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International Athen zahlt IWF-Rate vorerst nicht – will aber im Euro bleiben

Heute Nacht läuft das Hilfsprogramm für Griechenland aus. Athen kann deshalb die fällige Rate an den IWF nicht zahlen. Gleichzeitig will Athen unbedingt im Euro-Raum bleiben – und gar gerichtlich darum kämpfen.

Legende: Video Athen im Schuldenendkampf abspielen. Laufzeit 2:11 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 29.06.2015.

Griechenland ist heute den letzten Tag unter dem Rettungsschirm: In der Nacht läuft das internationale Hilfsprogramm für das Land aus. Eine der Konsequenzen ist der Ausfall der fälligen Rückzahlung von 1,54 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF).

Der IWF in Washington wollte den Zahlungsausfall nicht kommentieren. Unmittelbare Konsequenzen seitens des IWF drohen Athen allerdings zunächst nicht.

Gleichzeitig will Griechenland nun auch mit juristischen Mitteln darum kämpfen, im Euro-Raum zu bleiben. «Die EU-Verträge haben keine Regelung für einen Ausstieg aus dem Euro und wir weigern uns, diesen zu akzeptieren», sagte Finanzminister Yanis Varoufakis der britischen Zeitung «Daily Telegraph».

Tsipras wirbt für Ablehnung des Referendums

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras verbindet seine politische Zukunft mit dem Ergebnis des Referendums über die umstrittenen Sparauflagen der Geldgeber. Die linksgerichtete Regierung in Athen werde bei der Volksabstimmung am Sonntag zwar ein «Ja» der Bevölkerung respektieren. «Wir werden aber nicht diejenigen sein, die es ausführen», erklärte Tsipras.

Mit der Ankündigung für ein Referendum hat er die Gläubiger brüskiert. Diese verlängern nun das aktuelle Hilfsprogramm nicht. Tsipras hatte dies ursprünglich gewünscht. Die griechischen Banken mussten schliessen, der Kapitalverkehr wurde eingeschränkt. Ein Teil der griechischen Bevölkerung empfindet diese Massnahmen als Druckmittel für die Abstimmung.

Wer immer auch anruft, ich nehme immer ab
Autor: Alexis TsiprasGriechischer Ministerpräsident

Tsipras sagte, er stehe bereit, die Verhandlungen mit den europäischen Partnern wieder aufzunehmen. Sollten sie alsbald ein Angebot unterbreiten, werde Griechenland seine anstehenden Zahlungsverpflichtungen erfüllen. «Mein Telefon ist den ganzen Tag an. Wer immer auch anruft, ich nehme immer ab».

Legende: Video Der Tag in Athen abspielen. Laufzeit 6:05 Minuten.
Aus 10vor10 vom 29.06.2015.

«Unser Leben gehört nicht Gläubigern»

Im griechischen Fernsehen forderte Tsipras seine Landsleute auf, den Spar- und Reformforderungen der Gläubiger eine Absage zu erteilen. Je stärker das «Nein» ausfalle, desto besser werde die Position Griechenlands in darauf folgenden Verhandlungen sein.

Mindestens 20'000 Anhänger der Regierung demonstrierten am Montag für die Politik von Tsipras. «Unser Leben gehört nicht den Gläubigern» und «Weicht
nicht zurück» war auf Spruchbändern zu lesen.

China mischt im Schuldenpoker mit

Derweil mischt sich China in den Streit zwischen der griechischen Regierung und ihren Geldgebern ein. Regierungschef Li Keqiang forderte die EU-Spitzen auf, sich für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone einzusetzen.

Die griechische Schuldenfrage sei kein rein europäisches Thema. Als Investor wolle China ein vereintes, prosperierendes Europa und einen starken Euro sehen.

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«DOK» zu Griechenland

Flagge von Griechenland

Griechenland steht am Abgrund – doch wie konnte es so weit kommen? «DOK» geht dieser Frage nach und zeigt die Hintergründe. «Griechenland, Stunde Null»

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Berger, Bern
    Grichenland will nicht Bezahlen sondern Kassieren. Am liebsten würden die Grichen die Löhne von den EU Ländern beziehen und das machen was sie am liebsten tun, nämlich nichts!
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  • Kommentar von Lucy von Sprecher, Zürich
    Das ist ja eine tolle politische Mentalität: "Athen zahlt IWF-Rate vorerst nicht - will aber im Euro bleiben." Ich zahle jetzt meine Hypotheken vorerst auch nicht - möchte aber in meinem Haus bleiben.
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    1. Antwort von M.Schmid, Bern
      Der IWF ist nicht für den Euro direkt zuständig und es wird zunächst ein Zahlungsverzug, von dem her mag das vorerst gehen... Beim ESFS / der Eurogroup mag hingegen eine entsprechende Reaktion kommen, wenn deren (grössere) Kreditsumme nicht zurückbezahlt wird, oder Griechenland einfach das Staatsbudget jetzt nicht effektiv balancieren will. Es bleibt wohl schon noch ein halber Monat...?
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  • Kommentar von W. Pip, Züri
    Die Griechen schlagen die Eu bloss mit ihren einegen Waffen. Wenn man Banken so viel Geld in den Rachen stopft, kann man als Staat ebenso hemmungslos abräumen. Und die Schlampigkeit des EU-Regelwerks, welche keine Folgen der Haushaltsverfehlung auflistet, nutzen sie ebenfalls für sich. Ich finde das klasse. Es zeigt, wie absurd, weltfremd und bloss wirtschaftsoptimiert dieses Konstrukt ist.
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    1. Antwort von F. Kirschbein, Freiburg/Brsg.
      Die Griechen schlagen sich bestenfalls selbst. Vergessen wir nicht, wer hier von wem was will. Die restlichen Staaten brauchen im Grunde nur gar nichts zu tun, dann ist GR draußen. Das Interesse, dem Land unter die Arme zu greifen resultiert alleine aus der Sorge vor unvorhersehbaren Situationen in der Folge. Ob GR ans sich Mitglied der Eurozone bleibt oder nicht, ist bei der geringen Größe des Landes eher unbedeutend.
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