Auf der Balkanroute wird es eng

Nach Österreich verschärfen jetzt auch andere Staaten auf der Balkanroute die Einreise- und die Durchreisebestimmungen für Flüchtlinge. Zum Verdruss Griechenlands, das schon jetzt mit Zehntausenden von Gestrandeten überfordert ist.

Flüchtlinge und Migranten warteten gestern an der griechisch-mazedonischen Grenze zum Eintritt in die EU.

Bildlegende: Balkanroute: Grosser Andrang gestern an der griechisch-mazedonischen Grenze. Keystone

Keine 36 Stunden vergingen nach der Ankündigung Österreichs, weniger Flüchtlinge aufzunehmen, da hatte sich die ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien auf ein einheitliches Vorgehen geeinigt.

Seit Donnerstag Abend gilt offiziell ein neues Grenzregime. Aus Angst, dass Tausende bei ihnen stranden, lassen die vier Staaten nur noch Flüchtlinge durch, die an der griechisch-mazedonischen Grenze angegeben haben, nach Österreich oder Deutschland durchzureisen.

Video «Mario Draghi: «Aus der Herausforderung eine Chance machen»» abspielen

Mario Draghi: «Aus der Herausforderung eine Chance machen»

0:36 min, aus Tagesschau am Mittag vom 22.1.2016

Mazedonien öffnete am Donnerstag seine Grenze zu Griechenland zwar nach 48 Stunden wieder für Flüchtlinge. Auf griechischer Seite warteten laut Augenzeugen rund 1000 Menschen.

In Slowenien hat die neue Regelung noch keine Auswirkungen auf die Zahl der Migranten und Flüchtlinge.

Von Donnerstagabend bis Freitagmorgen seien rund 1800 Menschen angekommen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur STA. Nur 15 Personen seien an der Grenze zu Kroatien abgewiesen worden. Alle anderen hätten Asyl in Österreich und Deutschland beantragen wollen und seien daher durchgelassen worden.

Verschärfte Kriterien für Passage

Flüchtlinge aus Afrika oder dem Kaukasus und sogenannte Wirtschaftsmigranten werden nach Griechenland zurückgeschickt. Durchgelassen werden nur noch Syrer, Iraker und Afghanen, die sich ausweisen können.

Das griechische Ministerium für Migration übte scharfe Kritik gegen diese neue Praxis. Die Unterscheidung zwischen Wirtschaftsmigranten und Flüchtlingen sei diskriminierend.


Domino-Effekt auf der Balkanroute

1:28 min, aus HeuteMorgen vom 22.01.2016

Griechenland befürchtet, immer mehr Flüchtlinge unterbringen und allein versorgen zu müssen. Denn trotz eines Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei setzen weiterhin täglich 2000 Flüchtlinge von der Türkei nach Griechenland über.