Assad wechselt seine Parteispitze aus

In Syrien muss die Spitze der Baath-Partei den Hut nehmen. Auch bei den Aufständischen gibt es einen Wechsel an der Spitze. Derweil gehen die Kämpfe in Homs mit aller Härte weiter. In einem Stadtteil sind 2500 Unbeteiligte eingekesselt.

Assad

Bildlegende: Mitten im Bürgerkrieg hat Assad die Spitze seiner Baath-Partei ausgetauscht. Grund: interne Kritik am Kurs der Armee. Keystone/archiv

Die ganze Führung von Syriens regierender Baath-Partei ist ausgewechselt worden – mit Ausnahme von Machthaber Baschar al-Assad. Die Mitglieder der Parteiführung seien neu bestimmt worden, hiess es auf der Website der Partei.

Vizepräsident wurde als möglicher Nachfolger gehandelt

Unter den abgesetzten Parteichefs war auch Vizepräsident Faruk al-Schareh, der Kritik an der Politik Assads geäussert hatte. Al-Schareh hatte Mitte Dezember öffentlich geäussert, dass er Verhandlungen mit den syrischen Rebellen für sinnvoll halte und damit im Widerspruch zu Assad stehe.

Seiner Ansicht nach könne keine der Bürgerkriegsparteien den Konflikt militärisch gewinnen. Al-Schareh war 22 Jahre lang syrischer Aussenminister und wurde von der Arabischen Liga und den Vereinten Nationen auch als möglicher Nachfolger Assads im Falle einer Verhandlungslösung gehandelt.

Regierungschef der Aufständischen zurückgetreten

Auch bei den syrischen Rebellen kam es zu einem Machtwechsel: Der von den Aufständischen ernannte Regierungschef Ghassan Hitto erklärte heute seinen Rücktritt. Er werde seine Aufgabe als Chef der Interimsregierung «nicht weiter ausüben», stehe aber weiter zur Verfügung, um «die Ziele der Revolution» zu erreichen, erklärte Hitto im Internet.

Hitto war seit März damit beauftragt, in den von den Rebellen kontrollierten Gebieten die Regierungsgewalt auszuüben. Es gelang ihm in den vergangenen Monaten nicht, eine arbeitsfähige Regierung der Rebellen zusammenzustellen.

Nach monatelangen Grabenkämpfen hatte sich die syrische Oppositionsbewegung am Wochenende in Istanbul auf eine neue Führungsriege geeinigt. Dabei wurde der von Saudi-Arabien unterstützte Stammesführer Ahmed Assi al-Dscharba zum Chef gewählt.

Volles Geschütz in Homs

«Jede Art tödlicher Waffen» gehört laut Medienberichten inzwischen zu den Werkzeugen der syrischen Regierungstruppen – von Flugzeugen über Raketenwerfer bis zu Panzern und Artillerie. In Homs dringen Assads Soldaten in das bisher von Rebellen gehaltene Stadtviertel Chaldijeh vor.

Es sollen die schwersten Kämpfe in Homs seit dem Beginn des Aufstands gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad im März 2011 sein.

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Tote, Verletzte und Zerstörung in Syrien (unkomm.)

1:35 min, vom 8.7.2013

2500 Eingekesselte brauchen Hilfe

Die Regierungszeitung «Al-Watan» berichtete unter Berufung auf Militärkreise, die Armee habe den grössten Teil des Stadtviertels Chaldijeh unter ihre Kontrolle gebracht.

Die syrische Armee hatte vor zehn Tagen mit ihrem Vorstoss auf Homs begonnen. Nach UNO-Angaben sitzen mindestens 2500 an den Kämpfen unbeteiligte Menschen fest und brauchen dringend Hilfe.