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International Bangladesch: Firmen wollen Betroffene entschädigen

Zwei Konzerne aus Irland und Kanada zahlen den Betroffenen des Textilfabrik-Unglücks eine Entschädigung. 387 Menschen sind bei dem Einsturz einer Textilfabrik am vergangenen Mittwoch ums Leben gekommen.

Der irische Textildiscounter Primark will Betroffene und Hinterbliebene der Hauseinsturz-Katastrophe in Bangladesch entschädigen. Primark will Soforthilfe wie auch längerfristige Hilfe leisten.

Kindern, deren Eltern bei dem Unglück ums Leben gekommen sind, soll langfristige Hilfe zugutekommen. «Wir arbeiten mit einer örtlichen Hilfsorganisation zusammen», heisst es in einer Mitteilung von Primark.

Ein Lieferant des Billigdiscounters hatte eine Etage in dem achtstöckigen Gebäude in der Hauptstadt Dhaka angemietet. In dem Komplex liess auch Mango aus Spanien fertigen.

Auch die kanadische Supermarktkette Loblaws kündigte an, die Betroffenen und ihre Familien sollten «jetzt und in der Zukunft» Hilfe erhalten. Allerdings nannte die Firma noch keinen konkreten Betrag. Die Einzelheiten müssten noch ausgearbeitet werden, hiess es in der Erklärung. Loblaws bestätigte, dass Zulieferer der Supermarktkette in der Unglücksfabrik herstellen liessen.

Mango erklärte, sie habe in einer der Werkstätten lediglich Muster fertigen lassen. Der italienische Konzern Benetton bestätigte eine «einmalige Bestellung» in der Fabrik. C&A und Kik hatten ihre Geschäftsbeziehungen zu einem Lieferanten, der in dem Haus produzierte, vor wenigen Jahren beendet.

Schwere Vorwürfe gegen den Fabrikbesitzer

Ein Gericht in Bangladesch entschied unterdessen, die Vermögen der Fabrikbesitzer einzuziehen und ihre Konten zu sperren. Der Besitzer des Gebäudes, Sohel Rana, sowie vier Betreiber der Fabriken wurden festgenommen. Auch der Vater des Hausbesitzers sowie vier Techniker wurden festgesetzt.

Rana wird beschuldigt, beim Bau des 2006 fertiggestellten Gebäudes minderwertiges Material verwendet zu haben. Die Fabrikbetreiber sollen Warnungen der Behörden ignoriert haben, nachdem am Vortag bereits grosse Risse aufgetaucht waren.

Keine Lebenszeichen mehr

Tausende Angehörige harrten auch am sechsten Tag nach dem Unglück noch neben der Einsturzstelle in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka aus. Seit Sonntag konnten die Rettungskräfte aber keine Lebenszeichen mehr unter den Trümmern orten. Der Einsturz des achtstöckigen Gebäudes ist der schlimmste Industrieunfall in der Geschichte Bangladeschs.

Nach offiziellen Angaben wurden bislang 387 Menschen tot geborgen, fast 2500 Menschen konnten aus den Trümmern befreit werden. Nach Angaben des Textilverbandes waren zum Unglückszeitpunkt 3200 Arbeiter in dem Gebäude.

«Wir können keine Kontrollen vorschreiben»

In der Schweiz werden Kleider aus Bangladesch im Wert von 264 Millionen Franken verkauft. Etwa fünf Prozent aller Importe kommen aus dem Land. Die Kleiderläden gehören zum Schweizerischen Detailhandelsverband. 

«Wir müssen schauen, ob die Kleider in der Schweiz in diesen Fabriken hergestellt wurden, oder ob sie in anderen Firmen hergestellt wurden, welche die Minimalstandards einhalten», sagt Bruno Frick, Präsident des Schweizerischen Detailhandelsverbandes. «Jeder Akteur hat ein Interesse daran, dass seine Produkte unter anständigen Bedingungen hergestellt wurden. Wie sie das tun, kann ein Staat oder Verband nicht vorschreiben.»

Legende: Video Bangladesch: Auseinandersetzungen vor geschlossener Textilfabrik abspielen. Laufzeit 0:22 Minuten.
Vom 30.04.2013.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Flükiger, Bern
    Es ist die Gottverdammte Pflicht der Medien aufzuzeigen welche Labels und Handelsketten dort haben produzieren lassen, damit man diese Buden boykottieren kann, wenn sie sich nicht vollumfänglich mitverantwortlichen zeigen für dieses Debakel!
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    1. Antwort von Marcel Löhrer, Sankt Gallen
      Herr Flückiger teilweise kann ich Ihnen zustimmen. Doch möchze ich erwähnen, dass wir uns auch ein bisschen selber an der Nase nehmen müssen. Wir sind ja auf günstig(billig) programmiert als Schnäppchenjäger. Um unsere Gier nach günstigen Preisen werden zu solchen Produktionsbetrieben gegriffen.
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