Attentat auf Kirche in Pakistan – über 80 Tote

Bei einem Anschlag auf Christen in der Stadt Peshawar sind mehr als 80 Menschen getötet und über 130 Menschen verletzt worden. Zwei Attentäter sprengten sich nach einer Messe in die Luft. Eine pakistanische Taliban-Gruppe bekennt sich zu dem Anschlag – sie wollen weitere Nicht-Muslime töten.

Frauen in Peshawar sitzen vor Särgen ihrer Liebsten. (reuters)

Bildlegende: Diese Frauen müsen von ihren Liebsten Abschied nehmen – sie gehören zu den fast 80 Opfern der Selbstmordanschläge. Reuters

Hunderte Christen hatten sich in der anglikanischen Allerheiligen-Kirche im Zentrum von Peshawar versammelt. Die Gläubigen strömten gerade aus dem Gottesdienst, da sprengten sich vor der Kirche zwei Attentäter in die Luft.

Sie richteten ein Blutbad an: Die Zahl der Opfer steigt stetig an, derzeit ist die Rede von 81 Toten – unter ihnen viele Frauen und Kinder. 135 weitere Menschen wurden verletzt.

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Verzweiflung nach Angriff in Peshawar

0:21 min, vom 22.9.2013

Bewaffnet mit sechs Kilo Sprengstoff

Der Chef der örtlichen Polizeistation sagte, in der Kirche sei gerade das Abschlussgebet gebetet worden. Auf dem Areal davor hätten Gemeindehelfer begonnen, das Essen zu verteilen. Die Attentäter hätten je sechs Kilo Sprengstoff auf sich getragen.

Ein Augenzeuge berichtete einem Lokalsender, bis zu 600 Christen hätten sich vor der Kirche aufgehalten.

«Weitere Angriffe auf nicht-Muslime»

Zunächst war nicht klar, wer für die Tat verantwortlich ist. Unterdessen hat sich die militante Gruppe TTP Jundullah mit Verbindungen zu den Taliban zu den Anschlägen bekannt. Sie begründeten: «Sie sind Feinde des Islams, deshalb nehmen wir sie ins Visier.» Sie wollen offenbar weiter töten: «Wir werden unsere Angriffe auf pakistanischem Boden fortsetzen, so lange die USA ihre Drohnenangriffe auf die Stammesgebiete nicht stoppen.»

Blutigster Angriff auf Christen in Pakistan

Gezielte Angriffe auf Christen oder auf Kirchen sind – gemessen an der sonst in Pakistan vorherrschenden Gewalt – verhältnismässig selten. Nicht-Muslime, die weniger als fünf Prozent der Pakistaner stellen, werden überproportional oft der Gotteslästerung beschuldigt – ein einfacher Weg, um geschäftliche oder private Kontrahenten aus dem Weg zu räumen.

Bischof Sadiq Daniel, der den anglikanischen Kirchen in Pakistan vorsteht, kündigte drei Trauertage an. Er forderte einen besseren Schutz der Kirchen und kritisierte die Regierung scharf. Sie habe versagt, für die Sicherheit der Christen zu sorgen. «Wir haben um mehr Sicherheit gebeten – sie haben unserer Sorge keine Beachtung geschenkt.»

«Terroristen haben keine Religion»

Der Anschlag erhöht den Druck auf Premier Nawaz Sharif. Seit seinem Amtsantritt im Juni versucht er, die Terrorgruppe der pakistanischen Taliban (TTP) zu Friedensgesprächen zu bewegen.

Kritiker fühlen sich nach dem Massaker in Peshawar in ihrer Meinung bestärkt, dass mit Terroristen nicht verhandelt werden dürfe. Die TTP gibt sich nach aussen zwar verhandlungsbereit, zeigt sich in ihren Taten allerdings unversöhnlich.

Sharif verurteilte den Anschlag. Es sei gegen die Lehren des Islam und aller Religionen, Unschuldige anzugreifen: «Terroristen haben keine Religion», hiess es in einer Mitteilung.