Atomenergiebehörde eröffnet Uranbank in Kasachstan

Eine Bank, bei der man nicht Geld beziehen kann, sondern Uran: So eine soll in Kasachstan entstehen, eingerichtet von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA. Sie hat mit dem eurasischen Land einen entsprechenden Vertrag geschlossen.

Gelb-weisses Warnschild vor Radioaktivität auf grüber Wand. Links ein Arm in Sicherheitskleidung.

Bildlegende: Startschuss für ein IAEA-Projekt in Kasachstan, einem politisch umstrittenen Land. Reuters/Symbolbild

SRF News: Die Atomorganisation IAEA ist eine Kontrollbehörde für Atomenergie. Wie muss man sich eine Uranbank, wie sie in Kasachstan entsteht, vorstellen?

Oliver Thränert: Es handelt sich um eine Lagerungsstätte für schwach angereichertes Uran. Das wird in einer Anlage in Form von Uranium-Hexafluorid bereitgehalten.

Woher stammt dieses Material?

Das Uran wird sich die IAEA auf dem freien Markt beschaffen. Es wird dann jenen Staaten zur Verfügung gestellt, die es als nuklearen Brennstoff benutzen wollen.

An welche Länder richtet sich dieses Angebot?

Es geht hier um Staaten, die Atomkraftwerke betreiben, beziehungsweise um jene, die im Begriff sind, solche zu bauen. Eine ganze Reihe von Staaten steigt neu in dieses Geschäft ein und baut erstmals ein AKW; zum Beispiel die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate oder auch Schwellenländer wie Vietnam. Diese Länder sollen einen sicheren Zugang zu schwach angereichertem Uran haben. Dieses benötigt man als Brennmaterial in Atomreaktoren.

Was für ein Ziel verfolgt die IAEA mit dieser Bank?

Das politische Ziel ist meines Erachtens sehr wichtig: Es geht im Kern darum, dass die Verbreitung von Atomwaffen verhindert wird. Denn die Urananreicherung ist eine sogenannte Doppelverwendungs-Technologie. Sie kann für zivile Zwecke – eben als Brennstoff für AKW – genutzt werden. Aber man kann mit einer solchen Anlage auch hochangereichertes Uran herstellen, welches man als Ausgangsstoff für Atombomben benötigt. Deshalb ist es im Interesse der IAEA und der internationalen Staatengemeinschaft, dass solche Urananreicherungsanlagen wie bisher nur in den Händen weniger Staaten bleiben. Jene Länder, die AKW betreiben wollen, sollen Zugang zu Brennstoff haben, ohne dass sie eigene Urananreicherungsanlagen bauen müssen.

Wird die Welt dadurch sicherer?

Ich denke schon, dass es ein wichtiger Schritt ist, den Zugang zur gefährlichen Technologie der Urananreicherung zu beschränken. Das Ganze geschieht aber auf freiwilliger Basis. Das heisst, kein Staat verpflichtet sich, auf Urananreicherung zu verzichten. Aber über die Uranbank der IAEA können sich die Staaten darauf verlassen, einen sicheren Zugang zum Brennstoff zu erhalten.

Fragen stellen sich auch zum Standort Kasachstan. Ein Land, das nicht gerade für politische Stabilität steht. Ist das nicht problematisch?

Kasachstan hat als einstiges Mitglied der Sowjetunion viel Erfahrung im Umgang mit nuklearen Technologien und Industrien gesammelt. Und es ist das einzige Land, dass sich im Rahmen der IAEA zur Verfügung gestellt hat, um als Sitzland für eine solche Uranbank fungieren zu können. Man muss wissen: Kasachstan wird als Staat keine Kontrolle über diese Anlage haben. Das Land wird nur das Territorium zur Verfügung stellen. Was ansonsten dort passiert, wird unter den Hospitien der IAEA stattfinden.

Das heisst, Sie halten die Wahl des Sitzlandes für unproblematisch?

Ich sehe kein Problem. Wie gesagt, Kasachstan hat sich freiwillig dazu bereiterklärt, und es musste auch ein Land gefunden werden, das einerseits Erfahrung hat im Umgang mit nuklearer Energie, andererseits aber selbst keine Atomwaffen besitzt.

Das Gespräch führte Brigitte Kramer.

Oliver Thränert

Porträt Oliver Thränert.

ETH Zürich, T. Langholz

Der Spezialist für Sicherheitspolitik leitet den Think Tank am Centre for Security Studies an der ETH Zürich.