Antisemitismus: Front gegen Front-National-Gründer

Es ist nicht das erste Mal, dass der Gründer der rechtsextremen französischen Front National (FN) unter Druck gerät. Diesmal aber hat Jean-Marie Le Pen mit antisemitischen Äusserungen den Bogen klar überspannt, meinen Beobachter.

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Le Pen sorgt für Empörung

1:31 min, aus Tagesschau vom 9.6.2014

In einem Video auf der Webseite der Partei äusserte sich Le Pen abfällig über Kritiker des FN. Als er darin darauf angesprochen wird, dass zu den Kritikern auch der jüdische Sänger Patrick Bruel gehört, sagt der 85-Jährige: «Das wundert mich nicht. Sehen Sie, da machen wir das nächste Mal eine Ofenladung.» Das wurde allgemein als Verweis auf Öfen verstanden, die in Konzentrationslagern während des Holocaust verwendet wurden.

Tochter spricht von «politischem Fehler»

Jean-Marie Le Pen benutzte bei dem kritisierten Satz das Wort «fournée», das auch in Backbüchern benutzt wird und ursprünglich «Ofenladung» bedeutet. Der FN-Gründer ist bekannt dafür, eine antisemitische Sicht mit subtilen Worten auszudrücken.

Kritik an den Äusserungen von Le Pen kam von jüdischen Organisationen und aus den Reihen der eigenen Partei. Der FN-Abgeordnete Gilbert Collard empfahl dem Ex-Parteichef, «in Rente» zu gehen.

FN-Parteiführerin Marine Le Pen bedauerte den «politischen Fehler» ihres Vaters, wie es auf der Webseite der Zeitung «Le Figaro» hiess. Ihr Vater hätte wissen müssen, «wie seine Phrase interpretiert werden würde». Diesen Fehler müsse die Partei nun ausbaden, klagte Le Pen, die bestrebt ist, ihrer Partei einen moderneren und gemässigten Anstrich zu geben. Zu meinen, die Worte ihres Vaters seien antisemitisch, sei aber eine «böswillige Interpretation», erklärte sie.

Le Pen wies auch die Kritik seiner Tochter an seinen Äusserungen zurück. Es sei vielmehr ein «politischer Fehler», sich an das «Einheitsdenken» anpassen zu wollen, sagte Le Pen dem Radiosender RMC. In der FN gebe es einige Anführer, die versuchten, sich anderen Parteien anzunähern.

«Ekelhaft»

Die Organisation SOS Racisme erklärte, die Äusserung sei «ekelhaft» und kein «Ausrutscher», sondern zeuge von einem «vollkommen haarsträubenden antisemitischen Programm». Die Anti-Rassismusbewegung MRAP bezeichnete Le Pen als «echten Antisemiten» und kündigte gleichfalls eine Klage an.

Kritik kam auch von der Ministerin für Frauenrechte, Najat Vallaud-Belkacem: Sie forderte den Front National auf, Le Pen auszuschliessen.

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  • Frontfrau der EU-Gegner

    Aus 10vor10 vom 26.5.2014

    Der Sieg von Marine Le Pen in Frankreich überstrahlt die Europawahlen. Jeder vierte hat für die rechtsaussen Partei von Le Pen gestimmt. Sie hat das Lager von Präsident François Hollande regelrecht disqualifiziert. «10vor10» will wissen, wie sie es geschafft, den Front National aus der rechtsextremen Schmuddel-Ecke zu holen und als Volkspartei so zu positionieren.