Anschlag von Ankara: Türkei macht PKK verantwortlich

Mindestens 37 Todesopfer hat der jüngste Terrorakt in Ankara gefordert. Ein Bekennerschreiben liegt nicht vor, doch die türkische Regierung ist sich sicher: Verantwortlich ist die Kurdische Arbeiterpartei PKK. In der Folge wurden kurdische Stellungen im Irak unter Beschuss genommen.

Video «Türkei verstärkt Kampf gegen Kurden» abspielen

Türkei verstärkt Kampf gegen Kurden

1:14 min, aus Tagesschau vom 14.3.2016

  • 37 Menschen sterben bei Anschlag in Ankara
  • Eine Angreiferin war offenbar PKK-Mitglied
  • Türkei bombardiert PKK-Stellungen im Nordirak
  • Vier Festnahmen im Südosten des Landes

Bei dem Anschlag im Zentrum Ankaras waren am Sonntagabend nach Regierungsangaben 37 Menschen getötet worden, darunter auch mindestens ein Selbstmordattentäter.

Polizei nimmt vier Personen fest

Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoglu sagte, 125 Menschen seien bei der Detonation verletzt worden, 15 davon liegen noch auf der Intensivstation. Ob auch Schweizer Opfer darunter sind, klärt das Aussendepartement (EDA) in Bern ab.

Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu vermeldete, die Polizei habe im Zusammenhang mit dem Anschlag vier Personen in der Stadt Sanliurfa, nahe der syrischen Grenze festgenommen. Sie werden demnach mit dem beim Anschlag verwendeten Auto in Verbindung gebracht, das in Sanliurfa gekauft worden war.

«  Wir glauben, dass eine Angreiferin eine Frau mit PKK-Verbindungen war. »

Ein Vertreter der Behörden

Sicherheitskreisen zufolge wurde der Anschlag vermutlich von zwei Selbstmordattentätern verübt. Ein Behördenvertreter erklärte: «Wir glauben, dass eine Angreiferin eine Frau mit PKK-Verbindungen war».

Video «Der Moment der Explosion in Ankara (unkomm.)» abspielen

Der Moment der Explosion in Ankara (unkomm.)

0:44 min, vom 13.3.2016

Es handle es sich um eine Frau, die sich 2013 der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK angeschlossen habe, sagten mehrere für Sicherheitsfragen verantwortliche Personen. Ihnen zufolge wurde die Täterin 1992 geboren und stammt aus Stadt Kars in der Osttürkei.

Die regierungsnahe Zeitung «Sabah» berichtete, die Attentäterin habe sich zwischen zwei voll besetzten Linienbussen in einem weissen BMW in die Luft gesprengt, der mit TNT beladen gewesen sei.

Zudem soll offenbar ein männlicher Angreifer beteiligt gewesen sein, der ebenfalls Verbindungen zur PKK gehabt hat, wie es aus Sicherheitskreisen hiess.

Bisher kein Bekennerschreiben

Die Explosion ereignete sich am zentralen Kizilay-Platz, der ein Knotenpunkt des Nahverkehrs ist. Der Anschlag habe auf Zivilisten abgezielt, sagte die türkische Regierung. Die US-Botschaft hatte erst am Freitag vor einem drohenden Anschlag in einem Viertel in der Nähe des Anschlagsorts gewarnt und dazu aufgerufen, die Gegend zu meiden.

Von der Explosion zerstörter Stadtbus.

Bildlegende: Ein von der Explosion zerstörter Stadtbus im Zentrum von Ankara, wo sich auch eine Busstation befindet. Keystone

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte, es gebe «konkrete Informationen über die Terrororganisation, die diesen feigen Angriff ausgeführt hat». Erst nach Abschluss der Ermittlungen werde aber ein Ergebnis mitgeteilt. Für die Tat vom Sonntag übernahm bislang aber keine Gruppe die Verantwortung.

Diverse Razzien

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, wurden zahlreiche Anti-Terror-Operationen gegen die PKK in Istanbul und weiteren türkischen Städten durchgeführt. Dabei seien mindestens 79 Verdächtige festgenommen worden, darunter neun Minderjährige. 15 der Festgenommenen würden beschuldigt, Propaganda für die PKK betrieben und Staatsbedienstete beleidigt zu haben. Bei den Razzien seien auch Waffen beschlagnahmt worden.

Nachrichtensperre verhängt

Die türkische Regierung verhängte am Sonntagabend eine Nachrichtensperre über den Anschlag, die aber nicht offizielle Verlautbarungen betrifft. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte an, den Kampf gegen den Terrorismus fortzuführen und den Terrorismus «in die Knie zu zwingen». Die EU, die USA und die Nato sicherten ihre Unterstützung zu. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin, ein Gegner Erdogans, verurteilte die Anschläge.

Erst vor knapp einem Monat hatte ein Selbstmordattentäter ebenfalls in Ankara eine Autobombe gezündet und 29 Menschen mit in den Tod gerissen. Zu dieser Tat bekannte sich die aus der PKK hervorgegangene Splittergruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK). Die TAK hatte damals zugleich weitere Anschläge angekündigt.

Alt bekannte Reaktion

Derweil lässt es Erdogan nicht bei blossen Ermittlungen bleiben. Kampfjets der türkischen Armee haben im Norden des Irak mutmassliche Stellungen der PKK angegriffen. Darüber hinaus verhängte die Türkei in der südöstlichen Stadt Sirnak eine Ausgangssperre, um besser gegen kurdische Aufständische vorgehen zu können.

Landesweite Eskalation

Die Gewalt eskaliert im kurdischen Südosten des Landes. Sie erfasst aber zunehmend auch die Metropolen. Am 12. Januar kam es zu einem Selbstmordanschlag in Istanbul. Die Tat wurde dem IS angerechnet. Das gilt ebenso für einen Anschlag im Oktober 2015 in Ankara. Mit über 100 Toten war jener der schwerste in der Geschichte des Landes.