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Terror in Spanien «Barcelona ist der Hotspot der Dschihadisten in Spanien»

Die radikalen Islamisten in Spanien haben schon früher Anschläge verübt. Deshalb gehen die Behörden auch präventiv vor, wie ein Journalist vor Ort berichtet.

Legende: Audio Spanien und der Terrorismus abspielen. Laufzeit 08:55 Minuten.
08:55 min, aus SRF 4 News aktuell vom 18.08.2017.

SRF News: Die spanische Polizei hat in Barcelona zwei Verdächtige verhaftet. Was weiss man über die Täter?

Hans Günter-Kellner: Man weiss bislang wenig über die Verhafteten. Einer ist schon 2012 polizeilich in Erscheinung getreten, vermutlich war das vor seiner Radikalisierung. Er war 2012 kurz in Haft wegen Gewalt in der Familie. Die beiden Verhaftungen stehen im Zusammenhang mit der Anmietung des Lieferwagens von Barcelona, aber beide sind nicht der Fahrer.

Sind islamische Radikale aus Marokko in Spanien schon früher in Erscheinung getreten?

Es gab 2004 Anschläge mit fast 200 Toten auf Vorortszüge in Madrid. Auch hier waren die Täter zum grossen Teil Marokkaner. Die Marokkaner sind die grösste Gruppe der Muslimen in Spanien. In Spanien leben etwa zwei Millionen Muslime, die meisten davon sind keine Radikalen. Zwischen 2013 und 2016 sind 180 radikalisierte Muslime verhaftet worden. Davon waren die meisten Marokkaner oder Spanier mit marokkanischem Hintergrund. Die Marokkaner sind die nicht nur die grösste Gruppe der Muslime in Spanien, sondern sie machen auch den grössten Teil der radikalisierten Muslime aus.

Die Anschläge haben im Nordosten von Spanien stattgefunden. Ist dort das Zentrum der radikalislamischen Szene in Spanien?

Davon gehen die Sicherheitskräfte aus. Sie halten Barcelona für einen Hotspot des Dschihadismus in Spanien. Die Hälfte der salafistischen Gemeinden, die als Horte der Radikalisierung gelten, sind in Barcelona. Es gab schon 2010 eine Nachricht der amerikanischen Botschaft an das Auswärtige Amt der USA, dass sich in Barcelona eine salafistische Szene ausbildet, die für den gesamten Mittelmeerraum gefährlich werden könnte. Insofern muss man leider sagen, dass Barcelona das Zentrum des Dschihadismus zumindest in Spanien ist.

Wie aktiv ist die radikalislamische Szene in Spanien?

Sie sammeln Geld und werben Kämpfer für Syrien an. Man muss allerdings sagen, dass diese Szene nicht den Umfang wie die Szene in Belgien oder in Frankreich hat. Es sind weniger als 100 muslimische Kämpfer aus Spanien für Syrien rekrutiert worden. Das sind deutlich weniger als aus anderen europäischen Ländern und auch deutlich weniger als aus Marokko. Dort waren es rund 1500. Die Szene in Barcelona ist relativ zurückhaltend, denn Spanien nimmt relativ früh Verhaftungen vor. Es gibt ein neues Gesetz in Spanien, das schon das Aufrufen von salafistischen Seiten verbietet.

In anderen Ländern gab es nach solchen Attacken jeweils sofort Kritik an der Integration von Muslimen im Land. Wie ist das in Spanien?

Spanien hat kein Integrationsmodell, weil Spanien der Meinung ist, wenn man die Leute in Ruhe lässt und ihnen kein Modell aufzwingt, dann integrieren sie sich auch besonders leicht. Da spricht laut Soziologen auch einiges dafür, weil aufgezwungene Modelle schnell zum Widerstand führen.

Spanien hat kein Integrationsmodell, weil das Land der Meinung ist, wenn man die Leute in Ruhe lässt integrieren sie sich leicht.

In der spanischen Politik gab es bislang wenig fremdenfeindliche Tendenzen. Rechnen Sie hier mit einem Umschwung?

Ganz im Gegenteil, die Bürgermeisterin von Barcelona hat schon gestern gesagt, dass Barcelona eine weltoffene, kosmopolitische Stadt ist und das auch weiterhin bleiben wird. Sie wird sich das nicht nehmen lassen von den Radikalen. Das war auch schon zu Zeiten des ETA-Terrorismus so. Die Gesellschaft wusste, dass das Abschaffen von demokratischen Freiheiten den Radikalen in die Hände spielen würde. Insofern ist damit nicht zu rechnen, sondern mit einem Zusammenrücken. Man wird versuchen, die marokkanischen Einwanderer stärker zu integrieren.

Orte des Geschehens

Hans-Günter Kellner

Der freie Journalist lebt in Madrid und ist Korresponent für verschiedene Medien.

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst U. Haensler (ErnstU)
    Kommentatoren hier benutzen jede Gelegenheit gegen den funktionierenden Multikulti vorzugehen. Multikulti lebt bestens im grossen wie London und im kleinen wie zB der Kanzlei Flohmarkt in Zürich.
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    1. Antwort von Pascal Padrutt (papa)
      Naja. "Bestens" definieren eben nicht alle Bürger gleich. Und ich bin mir nicht sicher, ob es geeignet ist, einen bunten Flohmarkt mit allen sozialen Aspekten, die eine Multikultigesellschaft mit sich bringt, gleichzusetzen.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Das heutige Multikulti funktioniert eben leider nicht mehr. Wenn es funktioneren täte, würden sich nicht überall Parallelgesellschaften bilden. Mittlerweile gibt es Kulturen in Europa, welche sämtliche Freiheiten in Rechtstaaten nutzen wollen, aber lieber unter sich bleiben & ihre Bräuche & Sitten pflegen wollen. Auch wenn sie gegen unsere Gesetze verstossen. Mind. 50% wollen sich gar nicht integrieren. Und grad in London funktioniert Multikulti überhaupt nicht. Kleiner hat sie funktioniert.
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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Kanzlerkandidat Schulz sagte heite auf N24: Wir lassen uns diese offene Gesellschaft nicht durch Terror zerstören... Dabei ist es doch diese offene Politik, die offenen Grenzen usw..welches Westeuropa zerstört..
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    1. Antwort von Thomas Steiner (Thomas Steiner)
      Margot Helmers: Die Gesellschaft wusste, dass das Abschaffen von demokratischen Freiheiten den Radikalen in die Hände spielen würde. Insofern ist damit nicht zu rechnen, sondern mit einem Zusammenrücken. Man wird versuchen, die marokkanischen Einwanderer stärker zu integrieren. Und das ist der einzige richtige Weg! Unsere offene Politik verhindert Terrorismus und die Grenzen haben überhaupt nichts damit zu tun, wenn die Terroristen Einheimische sind.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Ein kluger Mann hat mal gesagt:" Die Globalisierung ist mehr Fluch als Segen für die Menschheit." Wenn Politiker heute von Freiheit sprechen, haben sie leider keine Ahnung & schlichtweg vergessen, was wirkliche Freiheit ist. Aber vermutlich muss es zuerst schwarzen Schnee geben, bevor alle diejenigen, welche von der Globalisierung profitieren zugeben, dass sie ein riesiger Fehler ist.
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Mit Multikulti haben nur Menschen Mühe die sich selbst nur als die einzige Perfekte Wahrheit sehen, Menschen die sowieso nur das Akzeptieren was sie verstehen können, das andere wird der Einfachheit abgelehnt und das macht man am besten mit Grenzen. Grenzen setzt man wenn man überfordert ist und somit sind sie per se nicht schlecht, doch vielmals geht es dann um ausgrenzen und so beginnen Probleme. Man darf es sagen wenn man an Grenzen kommt, doch man darf die Grenzen nicht für andere Festlegen!
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    1. Antwort von rosi gantenbein (lara croft)
      Ich nehme an, Sie haben ihre Haustüre konsequent immer für alle offen...
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    2. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ rosi: erstens, ja, meistens und zweitens wie kommen Sie auf diesen Vergleich? Gehört Ihnen die Schweiz und alles was drin ist?
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    3. Antwort von ely berger (vögeliwou)
      "Mit Multikulti haben nur Menschen Mühe die sich selbst nur als die einzige Perfekte Wahrheit sehen, Menschen die sowieso nur das Akzeptieren was sie verstehen können, das andere wird der Einfachheit abgelehnt" So fuktioniert monotheistisches, dualistisches Denken: ENTWEDER multikulti-bejahend und weltoffen, gut usw. ODER "perfekte Wahrheit" usw. = mies. Das ist tragisch. Religiös ist hier fast niemand mehr, aber das fanatische Denken ist geblieben.
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    4. Antwort von Andrea Esslinger (Andrea Esslinger)
      Rosi Gantenbein, meine Haustür ist nie abgeschlossen, ebensowenig mein Velo. Wenn jemand etwas so nötig hat, dass er es stehlen muss, dann soll er glücklich damit werden. Wir haben ja nicht nur genug, sondern die meisten zu viel.
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    5. Antwort von Dölf Meier (Meier Dölf)
      Daniele Röthenmund, alles ist eine Frage des Masses. Ein Viertel der Bewohner in der Schweiz sind Ausländer, beinahe Europa-Rekord. Nehmen wir jedoch eine Million aus Afrika und Arabien auf, so wird es sehr, sehr eng und die die Sozialhilfen werden unbezahlbar. Nachher folgt die Unzufriedenheit der Empfänger und derjenigen die das bezahlen müssen. Das alte römische Reich ging an der Migration zu Grunde!
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    6. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Meier: Das mit den Römern und der Migration schreiben Sie immer wieder. Es wird nicht wahrer damit. Das Römische Reich war durch seine Grösse unregierbar geworde. Schliesslich gab es damals noch kein Twitter. Befehle von Rom waren Monate unterwegs bis in die äussersten Winkel des Reichs. Es scheint mir, Ihnen gehen die Argumente aus, wenn Sie solche Behauptungen aufstellen müssen
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    7. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Aber verantwortungsvolle Eltern zeigen ihren Kindern schon ganz früh ihre Grenzen auf. Nicht weil sie überfordert sind, sondern weil es eben wichtig ist. Es ist in der Natur des Menschen Grenzen zu setzen. Drum haben Menschen früher hohe Mauern od. Einfriedungen um ihre Häuser, ihr Land gebaut. Diente der Sicherheit. Und drum haben wir auch Gesetze, wo uns auch Grenzen gesetzt werden. Dieses Grenzenlose von Multikulti-Befürwortern ist eigentlich wider der Natur des Menschen.
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    8. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      @A. E.: Dumm für Sie nur ist, wird Ihnen das Velo geklaut, oder bei Ihnen eingebrochen wird, ihre Versicherung nichts zahlt. @HP. M.: Insofern gehört uns in der Schweiz alles, wofür wir auch Steuern zahlen.
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