Armee stürzt Regierung in Burkina Faso

Im westafrikanischen Land hat das Militär die Macht übernommen. Es ist eine Folge der landesweiten Proteste gegen den langjährigen Machthaber Blaise Compaoré. Die aufgebrachten Demonstranten haben unter anderem das Parlamentsgebäude gestürmt und in Brand gesetzt.

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Aufstand gegen Burkina Fasos Präsident

0:59 min, aus Tagesschau vom 30.10.2014

Nach den gewaltsamen Protesten in Burkina Faso hat die Armee die Macht im westafrikanischen Land übernommen. Die Regierung sei abgesetzt und das Parlament aufgelöst worden, teilte das Militär bei einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Ouagadougou mit.

Armee verhängt Ausgangssperre

Es werde nun ein Übergangsgremium eingesetzt, das in den kommenden zwölf Monaten die verfassungsmässige Ordnung wieder herstellen solle. Die Armee verkündete ausserdem eine landesweite Ausgangssperre zwischen 19.00 Uhr und 6.00 Uhr.

Zuvor hatten aufgebrachte Demonstranten das Parlament gestürmt und Feuer gelegt. Sie erreichten damit, dass die Regierung eine geplante Abstimmung über eine Verfassungsänderung zugunsten von Staatschef Blaise Compaoré im Parlament absagte.

Der seit 27 Jahren regierende Präsident will mit der Verfassungsänderung seinen Verbleib an der Macht erreichen. Tausende Menschen gingen in Ougadougou dagegen auf die Strasse. Ein Mann wurde im Zuge der Ausschreitungen getötet, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

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SRF-Korrespondent Patrik Wülser zur Lage in Burkina Faso

2:09 min, aus Tagesschau vom 30.10.2014

Vergleiche mit dem Arabischen Frühling

Gemäss SRF-Korrespondent Patrik Wülser werden in Afrika die Ereignisse in Burkina Faso bereits mit jenen des Arabischen Frühlings verglichen. Er mahnt jedoch zur Vorsicht. Es sei nicht die Zeit für Spekulationen. Zuerst müsse beobachtet werden, was im Land selber passiere.

Es gebe momentan keine gesicherten Informationen, aber es heisse, es herrsche rohe Gewalt in Burkina Faso und es komme zu Plünderungen. «Ich hoffe, dass der politische Volksaufstand nicht in Gewalt endet und das fragile Land nicht wieder in einen Bürgerkrieg zurückfällt», sagt Wülser. Dann müsste die Bevölkerung einen hohen Preis zahlen für die Absetzung eines Autokraten.

Rauch über dem Parlament

Die Demonstranten waren am Morgen in das Gebäude der Nationalversammlung eingedrungen, verwüsteten Büros, setzten Akten und Autos in Brand und schleppten Computer fort.

Sicherheitskräfte versuchten zunächst, die Demonstranten mit Tränengas zurückzudrängen, dann traten sie selbst den Rückzug an. Die überwiegend jungen Demonstranten riefen: «Befreit Kosyam». Kosyam ist der Name des Präsidentensitzes.

Regierung krebst zurück

Nach der Erstürmung des Parlamentsgebäudes zogen weitere Demonstranten zum Sitz des nationalen Fernsehsenders RTB. Sie plünderten und verwüsteten auch dort Büros und zerstörten Fahrzeuge.

Die Gebäude der Regierungspartei in Ouagadougou und der zweitgrössten Stadt Bobo Dioulasso gingen nach Angaben von Augenzeugen ebenfalls in Flammen auf. In Bobo Dioulasso brannte auch das Rathaus.

Über 25 Jahre an der Macht

Über 25 Jahre an der Macht

Burkina Faso mit etwa 17 Millionen Einwohnern ist eines der ärmsten Länder der Welt. Präsident Blaise Compaoré ist seit 27 Jahren an der Macht. Die geplante Verfassungsänderung würde ihm den Weg zu einer weiteren fünfjährigen Amtszeit ebnen. Die Wahlen sind für November 2015 geplant.