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International Anwalt für Menschenrechte in Türkei erschossen – Tausende trauern

Der prokurdische Anwalt Tahir Elci ist an einer Medienkonferenz in der Südostürkei Opfer einer Schiesserei geworden. Zwei Polizisten wurden ebenfalls getötet.

Legende: Video Proteste nach dem Tod des Menschenrechtsanwaltes abspielen. Laufzeit 01:00 Minuten.
Aus News-Clip vom 29.11.2015.

Der prominente prokurdische Menschenrechtsanwalt Tahir Elci ist in der südosttürkischen Kurdenstadt Diyarbakir erschossen worden, als er vor Journalisten Auskunft gab. Der Anwalt und ein Polizist seien während einer Schiesserei tödlich getroffen worden, erklärte der türkische Innenminister Efkan Ala. Ein zweiter Polizist erlag später seinen Verletzungen. Auch ein Journalist soll verletzt sein.

Wer die Schüsse abgefeuert hat, ist unklar. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte, es gebe nach ersten Erkenntnissen zwei Möglichkeiten. Entweder sei der Angriff auf Elci ein geplantes Attentat gewesen oder er sei zwischen Gefechte von «Terroristen» und Polizisten geraten.

Demonstranten zeigen Transparente mit dem Bild von Tahir Elci.
Legende: Demonstrationen nach Elcis Tod. Elçi erhielt Todesdrohungen, nachdem er sich für die PKK eingesetzt hatte. Reuters

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich traurig über den Tod von Elci. Erdogan sagte, der Kampf gegen den «Terrorismus» im Land müsse bis zum Ende geführt werden.

Auf Fernsehbilder war zu sehen, wie Elci kurz vor seinem Tod für Frieden in der Region warb: «Wir sagen, der Krieg, die Kämpfe, die Waffen, die Einsätze sollen fernbleiben von hier», sagte er. Auf weiteren Fernsehbildern sind Schüsse zu hören und ist zu sehen, wie sich Elci und Journalisten wegducken.

Elci verurteilte Regierung wie auch PKK

Elci, der auch Präsident der örtlichen Anwaltskammer hatte den Unmut der Behörden auf sich gezogen, weil er im Fernsehen erklärt hatte, die Kurdische Arbeiterpartei PKK sei keine terroristische Gruppierung. Im Oktober wurde er deswegen vorübergehend festgenommen. Ihm drohte ein Prozess wegen des Vorwurfs der Propaganda für eine terroristische Organisation.

Elci hatte aber auch die Gewaltakte der PKK verurteilt. Die Türkei, die USA und die EU haben die PKK als Terrororganisation eingestuft. Seit Beginn des Aufstandes 1984 sind mehr als 40'000 Menschen getötet worden.

Demonstrationen und Trauer

Tausende Menschen haben am Sonntag an der Trauerfeier teilgenommen. In Istanbul ging die Polizei am Samstagabend mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Hunderte Demonstranten vor, die sich zum Gedenken an Elci versammelt hatten.

Tweets zu Tahir Elci

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Keller (kira)
    Es wird immer schlimmer in der Türkei. Wie konnten die Türken diesen Diktator nochmals wählen - unverständlich. Solange Erdogan an der Macht ist, darf dieses Land der EU nicht beitreten. Freund und Helfer der IS. Welch Schande. Erdogan ist ein Man mit zwei Gesichter. Den Menschen verpasst er einen Maulkorb, keine Pressefreiheit, Internet wird zensurisiert, Lügen verbreitet. Merkel geht mit Erdogan ein Teufelspakt ein wenn sie mit ihm verhandelt. Die EU darf diesen Pakt nicht eingehen.
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    1. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Wie konnten die Türken diesen Diktator nochmals wählen - unverständlich. .................. WER sagt denn,dass die Tuerken ihn gewaehlt haben...????
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    2. Antwort von Christa lohmann (Saleve2)
      In einem anderen Beitrag schrieb ich Herrn Christmann schon, wir können Nichts beweisen, aber seit dem Wahlresultat bleibt ein sehr bitterer Geschmack zurück. Und nach den Ereignissen der letzten Woche noch mehr.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    In der Türkei überschlagen sich die Ereignisse. Die türkische Staatsanwaltschaft hat gestern zwei Generäle und einen ehem. Oberst festnehmen lassen berichtet die Zeitung Milliyet. Sie hatten im vergangenen Jahr mehrere LKWs an der Überfahrt nach Syrien gehindert. Dabei ging es um einen Waffen- und Medizinkonvoi nach Syrien. Die türkische Opposition vermutet, dass die Waffenlieferung für die Terror-Miliz IS bestimmt gewesen sei. Die Verhaftungen geschahen nach der Festnahme der zwei Journalisten
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Der Rechtsanwalt war im Oktober unter dem Vorwurf der "terroristischen Propaganda" für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorübergehend festgenommen worden. Er selbst hatte bei seiner Festnahme gesagt, das Vorgehen der Behörden zeige, wie schlecht es um die Meinungsfreiheit in der Türkei stehe. Die EU will heute einen Milliarden-Deal mit der Türkei anschliessen. Menschenrechtsthemen werden ebenso wenig diskutiert wie die Frage der Verstrickung der Türkei in den islamistischen Terror.
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