Messerangriff in Hamburg Attentäter war den Behörden als Islamist bekannt

Für «unmittelbar gefährlich» hielt man den Mann aber offenbar nicht. Der 26-jährige Angreifer ist in Haft.

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Hamburger Attentäter war Islamist mit psychischen Problemen

1:19 min, aus Tagesschau vom 29.7.2017

  • Der mutmassliche Messer-Attentäter von Hamburg ist den Sicherheitsbehörden bekannt gewesen. Es habe Anzeichen für eine Radikalisierung gegeben, sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote.
  • Der Mann sei als Islamist in die entsprechenden Dateien aufgenommen worden. Man sei aber nicht zu der Einschätzung einer unmittelbaren Gefährlichkeit gelangt.
  • Es handelt sich bei dem Mann um einen abgelehnten Asylbewerber, der demnächst hätte ausreisen sollen.

Der Täter sei ausreisepflichtig gewesen und habe sich im Ausreiseverfahren befunden, sagte Innensenator Grote vor den Medien. Er habe gegen seinen negativen Asylbescheid keine Rechtsmittel eingelegt und auch bei der Organisation von Passersatzpapieren mitgewirkt. Noch am Freitag habe sich der Mann bei der Ausländerbehörde erkundigt, ob seine Passersatzpapiere eingetroffen seien.

«Es war damit zu rechnen, dass diese Papiere demnächst eintreffen würden», sagte Grote. Der 26-Jährige sei auch willens gewesen auszureisen. Hamburgs Polizeipräsident Ralf Meyer sagte, der Mann sei in dieser Hinsicht eine «fast vorbildhafte Person» gewesen. Der Asylantrag des Tatverdächtigen war Ende 2016 abgelehnt worden.

Psychisch labiler Einzeltäter?

Die Untersuchungen zum Tatmotiv sind im Gange. Bei dem Mann gebe es einerseits Hinweise auf religiöse Beweggründe und islamistische Motive, aber auch auf eine «psychische Labilität», sagte Grote. Derzeit gebe es keine Hinweise auf Hintermänner oder eine Einbindung des Täters in ein Netzwerk. Hierzu seien aber weitere Ermittlungen nötig. Es müsse nun auch geprüft werden, ob die Sicherheitsbehörden allen Hinweisen immer in angemessener Weise nachgegangen seien.

«  Wir müssen damit rechnen, dass die dschihadistische Ideologie als Begründung oder Rechtfertigung für Taten herangezogen wird, die vielleicht aufgrund ganz anderer Motive begangen werden. »

Thomas de Maizière
Bundesinnenminister

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigte sich nach dem tödlichen Messer-Angriff bestürzt. Mit Blick auf die möglichen Hintergründe der Tat sagte der Minister: «Wir müssen damit rechnen, dass die dschihadistische Ideologie als Begründung oder Rechtfertigung für Taten herangezogen wird, die vielleicht aufgrund ganz anderer Motive begangen werden.» Das lehre die leidvolle Erfahrung. «Die eigentlichen Motive können dann auch in der Persönlichkeit des Täters liegen.» Es sei nun Aufgabe der Hamburger Behörden, diese zu ermitteln.

Eine Frau legt Kerzen und Blumen nieder.

Bildlegende: Trauer in Hamburg: Bei der Attacke in einem Supermarkt starb eine Person, sieben weitere wurden verletzt. Keystone

Opfer zufällig ausgewählt

Der Innensenator sprach von einer «erbärmlichen, verachtenswerten Tat». Der Angriff habe die Opfer wie aus dem Nichts ereilt. «Es hätte jeden von uns genauso treffen können.»

Der 26-jährige Täter aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hatte am Freitag im Stadtteil Barmbek unvermittelt auf Menschen eingestochen. Ein 50-Jähriger starb. Laut Grote gab es sieben weitere Opfer, die zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden.