Angriff auf Flughafen Damaskus Aus Israel heisst es «no comment»

Die Explosionen am Damaszener Flughafen sollen von israelischen Bomben herrühren. Aus Tel Aviv gibt es dazu aber keine Bestätigung.

SRF News: Die Hisbollah-Miliz macht Israel für die Explosionen auf dem internationalen Flughafen in Damaskus verantwortlich. Was ist an diesem Vorwurf dran?

Philipp Scholkmann: Das ist durchaus vorstellbar. Die israelische Armee hat in den letzten Jahren immer wieder Ziele in Syrien angegriffen, die mit der libanesischen Hisbollah-Miliz und deren Waffenversorgung in Verbindung gebracht werden. Allerdings wird das in Israel kaum jemals offiziell bestätigt. Auch diesmal heisst es bis jetzt von israelischer Seite «no comment» zu der Explosion.

Welche Schäden hat der mutmasslich israelische Angriff verursacht?

Die Hisbollah selbst spricht von einem Treibstofflager beim Flughafen, das getroffen worden sei. Es habe grossen Sachschaden, aber keine Verletzten oder Toten gegeben. Syrische Rebellenvertreter sagen, es sei ein Munitionsdepot zerstört worden, von dem aus verschiedene schiitische Milizen mit iranischen Waffen versorgt würden. Dazu gehören die Hisbollah, aber auch andere ähnliche Milizen, die in Syrien an der Seite von Machthaber Baschar al-Assad aktiv sind. Was stimmt, wissen wir aber nicht.

Israelisch Flagge und Grenzbefestigung, im Hintergrund syrische Flagge und Grenzposten.

Bildlegende: Grenzübergang am Golan: Syrien und Israel befinden sich seit 1967 im Kriegszustand. Reuters

Welche Interessen verfolgt Israel im Syrienkonflikt?

Es ist unklar, wie sehr Israel sich direkt in den eigentlichen Konflikt zwischen assadfeindlichen Rebellen und dem syrischen Regime einmischt. Sicher ist, dass es regelmässige israelische Kontakte zu syrischen Rebellen zumindest im unmittelbaren Grenzgebiet zu Israel am Golan gibt. Die Hisbollah aber ist ein separates Thema für Israel. Diese schiitische und irantreue Miliz ist erklärt israelfeindlich. Sie hat im Südlibanon ein beachtliches Raketenarsenal zur Verteidigung gegen allfällige «zionistische Aggressionen» in Stellung, wie es im Jargon der Hisbollah heisst.

Dieser feindlichen Aufrüstung im Grenzgebiet entgegenzuwirken ist seit langem ein erklärtes Ziel der israelischen Politik. Dass die libanesische Hisbollah gleichzeitig in Syrien an der Seite Assads kämpft, hat sicher auch damit zu tun, dass sie ihre Nachschublinien aus dem Iran sichern will. Diese verlaufen durch Syrien und hängen vom Überleben des Assad-Regimes ab.

«  Die Nachschublinien für die libanesische Hisbollah verlaufen durch Syrien und hängen vom Regime Assads ab. »

Die Hisbollah-Miliz ist ein wichtiger Spieler im Syrienkonflikt. Wird sie durch den Krieg gestärkt?

Das Engagement an der Seite Assads hat grosse Opfer gefordert. Man sagt, dass weit über 1000 Hisbollah-Kämpfer getötet worden seien, seit die libanesische Miliz in den Syrienkrieg zog. Dort kämpft sie als die wichtigste von verschiedenen irantreuen Milizen für Assad. Gleichzeitig hat die Hisbollah natürlich grosse Kampferfahrung gewonnen. Das wiederum stärkt die Miliz.

Das Gespräch führte Tina Herren.

Flughafen Damaskus wird zur Waffenversorgung benutzt

Der Flughafen von Damaskus liegt rund 25 Kilometer südöstlich der syrischen Hauptstadt. Zivile Flugzeuge starten und landen dort derzeit keine. Vom abgeschlossenen Militärbereich des Flughafens aus versorgt der Iran die Hisbollah- und andere Milizen, die im syrischen Bürgerkrieg die Armee Assads unterstützen.
Die Hisbollah-Miliz befand sich zuletzt 2006 direkt mit Israel im Krieg. Seit dem Sechs-Tage-Krieg im Jahr 1967 befinden sich Israel und Syrien offiziell im Kriegszustand.

Philipp Scholkmann

Portrait von Philipp Scholkmann

Scholkmann ist Nahost-Korrespondent bei Radio SRF. Vor seiner Tätigkeit im Nahen Osten war er Korrespondent in Paris und Moderator bei «Echo der Zeit».