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Internet-Kontrolle in China Apple kuscht erneut vor Peking

Nicht mehr im Angebot: Apps, die die Zensur umgehen. Der iPhone-Gigant will sein Produktionsland nicht verärgern.

Legende: Audio Apple löscht App zur Umgehung der chinesischen Staatszensur abspielen. Laufzeit 3:40 Minuten.
3:40 min, aus Rendez-vous vom 31.07.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der US-Technologiekonzern Apple hat alle VPN-Programme aus seinem Store in China gelöscht und gibt damit der chinesischen Zensurbehörde nach.
  • Über diese VPN-Tunnels war bisher der Zugriff auf westliche Zeitungen oder Internetseiten möglich. Das wird nun für Internetnutzer in China deutlich schwieriger oder gar unmöglich.
  • Die Hauptgründe für den Kniefall: Alle iPhones werden in China produziert. China ist zudem nach den USA der wichtigste Markt des iPhone-Anbieters.

Offiziell heisst es, die speziellen Software-Produkte würden aus dem chinesischen Apple-Store entfernt, weil es das chinesische Gesetz so vorschreibe. Das ruft viele Apple-Kritiker auf dem Plan, die sich vom mächtigen Konzern ein bisschen mehr Rückgrat gegenüber dem Regime in Peking erwartet hätten.

Markt vor Meinungsäusserungsfreiheit

Klar ist allerdings, dass Apple von China sehr abhängig ist, wie ARD-Journalist Steffen Wurzel in Schanghai gegenüber SRF News erklärt: Erstens verkauft Apple auf dem chinesischen Markt sehr viele iPhones. Zweitens wird jedes weltweit verkaufte iPhone in China produziert.

Die Abhängigkeit von China ist sehr gross. Apple will es sich mit der dortigen Führung nicht verscherzen.
Autor: Steffen WurzelJournalist, ARD, Schanghai

Vom jüngsten Zensurangriff des Regimes sind alle Nutzer eines iPhones oder iPads in China betroffen, die sich ehemals beim chinesischen Apple-Store angemeldet hatten. Sie können die VPN-Apps nicht mehr benutzen, mit denen die Zensur bisher relativ einfach umgangen werden konnte. Es wird für sie also schwieriger, die grosse Firewall Chinas auszutricksen.

Alle Apple-Nutzer, die im Ausland bei einem Apple-Store registriert sind, sind zunächst nicht betroffen. Das gilt also für Touristen und die meisten ausländischen Geschäftsleute. Sie können sich die Spezialsoftware einrichten, bevor sie nach China kommen.

Machterhalt um jeden Preis

Die Frage ist allerdings, wie lange noch. Denn Peking machte bereits deutlich, dass es keine Schleichwege mehr dulden will. Solche Schleichwege wird es laut Wurzel zwar auch in Zukunft noch geben. Doch es werde technisch immer aufwendiger und teurer, die Zensur zu umgehen.

Vom neusten Angriff auf die Meinungsäusserungsfreiheit verspricht sich Peking kurzfristig, dass niemand kritisch über den bevorstehenden Parteitag berichten kann. Mittel- und langfristig geht es dem Staatschef und der Parteiführung um Machterhalt. «In die Köpfe kann man nicht hineinschauen, aber man kann kontrollieren, was die Menschen lesen und klicken», bringt es Journalist Wurzel auf den Punkt.

Apple knickte bereits im Frühjahr ein

Auf Wunsch Pekings löschte Apple bereits Anfang Jahr die Nachrichten-App der «New York Times» aus seinem Angebot in China. Facebook und Twitter sperrte die chinesische Regierung schon vor Jahren. Blockiert werden neben Google-Diensten auch die Videoplattform YouTube sowie viele internationale Medien oder Webseiten, die Pekings Politik kritisieren oder Menschenrechtsthemen ansprechen.

Zuletzt wurde auch WhatsApp massiv gestört. Nutzer konnten zwar noch Text, aber keine Fotos mehr senden. Chinas eigene soziale Netzwerke werden streng überwacht. Kritische Artikel werden gelöscht, viele Suchbegriffe sind gesperrt.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst U. Haensler (ErnstU)
    Ich schäme mich und bin genervt, dass ich alle Produkte von Apple habe. Bessere andere gibts leider nicht.
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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Einknicken, kuschen... so bezeichnet SRF also das respektieren fremder Gesetze durch US Firmen. SRF selber ist aber in China nicht zensiert, genauso wenig wie CNN oder Nikkei Asia Review (Mutterkonzern der Financial Times). Nur mal so als Gegenmassnahme gegen Fake News.
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    1. Antwort von Arnold Weiss (A.Weiss)
      "Respektieren fremder Gesetze" ist ein schönes Wort für die Unterdrückung der Meinungsfreiheit. Und es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch andere englischsprachige westliche Medien zensiert werden. Aus welchem Grund denken Sie, dass China VPN-Programme sperrt und die Schweiz nicht? Einfach so aus Spass?
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    2. Antwort von Paul Soltermann (ps)
      Habe mich gefreut die CH-Nati an der Fussball EM für einmal im bewegten Bild sehen zu können ... dank VPN , oder besser: trotz den vielen Sperren die einer weltweiten Kommunikation von den westlichen Kartellen in den Weg gelegt werden (aus rechtlichen Gründen leider etc etc). Facit: Eine Welt ohne Facebook und Twitter wäre keineswegs eine schlechtere Welt.
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    3. Antwort von Arnold Weiss (A.Weiss)
      Schöne neue Welt. Dass Grundlegende Seiten gesperrt werden, mit denen man sich über Menschenrechte und ähnliches informieren kann, scheint Sie nicht zu stören. Wenn aber Firmen wie das SRF die Bildrechte der Fussball EM nur für gewisse Länder kaufen, und nicht für die ganze Welt, ist das Ausmass der Zensur plötzlich vergleichbar? Aha. Und dass China Facebook, Youtube und Artikel über das Tianmen-Massaker sperrt, hilft für eine bessere Welt...?
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    4. Antwort von Paul Soltermann (ps)
      AW: Sie leben in ihrer Facebook/Youtube Welt und ich informiere mich lieber vor Ort. Ueber das 'Tianmen-Massaker' ist wohl schon längst alles gesagt und niedergeschrieben worden, es liegt übrigens auch schon 30 Jahre zurück, während die Aufstände von Xinjiang und im Tibet erwiesenermassen von im Ausland wohnenden Extremisten mittels Ficebook/Twitter losgetreten wurde. Das ist der Grund warum diese Quellen in China gesperrt sind.
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  • Kommentar von Martin Steffen (/\o/\)
    Machterhalt: "«In die Köpfe kann man nicht hineinschauen, aber man kann kontrollieren, was die Menschen lesen und klicken», bringt es Journalist Wurzel auf den Punkt": Wie wahr, wie wahr! Bei uns wissen dies praktisch alle, aber es ist ihnen schlicht egal... Übrigens: Elon Musk und Mark Zuckerberg arbeiten bereits an Orwells Gedankenpolizei - Motto: Gedanken auslesen statt tippen! Wenn das mal keine gute Nachricht (auch) für die chinesische Führung ist! Stichworte: Musk Zuckerberg Gedanken lesen
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