Zum Inhalt springen

Aus für Atomabkommen mit Iran «Wir sollten uns auf einen US-Angriff einstellen»

Legende: Audio Was führt Trump im Schild? abspielen. Laufzeit 5:06 Minuten.
5:06 min, aus SRF 4 News aktuell vom 09.05.2018.

Der Rückzug der USA aus dem Atomabkommen mit Iran dürfte die Region nach Einschätzung von Experten weiter destabilisieren. Wie gross ist die Gefahr eines neuen Krieges und was beabsichtigt Präsident Donald Trump? Fragen an Joseph Braml, den USA-Experten der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Joseph Braml

Joseph Braml

Politologe und USA-Kenner

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Josef Braml ist USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Er ist Autor des Buches «Trumps Amerika – Auf Kosten der Freiheit». Aktuelle Analysen veröffentlicht er auch über seinen Blog usaexperte.com, Link öffnet in einem neuen Fenster.

SRF News: Welche Folgen hat der Ausstieg der USA?

Joseph Braml: Es ist der erste Schritt hin zu einer militärischen Konfrontation. Ich wäre nicht überrascht, wenn Präsident Donald Trump und seine Sicherheitsberater zum Schluss kämen, dass die iranische Bombe nur noch durch Präventivschläge zu verhindern sei.

Rechnen Sie also damit, dass Trump einen Angriff starten wird?

Davon ist auszugehen. Auch Israel bereitet sich seit längerem dahingehend vor. Es gibt bereits erste Scharmützel zwischen Israel und dem Iran auf syrischem Boden. Der neue Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton, ist zwar noch nicht so lang im Amt, um alles gleich vorwegzunehmen. Aber wir sollten uns darauf einstellen.

Wie profitiert Trump von einer Destabilisierung?

Militärschläge würden dem «Oberbefehlshaber» Trump helfen, bei den Kongresswahlen am 6. November die amerikanische Wählerschaft hinter sich zu scharen. Das Risiko wäre geringer, dass er beide Kammern im Kongress verliert. Oder dass er gar des Amtes enthoben würde, falls Sonderermittler Robert Mueller noch mehr ans Tageslicht bringt. Die innenpolitische Seite spricht also nicht dagegen, dass die Militärschläge erfolgen könnten. Aussenpolitisch käme Trump eine Instabilität im geopolitischen Plan sehr gelegen, könnte er doch die Hauptrivalen in Europa und vor allem China schwächen.

Die US-Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit ist tief. Kann sich Trump das aussenpolitische Abenteuer leisten?

In der Regel verlieren Präsidenten bei den ersten Zwischenwahlen. Letztmals war es George W. Bush, der den globalen Krieg gegen den Terror 2002 instrumentalisieren konnte, um eine Einheitsfront zu schaffen. Sicherheitsberater Bolton hat übrigens bereits vor drei Jahren empfohlen, eine iranische Bombe mit Bomben zu verhindern.

Trump kritisierte Militärinterventionen als Verschwendung. Was sagen die Wähler zum Meinungsumschwung?

Man muss sich daran gewöhnen, das Trump etwas sagt und dann auch das Gegenteil, schon oft im gleichen Satz. Aber es macht einen Unterschied, ob man wie beim Irak-Krieg Bodentruppen schickt und das Land längerfristig bindet, oder ob es Militärschläge aus der Luft sind. Letzeres würde die Amerikaner weniger berühren. Ich glaube, dass darauf hingearbeitet wird. So wäre es auch kein Widerspruch, wenn Trump die Truppen aus Syrien zurückzöge. Denn sie würden im Fall von Militärschlägen gegen Iran wohl zu Geiseln.

Wie würde Trump von einer solchen Strategie profitieren?

Er kann wichtige innenpolitische Unterstützer näher an sich binden. Beim Schulterschluss mit Premier Benjamin Netanjahu hat er auch gezeigt, dass er fest an der Seite Israels steht. Das wird die jüdische Gemeinschaft in Amerika vor schwierige Entscheidungen stellen, vor allem aber die christlichen Rechten mit ihren alttestamentarischen Heilserwartungen erfreuen. Je fester die USA an der Seite Israels steht, desto besser ist es für Trump auch innenpolitisch.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

89 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    An einen dermassen skrupellosen Präsidenten mag ich mich nicht erinnern. Er ist sich seiner heutigen wirtschaftlichen und geopolitischen Stärke und der Abhängigkeiten Europas bewusst und arbeitet daran, diese weiter auszubauen. Er weiss um die geografisch bevorzugte, für Flüchtlinge unerreichbaren Lage fern von den in Unsicherheit und Chaos gestürzten Ländern. Sein Verhalten ist schlimmer als das von Regenten, die ein 1000jähriges Reich, eine weltweite Einheitsreligion u.ä. proklamier(t)en.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Wie kann man nur gegen so einen Deal sein. Denn er hätte ein bisschen mehr Stabilität in die sonst schon geschundene Region gebracht. Den Iran wäre der bessere Partner im Kampf gegen Al Kaida und IS. Warum arbeitet die USA weiterhin mit Kriegstreibern wie den Saudis zusammen, Al Kaida und der IS wurde von Ihnen geschaffen. Al diese Terroristen sind Sunniten wie die Saudis, keine Schiiten wie die Iraner.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Kriegerische Auseinandersetzungen ziehen sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der USA - von George Washington bis Barack Obama. Wenn man die Anzahl der Kriege zusammenzieht, die asymmetrischen und verdeckten Kriege eingeschlossen, dann gab es praktisch in jedem Jahr der amerikanischen Geschichte Krieg. Ob Trump auch noch einen Krieg anzetteln will, wäre ihm zuzutrauen. Trump verunsichert die ganze Welt mit seinem kranken Ego.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen