Attentate von Toulouse: Hollande verspricht Aufklärung

Vor einem Jahr stand Frankreich unter Schock. Sieben Menschen wurden erschossen. Der Täter: Ein junger Franzose. An der heutigen Gedenkfeier versprach Frankreichs Präsident Hollande eine lückenlose Aufklärung der Attentate. Denn bis heute ist unklar, ob sie nicht hätten verhindert werden können.

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Trauerzeremonie für Toulouse-Opfer

2:46 min, aus Tagesschau vom 17.3.2013

In den südfranzösischen Städten Toulouse und Montauban werden am 11. und 15. März 2012 drei Soldaten getötet. Tagelang wird über die mysteriösen Morde gerätselt.

Eine Woche später werden bei einer jüdischen Schule ein Lehrer, seine beiden Kinder und ein siebenjähriges Mädchen erschossen.

Erstmals in der Geschichte Frankreichs wird die Terrorwarnstufe «écarlate» (scharlachrot) ausgerufen – die höchste Alarmstufe des nationalen Antiterrorplans «Vigipirat».

Der Täter – ein Islamist

Einsatz der Spezialeinheiten in Toulouse im März 2012. (keystone)

Bildlegende: Am 21. März erschiessen die Spezialeinheiten der 23jährigen Attentäter in Toulouse. Keystone

Am 21. März umstellen Spezialeinheiten ein Haus in einem Wohnquartier von Toulouse. Darin verschanzt sich der mutmassliche Attentäter: ein 23jähriger Franzose algerischer Herkunft – der Islamist Mohamed Merah. Bevor er von den Spezialeinheiten erschossen wird, bezeichnet er sich als Al-Kaida-Anhänger und Gotteskrieger.

Warum konnte Merah drei Mordanschläge mit sieben Todesopfern verüben? War er wirklich ein Einzeltäter? Und warum wurde er nicht lebend gefasst? Für etliche Franzosen gibt es auf entscheidende Fragen bis heute keine befriedigende Antwort.

Merah – für den Geheimdienst kein Unbekannter

Schockiert erfuhr die Öffentlichkeit nach den Attentaten: Merah war bereits Jahre vor dem ersten Mord vom französischen Inlandsgeheimdienst beobachtet worden. Grund: Reisen zu Hochburgen radikaler Islamisten in Afghanistan und Pakistan.

Ebenfalls unklar bleibt bis heute, ob Merah Mitwisser oder sogar Helfer hatte. Anti-Terror-Fahnder nahmen mehrfach Verdächtige fest. Bis auf Merahs Bruder Abdelkader mussten alle wieder freigelassen werden. Und auch bei ihm ist die Beweislage dünn.

Hollande verspricht lückenlose Aufklärung

François Hollande gestikuliert während seiner Ansprache in Toulouse. (keystone)

Bildlegende: Will bei der Terrorbekämpfung hart bleiben: Frankreichs Präsident François Hollande. Keystone

Nun hat Frankreichs Präsident François Hollande den Hinterbliebenen erneut eine lückenlose Aufklärung der Attentate versprochen. Es müsse ermittelt werden, ob die Anschläge hätten vermieden werden können und ob Merah allein gehandelt habe.

Zudem willl er in der Terrorbekämpfung hart bleiben: «Der Kampf gegen den Terrorismus erlaubt kein Nachgeben, keine Schwäche, keine Nachlässigkeit», sagte der Präsident während einer Trauerfeier für die Opfer des Attentäters und fügte hinzu: «Demokratie ist stärker als Fanatismus.»