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Die Schlacht um Aleppo Assad verkündet «Befreiung» Aleppos

Nach monatelangen Gefechten und Bombardierungen wird die letzte Rebellenhochburg evakuiert.

Legende: Video Evakuierung aus Aleppo läuft schleppend an abspielen. Laufzeit 1:26 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.12.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der syrische Präsident Baschar al-Assad erklärt die umkämpfte Stadt Aleppo für «befreit».
  • Laut Militärkreisen wurden bis zum Nachmittag rund 1000 Menschen aus den umzingelten Vierteln herausgeholt. Dem syrischen Staatsfernsehen zufolge sollen mindestens 4000 Rebellenkämpfer und ihre Familien aus Aleppo weggebracht werden.
  • Ausser Ost-Aleppo sollten nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana auch zwei Dörfer in der Provinz Idlib evakuiert werden, die von der Regierung gehalten werden und von Rebellen umzingelt sind.

Nach heftigen Kämpfen um die letzte Rebellenenklave in Aleppo ist eine Evakuierungsaktion für Tausende Menschen angelaufen. Mehr als 20 Busse sowie Rettungswagen fuhren am Donnerstag in das zerstörte Gebiet der syrischen Grossstadt, wie eine Reuters-Reporterin beobachtete. Laut syrischen Behörden waren im ersten Konvoi rund 900 Menschen.

Die Evkauierung werde von der Uno überwacht, sagt der Leiter des UNO-Hilfseinsatzes Jan Egeland, vor den Medien in Genf: «Russland hat zugesagt, dass die Evakuierung problemlos vonstatten gehen werde. Und dass niemand zu Schaden kommen werde.»

Russland hat zugesagt, dass die Evakuierung problemlos vonstatten gehen werde.
Autor: Jan Egeland

Egeland sagte weiter: Die Evakuierten wollten in die Stadt Idlib, die von den syrischen Rebellen gehalten wird. Man werde sie andernfalls auch in die Türkei begleiten, falls sie das wünschten.

Zwischenfall mit mehreren Verletzten

Trotz Versprechungen gab es bei der Befreiungsaktion bereits einen Zwischenfall: Regierungstreue Kämpfer feuerten nach Angaben eines Rettungsdienstes auf Krankenwagen und verletzten mindestens drei Personen. Zunächst war von einem Toten die Rede.

Sollte die Evakuierungsaktion gelingen, wäre es der bislang wichtigste Sieg für Staatschef Baschar al-Assad. Ganz Aleppo wäre dann unter seiner Kontrolle. Er wird bei den Kämpfen auch von schiitischen Milizionären etwa aus dem Libanon, dem Iran und dem Irak sowie der russischen Luftwaffe unterstützt.

Seine Gegner erhalten von der Türkei, den Golfstaaten und den USA Hilfe. Russland und die Türkei hatten bereits am Dienstag eine Feuerpause ausgehandelt. Sie scheiterte jedoch, so dass auch die Evakuierung zunächst abgesagt wurde.

Nach Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz geht es zunächst darum, 200 Verletzte aus Ost-Aleppo in Sicherheit zu bringen.

Ich habe noch nie zuvor dieses Ausmass menschlichen Leids gesehen.
Autor: Marianne GasserMitarbeiterin des IKRK in Ost-Aleppo

Russische Soldaten begleiten Rebellen

Die neue Feuerpause gilt nach Angaben der Rebellengruppe Dschabha Schamija seit dem frühen Donnerstagmorgen. Die Kämpfe tobten noch bis kurz vor Beginn. So nahmen Pro-Assad-Einheiten einen Teil des Stadtteils Sukkari ein. Schon davor kontrollierten die Aufständischen nach russischen Angaben nur noch 2,5 Quadratkilometer und damit einen winzigen Bruchteil der früheren Handelsmetropole.

Legende: Video Banges Warten auf die Flucht aus Aleppo abspielen. Laufzeit 7:42 Minuten.
Aus 10vor10 vom 14.12.2016.

Die Rebellen sollen laut Moskauer Verteidigungsministerium auch von russischen Soldaten begleitet werden. Die syrische Regierung garantiere für die Sicherheit der Aufständischen und deren Familien. Demnach will Russland Drohnen einsetzen, um den Transport mit 20 Bussen und zehn Krankenwagen zu überwachen. Der Leiter des UNO-Hilfseinsatzes in Syrien, Jan Egeland, sagte, Tausende Menschen müssten in Sicherheit gebracht werden. Besonders dringend sei die Hilfe für Kinder, Verletzte und Kranke.

Weitere Evakuierungsaktion bei Idlib

Etwa 50 Kilometer südwestlich von Aleppo lief in der Provinz Idlib eine weitere Evakuierungsaktion an. Dort machten sich nach einem Bericht des syrischen Staatsfernsehens 29 Last- und Rettungswagen auf den Weg in die Ortschaften Al-Fua und Kefraja, die von Rebellen belagert werden.

Ziel sei es, Verletzte und Familien in Sicherheit zu bringen. Die Evakuierung der beiden Dörfer war nach Rebellenangaben eine Bedingung schiitischer Milizionäre für die ähnliche Aktion in Aleppo.

Appell des Bürgermeisters

Der Bürgermeister von Ost-Aleppo hat in Brüssel an die EU-Staats- und Regierungschefs appelliert, Beobachter in das Krisengebiet zu schicken. Mehr als 50'000 Zivilisten seien in Gefahr, es müsse sichergestellt werden, dass sie die Stadt verlassen könnten, sagte Brita Hagi Hasan. «Sie sind kurz davor massakriert zu werden».

63 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Ein exemplarischer Fall politisch motivierter 'Anfuehrungseichen'. Wenn 100.000e fliehen koennen, sind sie dann etwa nicht befreit? Wenn lediglich ein paar tausend schuld sind, dass sie so lange nicht fliehen konnten, sind diese paar tausend dann nicht Terroristen? Der Westen steht auf der falschen Seite. Haette man Assad ab 2012 mit modernen Waffen und Logistik versorgt, waeren die Jesiden niemals ermordet worden.
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  • Kommentar von Milan Darem (Mannausorient)
    @Drago: die libanesischen Rebellen machen mit Assadtruppen mit. Sie sind die engsten verbündeten von Assad, zusammen mit Iran. Sie reden von libanesischen Medien als ob sie neutral wären. Was mich eher überrascht dass man in Medien über Iran nichts hört. Im Irak und Syrien kämpfen eigentlich fast ausschließlich iranische Soldaten. Bald entsteht dort eine schiitische Republik angeführt von Iran aber niemand redet darüber.
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    1. Antwort von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
      Mit Fahd al-Freij (Verteidigungsminister), Ali Mamlouk, Mohammad Dib Zaitoun, Mahmoud al-Khattib, Major General Ramadan Mahmoud Ramadan, Brigadier General Jihad Mohamed Sultan usw., führen syrische Sunniten die SAA; die 154th Brigade wird fast auschliesslich von sunnitischen Soldaten aus Aleppo gebildet, der sunnitische Shaitat-Stamm der NDF; iranische Soldaten ? Herr Darem, Herr Aboalenin und Herr Faisal al-Qassem scheinen echt ein Problem mit einer mulitreligiösen syrischen Armee zu haben.
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Die Dschihadisten halten ihren Teil der Vereinbarung nicht ein und blockieren die Hilfe für Fua/Kefraja wo 40000 vom Hungertod bedrohte Zivilisten unter täglichem Artilleriebeschuss radikaler Islamisten ums Überleben kämpfen müssen; dasselbe Leid, nicht dasselbe Intresse.
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    1. Antwort von Peter Fehlmann (Peet)
      Die Dschihadisten sind die Zöglinge des Westens...
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