Auf Nawaz Sharif warten die Probleme

Nawaz Sharif, wahrscheinlich Pakistans neuer Premierminister, braucht sich die Arbeit nicht zu suchen. Die Wirtschaft liegt am Boden. Dafür floriert der Terrorismus.

Bewaffnete Sicherheitskräfte vor einem Plakat Nawaz Sharifs.

Bildlegende: Oben auf der Agenda? Nawaz Sharif müsste die katastrophale Sicherheitslage ein hohes Anliegen sein. Keystone

Der Sieger der pakistanischen Parlamentswahlen scheint klar zu sein: Nawaz Sharif und seine Pakistan Muslimliga (PMLN). Bei ihnen und ihren Anhängern herrscht Feststimmung. Doch Grund zum Feiern hat das Land nicht wirklich. Den neuen Premierminister, höchstwahrscheinlich Nawaz Sharif, erwartet ein Berg von Problemen. Der «Tiger» – Symbol der PMLN im Wahlkampf – muss sich nun im Alltag beweisen.

Für viele Pakistaner ist die abtretende Pakistanische Volkspartei dafür verantwortlich. Das sagt eine Sharif-Wählerin: «Das letzte Mal wählte ich die Volkspartei. Aber die hat nichts gemacht. Ich musste fünf Jahre lang mein Essen über dem Holzfeuer kochen, weil es kein Gas gab.»

Gasmangel, stundenlange Stromausfälle und Fabriken, die deshalb weit unter ihrer Kapazität produzieren. Das sind einige der grossen Probleme des Landes. Investoren haben das Land längst verlassen, neue füllen die hinterlassenen Lücken kaum.

Wirtschaftshilfe vom Experten?

Nawaz Sharif kommt aus einer Wirtschaftsfamilie. Als Stahlbaron will er diese Wirtschaftsprobleme angehen. Noch hat er kein klares Konzept vorgelegt. Aber Mukhtar Ahamad Ali, Direktor des Zentrums für Friede und Entwicklungsinitiativen, ist zuversichtlich: «Die PMLN hat immer erfolgreich gut sichtbare Projekte umgesetzt. Zum Beispiel die Autobahn zwischen Lahore und Islamabad oder das Bussystem in Lahore.»

In den letzten fünf Jahren regierte die PMLN im Punjab. Dort habe sie gezeigt, dass sie nicht nur verspricht, sondern auch liefert, sagt Mukhtar Ahamad Ali.

Terroristen lähmen das Land

Nebst der prekären Wirtschaftslage zwingt vor allem ein Problem Pakistan in die Knie: Der Terrorismus, den die Taliban und andere Gruppierungen Terrorgruppen im Land verbreiten. Am Wahltag wurden beinahe 30 Menschen Personen getötet. Während des Wahlkampfs waren über 100 Menschen ums Leben gekommen.

Senator Mushahid Ullah Khan, der Pressesprecher von Nawaz Sharif, will bei der Terrorismusbekämpfung einen klare Kopf bewahren: «Wir brauchen mehr Logik, mehr Verstand, mehr Dialog. Gewehre und Bomben lösen nicht jeden Konflikt.» Man brauche praktische, vertrauensbildende Massnahmen, um die Menschen in den Stammesgebieten und in Afghanistan zu gewinnen.

Das heisst im Klartext: Zuerst mit den Taliban verhandeln, dann – wenn nötig – schiessen. Sharif will die Drohnenangriffe des amerikanischen Geheimdienstes CIA in den Stammesgebieten neu überdenken. Nicht nur die Taliban auch die USA dürften bald mit dem designierten Premierminister Sharif verhandeln müssen.

(prus;lin)

Gegner anerkennen Niederlage

Trotz Manipulationsvorwürfen haben die beiden grossen Verlierer der Parlamentswahl in Pakistan den klaren Sieg der Muslim-Liga (PML-N) von Ex-Premierminister Nawaz Sharif anerkannt.  Die bisher regierende Volkspartei PPP teilte mit: «Obwohl die Partei ernsthafte Bedenken hinsichtlich der Fairness der Wahlen hat, hat sie die Ergebnisse akzeptiert.»