Assads Truppen rücken auf Aleppo vor

In Syrien spitzt sich die Lage weiter zu. Die von russischen Luftangriffen unterstützten Regierungstruppen sind südlich von Aleppo auf dem Vormarsch. Unterdessen bombardierten russische Kampfjets umliegende Orte.

Schwarzweiss Bild, das den Raketeneinschlag auf eine IS-Stellung zeigen soll.

Bildlegende: Nach russischen Angaben wurden seit Ende September mehr als 380 IS-Ziele bombardiert, wie dieses Bild zeigen soll. Keystone

Russlands Luft-Unterstützung der Assad-Truppen zeigt Wirkung: Die Regierungstruppen näherten sich dem südlichen Stadtrand von Aleppo. Dies meldet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in London.

Karte, auf der die Städte Damaskus und Aleppo eingezeichnet sind.

Bildlegende: Die Wirtschaftsmetropole Aleppo liegt im Norden des Landes. SRF

Seit Juli 2012 ist das weitgehend zerstörte Aleppo faktisch in zwei Teile geteilt. Den Westen kontrolliert die Regierung. Im Osten haben die islamistische Al-Nusra-Front und ihre Verbündeten das Sagen. Die Al-Nusra-Front ist der syrische Ableger des Al-Kaida-Netzwerks.

Droht eine Schlacht um Aleppo?

«Wir konnten vor kurzem mit einem Rebellen-Kommandeur in Aleppo telefonieren. Er hat die Lage der Aufständischen in der Stadt als äusserst gefährlich beschrieben», sagt Pascal Weber. Er ist SRF-Korrespondent und beobachtet die Entwicklungen aus Beirut.

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Pascal Weber: «Der Konflikt wird internationaler»

1:54 min, aus Tagesschau vom 16.10.2015

Nach seinen Angaben ist der IS sehr nahe an die Stadt herangerückt. Lediglich ein Dorf leiste noch Widerstand zwischen dem IS und der Stadtgrenze von Aleppo. «Gleichzeitig zieht das Assad-Regime enorme Truppenverbände zusammen. Darunter sind auch grosse Einheiten von Hisbollah-Kämpfern aus dem Libanon. Aber auch iranische Einheiten sind gemäss dem Rebellen-Kommandanten auf dem Vormarsch.»

Für Pascal Weber ist klar: «Der Konflikt wird immer internationaler seit dem Eingreifen Russlands. Die verschiedenen Gross- und Mittelmächte mischen immer direkter mit.»

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Assad-Truppen auf dem Weg nach Aleppo

0:39 min, aus Tagesschau vom 16.10.2015

600 Luftwaffeneinsätze

Ziel der neuen russischen Offensive seien die 15 Kilometer von Aleppo entfernten Dörfer Abtin und Kaddar. Dies sagte der Leiter der in Grossbritannien ansässigen Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Seit Donnerstag habe es in dem Abschnitt dutzende Angriffe der russischen Luftwaffe gegeben.

Ein Mitglied des russischen Generalstabs teilte unterdessen mit: Seit dem 30. September habe die russische Luftwaffe mehr als 600 Einsätze in Syrien geflogen. Dabei seien mehr als 380 Ziele der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) getroffen worden. Dies sagte General Andrej Kartapolow der Zeitung «Komsomolskaja Prawda».

Mehr als 500'000 Tote seit März 2011

Bei Kämpfen in der Provinz Homs wurden der Beobachtungsstelle zufolge am Donnerstag 43 Zivilisten und 17 Rebellen getötet. Seit dem Beginn der Kämpfe im März 2011 wurden demnach in Syrien insgesamt 250'124 Menschen getötet. Unter den Toten seien 74'426 Zivilisten, darunter 12'517 Kinder.

Die Zahl der Toten unter den für die Regierung kämpfenden Einheiten gab die Beobachtungsstelle mit 91'678 an, darunter allein 52'077 Regierungssoldaten. Ausserdem zählte sie 971 tote Kämpfer der schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon. Im August hatte die Beobachtungsstelle die Gesamtzahl der Toten mit 240'381 angegeben.

Die in Opposition zur syrischen Regierung stehende Beobachtungsstelle hat ihren Sitz in Coventry. Sie sammelt und veröffentlicht Informationen über Menschenrechtsverletzungen in Syrien und stützt sich dabei auf ein Netzwerk von Informanten vor Ort. Von unabhängiger Seite sind die Informationen kaum zu überprüfen.

Putin sieht Fortschritte im Kampf gegen IS

Russlands Präsident Wladimir Putin sieht Fortschritte im Kampf gegen die radikal-islamische IS-Miliz in Syrien. Seine Regierung sei mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, Jordanien und Israel in Kontakt, um im Kampf gegen den Terrorismus zusammenzuarbeiten, sagte Putin.

Im Kampf gegen den IS wollen die Regierungen in Ankara und Washington nach türkischen Angaben enger zusammenarbeiten. Bei einem Telefonat hätten Staatschef Recep Tayyip Erdogan und US-Präsident Barack Obama vereinbart, den militärischen Druck auf den IS zu erhöhen, teilte das türkische Präsidialamt mit.