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International Aung San Suu Kyi: Lichtfigur mit Schatten

Der burmesischen Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi wird vorgeworfen, dass sie sich nicht für die Minderheiten in Burma einsetzt. Sie hat sich in den letzten Jahren von der unbeirrbaren Oppositionellen zur Pragmatikerin mit Machtanspruch gewandelt.

Die 70-jährige, sanft wirkende Frau mit dem freundlichen Lächeln auf dem Gesicht ist um einiges härter, als es den Anschein macht. Aung San Suu Kyi hat den jahrelangen Hausarrest, den ihr die Militärdiktatur ab 1989 auferlegte, zumindest gegen aussen mit Freundlichkeit und einer unendlich erscheinenden Geduld ertragen.

Diesen Hausarrest hatten ihr die Militärgeneräle aufgezwungen, aus Angst vor der politisch engagierten und äusserst populären Tochter von Aung San. Ihr Vater war Vorkämpfer für die Unabhängigkeit des damaligen Birma von Grossbritannien. Er wurde 1947 während einer Kabinettsitzung des Exekutivrats umgebracht.

Stachel im Fleisch der burmesischen Militärdiktatur

Für den Westen war und ist die charismatische Frau eine Ikone des gewaltlosen Widerstandes gegen die burmesische Militärjunta. Kaum verwunderlich, dass sich viele westliche Politker und Leute aus dem Showbiz dafür eingesetzt haben, dass ihr Hausarrest aufgehoben wurde.

2010 lenkten die Generäle ein und leiteten einen politischen Reformprozess ein. Seither ist Suu Kyi Oppositionsführerin und Parteivorsitzende der NLD, der Nationalen Liga für Demokratie.

Inzwischen ist die Ikone in den Niederungen der Alltagspolitik angekommen. Galt sie lange als Hoffnungsträgerin auch für die ethnischen Minderheiten des südostasiatischen, überwiegend buddhistischen Vielvölkerstaats, schlägt ihr nun auch Kritik entgegen.

Suu Kyi wird vorgeworfen, dass sie sich nicht für die Rechte der Minderheiten einsetzt. Denn obwohl die einflussreiche Politikerin sich für die muslimische Minderheit der Rohingyas einsetzen könnte, hält sie sich raus, macht internationale Reisen und schweigt zur katastrophalen Lage, welche die Rohingyas zur Flucht übers Meer treibt.

Legende: Video Burma wählt abspielen. Laufzeit 01:01 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 08.11.2015.

Die Kämpferin für Menschenrechte schweigt

Die Verfassung verhindert, dass Suu Kyi für das Amt der Präsidentin kandidieren kann, da Burmesen mit ausländischem Ehepartner oder Kindern dies nicht erlaubt ist. Suu Kyis 1999 verstorbener Ehemann war Brite, und auch ihre beiden Söhne haben die britische Staatsangehörigkeit. Diese Klausel in der Verfassung wurde wohl eigens mit Blick auf sie geschaffen.

Charme und Härte

Doch hier ist sie wieder: die unerbittliche Aung San Suu Kyi – hat sie doch für den Fall eines Wahlsieges ihrer Partei während des Wahlkampfs ihren Machtanspruch bekräftigt: «Ich werde die Regierung anführen, und wir werden einen Staatschef haben, der in Übereinstimmung mit der Politik der NLD arbeitet».

Zur Person

Die burmesische Oppositionspolitikerin Aung San Suu Kyi wird
1945 in Rangun geboren. Damals hiess die britische Kolonie Britisch-Birma, heute wird Burma, auch Myanmar genannt.
In den 1960er Jahre studiert Suu Kyi an der University of Oxford in England.
1988 kehrt sie wegen einer Krankheit ihrer Mutter in ihre Heimat zurück.
Seit den späten 1980er-Jahren setzt sie sich für eine
gewaltlose Demokratisierung ihres Heimatlandes ein.
Ab 1989 setzt sie die Militärregierung unter Hausarrest.
1991 erhält sie für ihr politisches Engagement den Friedensnobelpreis.
2010 wird Suu Kyi aus ihrem 15 Jahre dauernden Hausarrest
entlassen.
2012 wird sie zur Parlamentsabgeordneten gewählt und ihre Partei, die Nationale Liga für Demokratie (NLD) gewinnt die Mehrheit der Parlamentssitze.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Frei (Fritz Frei)
    Suu Kiy wird nie gewinnen. Einerseits brauchen die Generäle nur 40% der Stimmen, andererseits kontrollieren sie die Wahllokale ehr eng. Und auch bei einem Machtwechsel: Es wird so sein wie in Thaland, Cambodia, Laos, Vietnam. Eine Scheindemokratie, in der alle Macht beim Militär ist, das bei Bedarf die Regierung stürzt.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Was mich noch interessieren würde, was war damals "wirklich" los mit der Verstimmung als Aung San Suu Kyi in der Schweiz zu Besuch gewesen ist? Der Besuch wurde damals doch etwas in eingetrübter Atmosphare abgehalten. Ich glaube das hatte keine nur gesundheitlichen Gründe.
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