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International Argentinien muss Gläubigern aus den USA Geld zurückgeben

Folgenschweres Urteil dreizehn Jahre nach dem Staatsbankrott: Das Land soll 1,3 Milliarden Dollar an US-Anleger bezahlen. Sie hatten nach der Pleite argentinische Anleihen zu einem Bruchteil ihres Wertes gekauft. Später wollten sie nicht auf rund 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

Der Oberste Gerichtshof der USA hat ein für Argentinien folgenschweres Urteil gefällt. Das Land soll 1,3 Mrd. Dollar an US-Gläubiger bezahlen. Diese hatten nach dem Staatsbankrott argentinische Anleihen zu einem Bruchteil ihres Wertes gekauft. Später wollten sie nicht auf rund 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Das Gericht gab ihnen nun Recht.

In einer ersten Reaktion gab gestern die Börse in Buenos Aires um über zehn Prozent nach. Das Urteil bringt Argentinien in eine schwierige Lage. Wenn es die Ausstände bezahlt, riskiert es die Hälfte seines Devisen-Reservepolsters. Bezahlt es nicht, rutscht Argentinien in die technische Zahlungsunfähigkeit und verbaut sich damit die Möglichkeit, an den internationalen Finanzmärkten dringend benötigte Kredite aufzunehmen.

Argentinien spricht von Aasgeierfonds

Nach dem Staatsbankrott von 2001 einigte sich Argentinien mit den Gläubigern auf eine Schuldenrestrukturierung, wobei die Geldgeber Abstriche in der Höhe von 75 Prozent machen mussten. Eine Minderheit von Gläubigern machte dabei nicht mit. Drei Spekulationsfonds aus den USA kauften den Haltern solcher Obligationen die Titel für ganz wenig Geld ab, um die vollen Beträge vor der US-Justiz einzufordern.

Argentinien spricht in diesem Zusammenhang von Aasgeierfonds, die das Land in die Knie zwingen wollten. In einer Fernsehbotschaft sagte Staatspräsidentin Cristina Kirchner gestern Nacht, Argentinien wolle seine legitimen Schulden begleichen, lasse sich aber nicht erpressen. Konkreter wurde sie nicht.

Zusammengenommen geht es um 18 Milliarden Dollar. Jetzt wird es richtig kompliziert. Auch, weil die Gläubiger, die den Schuldenschnitt mitgemacht haben, nun ihrerseits vor Gericht gehen und die 100-prozentige Rückzahlung ihrer Guthaben verlangen könnten. Das würde erst recht in einem neuen Staatsbankrott enden.

Hilfe von der internationalen Politik?

Argentinien erhofft sich jetzt Hilfe von der internationalen Politik. Das Urteil des obersten US-Gerichts stellt nämlich die gesamte Finanzarchitektur auf den Kopf. Im Prinzip werden damit auch Schuldenschnitte in den südeuropäischen Krisenstaaten anfechtbar. Viele Fachleute halten ein international verbindliches Konkursrecht für überforderte Schuldnerländer für immer wichtiger.

Argentiniens Probleme

Auch 13 Jahre nach dem Staatsbankrott hat Argentinien mit verschiedenen Problemen zu kämpfen. Das Wohlstandsgefälle ist gross, es herrscht Drogenkriminalität und Korruption. Viele Bürger sind mit der Regierung unzufrieden. Im April 2014 kam es zum Generalstreik.

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36 Kommentare

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  • Kommentar von michael fischbacher, nidau
    Sie Herr Geoffrey Pollmann(h) (sofern das ihr richtiger Name ist!) sind wohl wirklich ein richtig, echter Amerikaner! Den eigenen Namen 3x schreiben, wovon 1x falsch (oder 2x richtig?) Doch sie haben mich überzeugt......
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    1. Antwort von Geoffrey Pollmann, Miami
      Ich bin Auslandschweizer seit 37 Jahren in den USA, in der Schweiz aufgewachsen mit Abschluss Uni Zuerich. Meine Augen haben etwas abgegeben. Ich bin erstaunt ueber den Antiamerikanismus unter Schweizern. Die politische Lage hat sich wohl in der Schweiz veraendert. Nicht alles hier ist gut, aber ich bin froh hier zu leben.
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  • Kommentar von Peter Meier, Zürich
    Liebes SRF: Ich würde mich über einen etwas fundierteren und detaillierteren Bericht freuen, insbesondere was die Folgen für Argentinien angeht, was "technische Zahlungsunfähigkeit" bedeutet und warum diese bei Verweigerung der Zahlung eintreten würde. Mindestens Quellen wären sehr hilfreich. Vielen Dank!
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      Keine Bank in den USA würde sich als Emittent für neue argent. Anleihen finden lassen, da auch diese Institiute gem. amerik. Justiz und dessen aktuellen Schuldspruch gegen Argentinien eine Mitverantwortung trifft. IWF u. Weltbank würden Ihre Bedingungen sehr viel höher schrauben, d.h. die Zinsen würden für Argentinien unbezahlbar. Wer kann schon gegen 20% für seine Schuldverschreibungen berappen.
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  • Kommentar von Peter Meier, Zürich
    Kann mir jemand mit VWL- und finanzpolitischem Hintergrund erklären, warum die Argentinier sich um dieses Gerichtsurteil scheren sollen? Muss in diesem Fall die US-Notenbank aktiv werden, bzw. wird Argentinien der Handel mit Dollars erschwert? Ansonsten geht's doch nur um Vertrauen, sprich wenn Argentinien klar macht, dass es allen Verpflichtungen ausser den Besagten nachkommt und dies auch beweist, sollten die Probleme doch minimal sein?
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