Assad: «Sie sollten auf alles gefasst sein»

Weder der Giftgasanschlag, noch der Übername «der Schlächter» oder der drohende Militärschlag bringen ihn aus der Fassung: Syriens Machthaber Baschar al Assad steht im US-Fernsehen Red und Antwort. Und er lässt keine Zweifel: Bei einem Eingreifen der USA droht Vergeltung – und zwar jeglicher Art.

Mit Warnungen und Drohungen setzen sowohl die USA als auch Syrien das seit Wochen andauernde Kriegsgetrommel fort. Kommt es zum Militärschlag gegen Syrien? Das ist derzeit die grosse Frage, auf welche der US-Kongress sobald wie möglich eine Antwort finden muss. Der Militärschlag wäre eine Antwort auf den mutmasslichen Giftgasangriff des Regimes von Baschar al Assad.

«Nicht den Hauch eines Beweises vorgelegt»

In einem Interview mit dem TV-Sender CBS wiederholte Assad jedoch, was er seit jeher sagte: Seine Soldaten seien nicht für diesen Angriff verantwortlich gewesen. Von dem Ort des mutmasslichen Geschehens gebe es nur Videos, Fotos und Behauptungen.

Mit einem Lächeln konterte er denn auch auf die Aussage des Moderators, wonach US-Aussenminister Kerry doch von Beweisen gesprochen habe: «In diesem Fall hat Kerry keinen einzigen Beweis vorgelegt. Er sagte, wir haben Beweise, aber präsentiert hat er nichts – bis jetzt.»

Sollten sich die USA zu einem Angriff entschliessen, so drohen Vergeltungsschläge. «Sie sollten auf alles gefasst sein», warnte Assad. Eine solche Vergeltung müsse jedoch nicht unbedingt von Seiten der Regierung kommen: «Wir sind nicht die einzigen Spieler in der Region».

«Niemand hat den 11. September erwartet»

Auf die Frage, ob «mit allem rechnen» auch der Einsatz von Chemiewaffen gemeint sei, antwortete Assad: «Es hängt davon ab, ob die Rebellen oder die Terroristen oder auch andere Gruppen diese Waffen haben. Es kann passieren. Ich weiss es nicht.»

Und dann macht Assad einen waghalsigen Vergleich: «Niemand hat den 11. September erwartet.» Das kam unerwartet. So sei es auch jetzt schwierig vorauszusehen, was passieren werde. In der Region stehe «alles kurz vor der Explosion».

Auch auf die Provokation hin, man nenne ihn «Schlächter», vergleiche ihn mit dem schlimmsten Diktatoren der Weltgeschichte, antwortete Assad gelassen: «Wenn ein Doktor dem Patienten ein Bein amputiert, um damit eine Seuche zu verhindern, nennen wir ihn Doktor, nicht Schlächter. Und man dankt ihm, dass er Leben gerettet hat.»