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International Aus Angst vor dem IS: Tausende Syrer stürmen die türkische Grenze

Seit Tagen toben heftige Kämpfe um Tell Abjad. Kurdenkämpfer versuchen, die syrische Grenzstadt von der IS-Terrormiliz zurückzuerobern. Tausende Menschen sind bereits geflohen, so auch am Wochenende wieder. Sie sassen zunächst am Grenzzaun fest, bis die Türkei sie doch noch einreisen liess.

Legende: Video Flüchtlingsdrama in der Türkei abspielen. Laufzeit 0:52 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 15.06.2015.

Mehrere tausend Syrer sind am Sonntagabend vor den heftigen Kämpfen um die Stadt Tell Abjad über die Grenze in die Türkei geflüchtet. Türkische Sicherheitskräfte hatten zunächst versucht, die Flüchtlinge an der Einreise zu hindern.

Wasserwerfer und Warnschüsse

Die Menschenmenge wurde am Grenzübergang Akçakale stundenlang hinter einem Zaun mit Stacheldraht zurückgehalten. Die türkischen Sicherheitskräfte liessen lange Zeit niemanden passieren. Sie setzten immer wieder Wasserwerfer und auch Warnschüsse ein, um die Flüchtlinge nicht zu nah an den Zaun kommen zu lassen.

Immer wieder kamen auch Bewaffnete zum Grenzzaun, bei denen es sich offensichtlich um IS-Dschihadisten handelte. Nach Angaben des türkischen Fernsehens versuchten sie, die Flüchtlinge am Passieren der Grenze zu hindern.

Chaotische Szenen

In ihrer Verzweiflung versuchten dutzende Flüchtende, über die Absperrungen zu klettern oder unter dem Stacheldraht durchzukriechen. Immer wieder kam es zu chaotischen Szenen. Am Sonntagabend dann durften erste Flüchtlinge die Grenze überqueren. Es bildeten sich lange Schlangen, türkische Helfer warfen Wasserflaschen in die bei glühender Hitze wartende Menge.

Nach Angaben des türkischen Fernsehens wurde mit der Ankunft von rund 3000 Syrern gerechnet. Nach Schätzung eines Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP vor Ort dürfte die Zahl in Wahrheit aber wesentlich grösser sein.

1,8 Millionen Syrer in der Türkei

Die Türkei hatte am Donnerstag Massnahmen angekündigt, um den Zustrom syrischer Flüchtlingen zu begrenzen. Seit dem Beginn des Bürgerkriegs in Syrien vor mehr als vier Jahren nahm die Türkei bereits etwa 1,8 Millionen Flüchtlinge auf.

Kurdische Einheiten liefern sich derzeit erbitterte Gefechte mit der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) um die syrische Grenzstadt Tell Abjad. Nach Behördenangaben flohen bereits in der letzten Woche mehr als 13'000 Syrer vor den Kämpfen in die Türkei.

Erbitterter Kampf um kurdische Grenzstadt

Ein Kommandant der Kurden sagte am Sonntag, die Einheiten seien bis auf 50 Meter an die Stadt herangerückt und lieferten sich heftige Gefechte mit den IS-Kämpfern. In die Stadt hinein schafften es die Kurden demnach aber noch nicht.

Tell Abjad dient dem IS als Einfallstor für Kämpfer, die aus der Türkei in die syrische Provinz Rakka kommen. Am Sonntag wehte über der Stadt weiter die schwarze IS-Flagge. Um Tell Abjad war Gefechtslärm zu hören, östlich der Stadt ereignete sich eine heftige Explosion.

15 Kommentare

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  • Kommentar von R.Valsan, Zürich
    Sieht aber eher so aus, als ob sie aus Angst vor den Kurden geflohen sind oder aus Angst vor den Kämpfen und nicht aus Angst vor dem IS. Dem IS gehört die Stadt ja schon ein Jahr.
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  • Kommentar von Cherubina Müller, 4055 Basel
    Auszug aus einem Report der Pentagon-Geheimdienst Defense Intelligence Agency (DIA) vom August 2012: das Ziel der Kontrolle der östlichen syrischen Provinzen durch Oppositionsgruppen, darunter radikalislamistische Organisationen wie die al Nusra - Front und die Etablierung eines salafistischen Staates « wird von westlichen Staaten, den Golf-Staaten und der Türkei unterstützt ».Der Report war in der vergangenen Woche von der konservativen Überwachungsgruppe «Judicial Watch» publiziert worden.
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  • Kommentar von Hermann Scheuber, Reinach BL
    Der IS-Feldzug findet den klassischen Vorläufer bei den Kreuzzügen des 13.Jhd, also 700 Jahre früher. Auch damals ging es um Religion, Töten, Rückeroberung und hohle Versprechen für die besten Plätze im Himmel; heute eben um sicheren ParadiesEintritt für jede Ausrottung eines Ungläubigen. Nur sollte eigentlich dies auch bei den ISLAM-FÜHRERN bekannt sein. Deshalb tragen diese DIE VERANTWORTUNG für das heutige Geschehen, indem sie sich von diesem Irrtum zu wenig distanzieren.
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    1. Antwort von S. Beerli, Zürich
      Vor den Kreuzzügen ist der Islam bis nach Europa vorgerückt und hat Spanien eingenommen.
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