Zum Inhalt springen

International Assad relativiert seine Gesprächsbereitschaft mit den USA

Der syrische Präsident hat sich gegenüber einem US-Sender grundsätzlich offen für Gespräche mit den USA gezeigt. Tags darauf kritisiert er in einem Gespräch mit einer russischen Nachrichtenagentur den Zick-Zack-Kurs Washingtons und bezeichnet die US-Luftangriffe gegen den IS als wirkungslos.

Baschar al-Assad
Legende: Baschar al-Assad möchte nicht, dass die «Souveränität seines Landes infrage gestellt wird». Keystone

In einem Interview mit dem US-Sender CBS hat sich Syriens Präsident Baschar al-Assad am Donnerstag offen für Gespräche mit den USA gezeigt. Allerdings dürfe die Souveränität seines Landes nicht infrage gestellt werden. «Wir sind für jeden Dialog mit jedem offen, auch mit den USA, wenn es auf gegenseitigem Respekt basiert,» so Assad.

Kritik an den USA

Assads Interesse an einem Dialog mit den USA wird jedoch durch seine Aussagen gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Tass relativiert. Im Interview zeigt sich das syrische Oberhaupt gegenüber Washington kritisch: Die US-Regierung sage «heute dies, morgen das». Sie wolle weiterhin die syrische Führung durch «Marionetten» ersetzen, so Assad.

Die Luftangriffe der USA gegen den Islamischen Staat (IS) in Syrien und im Irak bezeichnete Assad ausserdem als «wirkungslos und nicht ernst gemeint». Der Westen wolle die Terrormiliz in Wirklichkeit gar nicht zerstören, sondern als «Erpressungspotenzial» missbrauchen.

Auch kritisert Assad die Beziehungen der USA zu Saudi-Arabien. «Sie sagen, dass unser Land undemokratisch ist. Gleichzeitig unterhalten sie gute Beziehungen etwa mit Saudi-Arabien, das überhaupt kein Verhältnis zur Demokratie besitzt», sagte Assad. In Saudi-Arabien gebe es «keine Wahlen, Frauen sind rechtlos, und es geschehen dort andere schlimme Dinge, von denen alle wissen». Gemäss Assad sei dies eines von vielen Beispielen für die «Heuchelei des Westens».

Die USA auf Zick-Zack-Kurs

Nicht nur Assad auch die USA nuancierten früher gemachte Aussagen. So stellten sie kürzlich klar, dass Verhandlungen mit Assad ausgeschlossen seien. Zuvor hatte Ausseminister John Kerry in einem Fernsehinterview erklärt, möglicherweise müsse der Druck auf Assad erhöht werden, um ihn zu Gesprächen über einen politischen Übergang in Syrien zu zwingen. Dies hatte bei europäischen und arabischen Verbündeten teilweise scharfe Reaktionen hervorgerufen.

Flugblätter gegen den IS

Während Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und Baschar al-Assad also auf sich warten lassen, sind die USA im Kampf gegen den Islamischen Staat in Syrien aktiv geworden. Die Amerikaner warfen südwestlich der Extremisten-Hochburg Rakka Tausende Flugblätter ab. Ziel der Aktion sei es, die Anwerbung von Kämpfern zu erschweren, teilte das Verteidigungsministerium am Donnerstag mit.

Das Cartoon zeigt Rekruten, die anstehen, um in einen Fleischwolf geschoben zu werden.
Legende: Die USA warfen tausende Flugblätter nahe der Extremistenhochburg Rakka gegen den IS in Syrien ab. Twitter/@JakeTapper

Die im Cartoon-Stil gehaltenen Flugblätter zeigen Bilder von Rekruten, die anstehen, um in einen Fleischwolf geschoben zu werden. Es sei das erste Mal, dass die USA Flugblätter in Syrien einsetzten. Zu Kriegszeiten wurde bereits öfter darauf zurückgegriffen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

8 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Die Opposition gegen Assad wird von IS, Al-Nusra und anderen verbrecherischen Islamistenbanden dominiert. Die FSA ist militärisch nicht mehr existent. Systematisch werden Minderheiten wie Kurden, Christen, Aleviten usw, ermordert und vertrieben. Viele der Mörder sind Ausländer mit europäischen Pässen und werden aus dem Ausland bezahlt und bewaffnet. Beteiligt sind die Türkei, KSA und Katar. Alle verfolgen nur machtpolitische Interessen. Für die Menschen in Syrien interessiert sich niemand.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Leni Meier, Bad Ragaz
      Naja, der Assad-Clan besteht auch nicht nur aus Chorknaben. Das Grundproblem ist, dass Syrien und der Irak Länder sind, die auf dem Reißbrett entworfen wurden und zuviel nicht zusammengehört
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Wären die USA interessiert am Frieden in Nahost, würden Sie das Geprächsangebot von Assad annehmen. Syrien könnte es passieren, dass es zwischen dem Iran und dem IS aufgerieben wird. Schliesslich hatten die USA schon gegen alle 3 genannten Parteien oder Länder Krieg geführt, oder im Fall Syriens angedroht und Waffen geliefert. Vielleicht sollten sich die USA noch besser ganz heraushalten und die Welt sollte die UNO stärken - aber das sind wohl Wunschträume, solange es Öl+Gas gibt im nahen Osten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Christina Bernegg, Horw
      Herr Mitulla,danke,sie haben das sehr gut eingeschätzt.Die ganze Sache stinkt schon lange bis zum Himmel.Aber die USA,hat absolut kein Interesse daran die Ölvorkommen in Syrien aufzugeben,dann wer der Profit weg.Und, dass die USA sich heraushalten würden ist ein reines Wunschdenken,denn das werden die nie tun!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Anna Meier, Kt. Bern
      Stimmt, die USA sollten sich heraushalten, aber das mit der UNO wird nichts bringen. Die UNO ist und war defacto immer handlungsunfähig & kann allerhöchstens ans Gewissen appellieren. Leider bezweifle ich, dass gewisse Kreaturen (IS, Terrororganisationen, ...) ein Gewissen haben. Ich glaube der nahe Osten muss eine für sich passende Länderaufteilung & Lebensweise finden, sei diese nach westlichem Vorbild oder eine eigene Lebensweise, ohne aber wird es immer wieder Kriege geben...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von m.mitulla, wil
      @A. Meier. Bin absolut Ihrer Meinung. Aber wenn beispielsweise die UNO mehr Mittel und Möglichkeiten hätte als die Nato - dann würde die Welt friedlicher aussehen. Also unterstütze ich jeden Schritt dahin. Die vergangenen Kriege kann niemand ungeschehen machen - aber gegen die Entstehung neuer Kriege, dafür können wir und stark machen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      Soviel Oel u. Gas hat Syrien nicht, dass sich dafür ein Krieg lohnt: 1995 wurde das Fördermax. von 610'000 Barrel (Fass) Tagesförderung erreicht. 2008 waren es lediglich noch 379'000 Fass. Es ist absehbar, dass auch ohne Krieg das Land bald zu einem Nettoimporteur v. Oel wird. 2008 wurden 22 Mio m3/tägl. Erdgas für den Eigenbedarf gefördert bei geschätzten Reserven von 240 Mia m3. Das Land wird wegen sozialen u. geopolit. Gründen nicht so schnell zur Ruhe kommen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @A. Meier: Ist denn die westliche Lebensweise Vorbild? Einen interessanten Bericht betreffend Ukraine darüber gelesen, welche dem widerspricht! "Wir wohnen hier seit tausenden Jahren im besten Einverständnis mit Ruthenen, Russen, Slowenen & Ukrainern. Das friedliche Zusammenleben im Minderheiten-Flickenteppich Transkarpatiens, das an Polen, Ungarn, Rumänien & die Slowakei stösst, funktioniert." Funktionierte bis eben so einige darüber der Meinung waren, dass es nicht funktionieren kann & darf.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen