Bangladeschs Fabriken werden sicherer

Nach dem Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch mit mehr als 1100 Toten bewegt sich etwas: Führende Textilkonzerne haben eine verbindliche Vereinbarung unterzeichnet. Sie setzt Mindeststandards bei Feuerschutz und Gebäudesicherheit. Noch nicht mit dabei sind etliche Schweizer Firmen.

Verwandte zeigen Fotos von Opfern der Katastrophe in Bangladesh.

Bildlegende: Verwandte zeigen Fotos von Opfern der Katastrophe in Bangladesh. Ihr Tod soll nicht völlig sinnlos gewesen sein. Keystone

Führende Handelskonzerne der Textilbranche sind einem Abkommen über Brandschutz und mehr Sicherheit in den Fabriken von Bangladesch beigetreten. Mit dem Abkommen reagieren die Unternehmen auf Forderungen der Gewerkschaften.

«Ziel ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und des Lebens der am meisten ausgebeuteten Arbeitskräfte der Welt, die unter gefährlichen Verhältnissen 38 Dollar im Monat verdienen», sagte Jyrki Raina. Er ist Generalsekretär der an der Ausarbeitung des Abkommens beteiligten Gewerkschaft Industriall Global Union.

Sicherere Fabriken in Bangladesch

Die Konzerne verpflichten sich, den Brandschutz und die Gebäudesicherheit in den Fabriken zu erhöhen. Insgesamt sind in das Abkommen laut Gewerkschaftsangaben mehr als 1000 Zulieferbetriebe und Zwischenhändler und damit ein grosser Teil der rund vier Millionen Textilarbeiter in Bangladesch eingebunden.

Unter dem Eindruck der jüngsten Katastrophe in Bangladesch schlossen sich die meisten der grossen Handelsketten - darunter H&M, C&A, Tschibo, Primark, Aldi, Zara, Benetton und Abercrombie & Fitch - dem Abkommen innerhalb weniger Tage an. Die Vereinbarung ist rechtsverbindlich. Deshalb haben es wohl grosse US-Unternehmen auch nicht unterzeichnet. Ebenso fehlt manche Schweizer Firma auf der Liste.

Abwesende Schweizer Firmen

Zum Beispiel die Migros. Ihre Sprecherin Martina Bossart erklärt, dass auch der Grossverteiler zu den Anliegen stehe. Die Migros habe bei der Ausarbeitung der Vereinbarung mitgemacht.

Noch seien aber die Details über Massnahmen, Finanzierung und Zuständigkeiten nicht ganz klar. Auch hier werde nun mitgearbeitet. Ende Mai werde die Migros entscheiden «wie und in welcher Form wir uns beteiligen».

Nicht auf der Liste ist auch Chicoree mit ihren über 160 Kleider-Läden in der Schweiz. Die Kette bezieht rund einen Fünftel ihrer Textilien aus Bangladesch. Inhaber Jörg Weber sagt, dass er aus zeitlichen Gründen den Text der Vereinbarung noch nicht gelesen habe. Er sei aber interessiert daran, dass sich die Arbeitsbedingungen der Näherinnen verbesserten.

Andere Schweizer Kleider-Unternehmen äusserten sich bislang nicht zur Vereinbarung für Bangladesch.