychologische Hilfe angeboten.

Der Schweizer Bundespräsident Didier Burkhalter liess den Schülern nach Angaben des Aussendepartements EDA über den Schweizer Botschafter in Kanada eine Sympathiebekundung zukommen. Einen Beileidsbrief schickte er an Kanadas Premierminister Stephen Harper.

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