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International Aufstand in Flüchtlingslager auf australischer Insel

Der Tod eines Asylbewerbers hat in einem Flüchtlingszentrum auf der zu Australien gehörenden Weihnachtsinsel eine Revolte ausgelöst. Die Wachen sollen daraufhin geflohen sein. Einmal mehr steht die restriktive Flüchtlingspolitik Australiens in der Kritik.

Christmas Island
Legende: Die Idylle trügt: Auf Christmas Island ist der Alltag trost- und hoffnungslos. Es soll auch sexuelle Übergriffe geben. Keystone

In einem australischen Haftzentrum für Flüchtlinge ist ein Aufstand ausgebrochen, nachdem ein Asylbewerber dort ums Leben gekommen war. Die Einwanderungsbehörde bestätigte, dass es einen Aufruhr im Haftzentrum von Christmas Island gebe, einer Insel im Indischen Ozean, die zu Australien gehört.

Fazel Chegeni
Legende: Bei dem Toten soll es sich um Fazel Chegeni handeln. Der Kurde soll Australien bereits 2010 per Boot erreicht haben. Keystone

Es werde daran gearbeitet, die Situation zu lösen. Der Behörde war von Verletzten zunächst nichts bekannt. Menschen in dem Haftzentrum sollen Medienberichten zufolge Feuer gelegt, das Zentrum zertrümmert und die Kontrolle übernommen haben. Die Wachen sollen geflohen sein.

Toter Flüchtling bringt Fass zum Überlaufen

Die Behörden wollten keine näheren Einzelheiten bekanntgeben, aber laut Radio Neuseeland (RNZ) bewaffneten sich die Aufständischen mit Schlagstöcken und Stangen.

Einer der Menschen in dem Zentrum sagte, Auslöser der Unruhen sei der Fund der Leiche eines kurdischen Flüchtlings aus dem Iran gewesen, nachdem dieser aus dem Haftzentrum gefohen war. Laut Medienberichten soll der Mann fünf Jahre lang in dem Zentrum gelebt haben und auf der Flucht vor den Wachmännern über die Klippen gestürzt sein.

Häftlinge beschweren sich schon lange über die schlechte Behandlung in dem Haftzentrum, in dem mehr als 200 Menschen untergebracht sind.

Die australische Regierung verfolgt eine harte Linie in der Flüchtlingspolitik, derzufolge Flüchtlinge, wenn sie per Boot nach Australien kommen wollen, zurückgeschickt oder sofort in Lager auf Inseln wie Nauru oder eben der Weihnachtsiinsel gebracht werden. Ihnen wird die Einreise nach Australien verweigert, selbst wenn sie als Flüchtlinge anerkannt werden.

«Die Menschen werden gedemütigt»

Die Zustände in diesen Lagern seien schlicht «katastrophal», sagt SRF-Australienkorrespondent Urs Wälterlin. Zwar sei es etwa für medizinisches Personal unter Strafandrohung verboten, über Details in den Zentren zu sprechen. Trotzdem habe ihm ein Arzt einmal die dortige Situation geschildert: «Regelmässig geschehen in einigen Lagern Missbräuche von Frauen durch Wärter. Die Menschen werden gedmütigt, Frauen müssen bei Männern um Hygiene-Artikel bitten, ebenso um Toilettenpapier», so Wälterlin. Es gehe darum, die Menschen zu zermürben, um Nachahmer abzuschrecken.

Diese Zustände würden trotz sehr hoher Kosten von bis zu drei Milliarden Franken pro Jahr von der australischen Bevölkerung hingenommen, so Wälterlin weiter. Kritik komme einzig aus dem Ausland, etwa von der UNO oder von Amnesty International.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Einwanderung und Asyl haben inzwischen auch in AUS einen sehr schlechten Ruf, weil die Politik jahrelang alle Probleme entweder ignoriert oder schöngeredet hat. Desweiteren muss man aber auch festhalten: niemand hat Sorgen in AUS wegen der Menschen, die aus nicht-islamischen Ländern kommen. Der Abwehrreflex richtet sich hauptsächlich gegen die Muslime, die inzwischen nicht zu unrecht unter dem Label "Terrorist", "Kulturvernichter", "Sonderrechtsbeansprucher" laufen.
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Remi Langdon: Es wäre noch entscheidend zu erwähnen, was für welche Leute damals nach Australien kamen. Es waren nämlich mehrheitlich Sträflinge, Verbrecher und solche, die das Empire nicht mehr wollte. Abschiebehaft nennt man dies heute! Es war der Abschaum der Gesellschaft!
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    1. Antwort von Jürg Sand (Jürg Sand)
      Guter Niklaus Bächler, das mit dem Abschaum meinen Sie ja wohl ironisch-sarkastisch!?
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    2. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      Für die damalige Elite waren die damaligen Sträflinge Abschaum. Heute würden darunter Demonstranten, Regierungsgegner und Menschen am Rande der Gesellschaft gehören. Man hatte den Vorteil, dass man Eigentümer/Besetzer kaum besiedelter Länder war. Auch damals beurteilte man das Fussvolk nach seinem wirtschaftlichen Nutzen. In Australien und anderen Kolonien konnten sie damals am wenigsten "Schaden" anrichten und die Sträflinge wurden quasi als Sklaven missbraucht. Klingt hart, war aber so.
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  • Kommentar von James Klausner (Harder11)
    Für die Schweiz wäre doch südlich von Australien, neben Tasmanien, noch ein Ankerplatz frei...
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