Bangladesch: Armut erdrückt den Protest

Seit Januar herrscht politischer Tumult in Bangladesch. Vor einem Jahr wurde dort gewählt, aber die Wahl war eine Farce. Deshalb fordert die Oppositionspartei BNP Neuwahlen und legt das Land seit drei Monaten mit Streiks lahm. Nun regt sich Widerstand gegen den Streik.

Männer tragen Melonen in Körben auf ihren Köpfen.

Bildlegende: Die Bangladeschi können sich monatelange Streiks schlicht nicht leisten. Imago

Einige Fische zappeln noch in einem Eimer, andere liegen glänzend und frisch auf blauen Plastikplanen am Boden. Auf dem Fischmarkt in Dhaka wird gefeilscht und geklagt. Der Fischverkauf laufe seit Beginn des Streiks schleppend, sagt Händler Abdullah: «Die Strassen sind blockiert und die Transportkosten sind heute dreimal so hoch wie vorher. Deshalb habe ich weniger Fische und weniger Kunden.»

«Politiker sind schuld»

Zwischenhändler wie Abdullah wälzen ihre Mehrkosten auf die Käufer ab. Shakil hat eben ein Kilo Wels gekauft und lässt die Fische entschuppen. «Die Preise sind so stark gestiegen, dass ich heute weniger kaufe. Den Politikern geht es bei diesem Streik nicht um das Wohl Bangaldeschs, sondern um ihre Macht», beklagt er.

Auch die Textilindustrie, die wichtigste Industrie des Landes, ist vom Streik betroffen. Reaz bin-Mahmood ist Fabrikbesitzer und sitzt in der Leitung des wichtigsten Textilverbandes. Er schätzt die Verluste in der Textilbranche landesweit auf umgerechnet über 600 Millionen Franken. Jede Fabrik sei betroffen, weil jede Fabrik von Zulieferern abhängig ist.

«Wegen des Streiks kommen die Knöpfe und Stoffe verspätet, wir müssen Überstunden bezahlen und die fertigen Kleider zum Teil gar per Flugzeug zum Kunden bringen. Das verteuert den Prozess. Und die Kunden verlieren wegen der instabilen politischen Situation das Vertrauen. Das könnte uns in Zukunft Aufträge kosten», befürchtet der Kleiderfabrikant.

Niemand kann sich Streiks leisten

Die Regierung reagierte bislang auf die Streiks, indem sie viele Politiker der Oppositionspartei ins Gefängnis werfen liess. Mahbub Uddin Khokon, Anwalt und BNP-Politiker, ist einer der wenigen, die noch auf freiem Fuss sind. Der Grund für dieses Chaos sei, dass die Regierung kein Recht habe zu regieren, weil sie die Unterstützung des Volkes nicht habe, sagt er. «Und wenn wir uns wehren, werden wir ins Gefängnis gesteckt. Ohne Neuwahlen gibt's hier keine Lösung.»

Doch davon will die Regierungspartei nichts wissen. Die Bewohner versuchen sich derweil mit der Situation zu arrangieren. Zwar ruft die Opposition weiterhin zum Streik auf, doch das Verkehrschaos in Dhaka zeigt, dass zumindest in der Haupstadt niemand mehr hinhört. Denn im bettelarmen Bangladesch können es sich die wenigsten leisten, monatelang nicht zur Arbeit zu gehen. Demokratische Wahlen hin oder her.