Aserbaidschan ruft einseitige Waffenruhe aus

Baku versucht die Wogen zu glätten, nachdem der Streit um die Bergkarabach-Region zwischen Armenien und Aserbaidschan neu aufgeflammt ist. Das Land legt von sich aus die Waffen nieder. Dies aber nur unter Bedingungen: Auch Armenien muss den Krieg einstellen.

Übersichtskarte über das Konfliktgebiet.(srf)

Bildlegende: Das mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet gehört zum muslimisch geprägten Aserbaidschan. srf

Nach heftigen Gefechten mit dem Nachbarland Armenien an der Frontlinie zum umstrittenen Grenzgebiet Bergkarabach hat Aserbaidschan eine einseitige Waffenruhe ausgerufen. Die Feuerpause sei als ein «Zeichen guten Willens» beschossen worden.

Dies teilte das Verteidigungsministerium in Baku mit. Allerdings würden alle von den armenischen Truppen besetzten Gebiete «befreit», sollte das armenische Militär seine «Provokationen» nicht stoppen.

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Aserbaidschan ruft einseitige Waffenruhe aus

0:23 min, aus Tagesschau vom 3.4.2016

Ein jahrzehntealter Konflikt

Die Gefechte hatten in der Nacht auf Samstag begonnen und dauerten am Sonntagmorgen zunächst sporadisch weiter an. Mindestens 30 Soldaten wurden getötet. Armenien berichtete von 18 Toten, das aserbaidschanische Militär meldete 12 Tote in den eigenen Reihen. Die Ex-Sowjetrepubliken machten sich gegenseitig dafür verantwortlich, dass der alte Zwist wieder neu ausgebrochen ist.

Seit Jahrzehnten liegen die beiden Länder wegen der Region Bergkarabach im Streit. Das überwiegend von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet gehört völkerrechtlich zum muslimisch geprägten Aserbaidschan. Es hat sich aber nach dem Zerfall der UdSSR Anfang der 1990er-Jahre von Aserbaidschan losgesagt – in einem Krieg mit fast 30'000 Toten.

Eine seit 1994 geltende Waffenruhe war mehr als brüchig. Die Führung in Baku hatte mehrfach gedroht, das abtrünnige Gebiet zurückzuerobern.

Widersprüchliche Angaben der beiden Konfliktparteien

Nach den jüngsten Auseinandersetzungen gab das Aussenministerium in Aserbaidschan an, das armenische Militär habe mit schweren Waffen Siedlungen beschossen. Auch Zivilisten seien zu Schaden gekommen. Die Armee habe einige strategisch wichtige Punkte besetzt.

Das armenische Verteidigungsministerium sprach indes von einer Offensive Aserbaidschans – mit Panzern, Artillerie und Luftwaffe. Die Streitkräfte hätten einen aserbaidschanischen Kampfhubschrauber vom Typ Mi-24 abgeschossen und mehrere Panzer und Drohnen zerstört. Die Behörden in Bergkarabach berichteten von zwei getöteten Kindern.

Internationale Kritik an der Eskalation

Die sogenannte Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die in dem Konflikt vermittelt, verurteilte die Eskalation. Für Dienstag sei ein Treffen geplant, teilte US-Botschafter James Warlick von der Minsk-Gruppe mit. Zu dem OSZE-Gremium gehören unter anderem Russland, die USA, Deutschland, Frankreich und die Türkei.

Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat an die Konfliktparteien appelliert. Die Kämpfe müssten sofort enden. Er sei «besonders besorgt über den Einsatz schwerer Waffen und die hohe Opferzahl, darunter welche in der Zivilbevölkerung», hiess es in einer Erklärung.

Putin und Erdogan stellen sich hinter ihre Schützlinge

Der russische Präsident Wladimir Putin mahnte Armenien und Aserbaidschan zur Zurückhaltung. Russland sieht sich als Schutzmacht Armeniens und hat Tausende Soldaten in dem Land mit rund drei Millionen Einwohnern stationiert. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sowie Chefdiplomat Sergej Lawrow führten mit ihren Amtskollegen in den Hauptstädten Eriwan und Baku Krisentelefonate.

Die türkische Regierung hingegen sicherte Aserbaidschan ihre Unterstützung zu. «Wir beten dafür, dass unsere aserbaidschanischen Brüder mit den kleinstmöglichen Verlusten die Oberhand in diesen Kämpfen gewinnen», sagte Präsident Recep Tayyip Erdogan. «Wir werden Aserbaidschan bis zum Ende unterstützen.»