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International Auschwitz – die europäische Sünde

Vor 70 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz durch die Roten Armee befreit. Das Lager steht stellvertretend für den Holocaust. Eine Million Juden wurden hier vernichtet. Heute ist das ehemalige Todeslager eine Stätte der Erinnerung.

Legende: Video 70 Jahre Befreiung Auschwitz abspielen. Laufzeit 03:46 Minuten.
Aus 10vor10 vom 23.01.2015.

Auschwitz war nicht der einzige Ort des Grauens während des Zweiten Weltkriegs. Etwa 1000 Konzentrationslager wurden in der Zeit des Nationalsozialismus betrieben. Und sieben Vernichtungslager. Auschwitz war eines dieser sieben Vernichtungslager. Ein Ort, der nur zur Vernichtung der Juden, Sinti, Roma und anderer Gruppen errichtet wurde.

Legende: Video Simonetta Sommaruga empfängt Holocaust-Überlebende abspielen. Laufzeit 00:19 Minuten.
Aus News-Clip vom 27.01.2015.

Bei den Konzentrationslagern galt die Devise «Vernichtung durch Arbeit». Die Häftlinge starben im Verlauf von Wochen und Monaten an Zwangsarbeit, Unterernährung und Krankheiten. Bei den Vernichtungslagern ging es einzig und alleine darum, die Ankömmlinge so schnell wie möglich zu vernichten.

Professionelle Ermordung

Auschwitz befindet sich in Polen, das damals vom Deutschen Reich besetzt war. Im Frühling Jahr 1942 begannen die ersten Massendeportationen aus Polen, Frankreich, aus der Slowakei und aus dem Deutschen Reich. Der Höhepunkt der Judenvernichtung fand im Jahr 1944 statt. Damals wurden 600'000 Menschen in das Lager gebracht. 500'000 fanden gleich in den Gaskammern ihren qualvollen Tod.

In den Gaskammern ging man mit äusserster Brutalität vor. In den Auschwitz-Anlagen kamen 8696 Menschen pro Vergasung um. Als Gas verwendete man Zyklon B, ein 20 Jahre früher entwickeltes Schädlingsbekämpfungsmittel.

Wörter mit dunkler Vergangenheit

Viele Begriffe aus der Zeit des Nationalsozialismus sind bis in die Gegenwart verpönt. Wörter wie Führer, ausmerzen, vergasen, austilgen und selektieren werden in Deutschland nur selten verwendet. Besonders mit «Selektion» verbinden die jüdischen Überlebenden eine schmerzhafte Erinnerung.

Bei manchen Transporten gab es beim Eintritt in das Lager sogenannte «Selektion»: «Schwache, Kranke und Alte» wurden gleich vergast, «Arbeitsfähige» von der unmittelbaren Tötung verschont. Berüchtigt war der Lagerarzt Josef Mengele. Er stand bei der Selektion in Auschwitz an vorderster Front. Für seine «medizinischen Versuche» pickte er sich Opfer heraus und quälte sie erbarmungslos.

Ein Ausbruch aus dem schwer bewachten Lager war fast unmöglich. Dokumentiert sind 700 Versuche. Geglückt ist es 300 Insassen. Nach anderen Angaben gelang die Flucht weniger als 150 Insassen.

Schweizer Diplomatie nicht geglückt

Spätestes im April 1944 hatten die Alliierten genauere Informationen über die Tötungsmaschinerie Auschwitz. Zwei Insassen gelang der Ausbruch. Die beiden flüchteten in die Slowakei und erstatteten einen detaillierten Bericht über das Vernichtungslager. Auf einen besonderen Punkt verwiesen sie ebenfalls: wichtige Eisenbahnknoten für die Deportation. Wenn die zerstört würden, so die Logik, dann kämen auch die täglichen Transporte nach Auschwitz zum Erliegen.

Roswell McClelland, der Schweizer Repräsentant des U.S. War Refugee Board kam im Frühsommer 1944 zu einem Exemplar des Berichts. Er empfahl – mit dem englischen Gesandten – einen Luftschlag. Der Vorschlag wurde allerdings nie durchgeführt. Die Frage, ob eine Bombardierung von Auschwitz letzten Endes sinnvoll gewesen wäre, diese Frage ist bis heute nicht befriedigend beantwortet.

Befreiung durch die Russen

So blieb es der Roten Armee vorbehalten, am 27. Januar 1945 das Lager zu befreien. Doch bei ihrer Ankunft fanden sie nur noch 7200 Häftlinge. Die anderen 60'000 Insassen wurden von den Wächtern zehn Tage früher nach langen Fussmärschen nach Westen getrieben. In den sogenannten Todesmärschen. Man geht davon aus, dass bei diesen Märschen mindestens ein Drittel der Menschen starben.

Gedenkstätte

Der Eintritt in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau ist kostenlos. Für das weitläufige Gelände wird normalerweise empfohlen, mindestens dreieinhalb Stunden einzuplanen. Standardführungen sind in vielen Sprachen möglich. Die Preise sind sehr moderat (umgerechnet knapp 10 Franken). Zum Gelände gehört auch eine umfangreiche Bibliothek.

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