Beerdigung von Roma-Baby verweigert – Bürgermeister widerspricht

Ein französischer Bürgermeister sieht sich dem Vorwurf des Rassismus ausgesetzt. Er soll einer Roma-Familie die Beerdigung der Tochter im Pariser Vorort Champlan verweigert haben. Er weist aber nun diesen Vorwurf von sich. Doch der Menschenrechtsbeauftragte des Landes ist bestürzt.

Grabsteine, dazwischen eine Rose

Bildlegende: Kein Platz für das Roma-Baby auf dem Friedhof von Champlan. Keystone

Die Eltern des Kindes leben seit mehr als einem Jahr in Champlan, die Roma-Familie wohnt in dem Pariser Vorort in einer Barackensiedlung. In der Nacht zum Zweiten Weihnachtsfeiertag starb die kleine Tochter, sie wurde nur zwei Monate alt. Das Mädchen erlag dem plötzlichen Kindstod, teilte das Spital mit.

Die Eltern wünschten sich, dass ihr Kind auf dem Friedhof der Gemeinde seine letzte Ruhestätte findet. Die Familie sei «christlich, sehr fromm und wollte sich dort jederzeit versammeln können», wie der Bestatter der Zeitung «Le Parisien» sagte.

Steuerzahler haben Vorrang

Die Eltern stellten also den Antrag beim Bürgermeister, eigentlich Formsache in Frankreich. Doch der Bürgermeister soll abgelehnt haben. Der Bürgermeister soll darauf hingewiesen haben, dass der Platz auf dem Friedhof knapp sei.

«Wir müssen Fall für Fall entsprechend der Umstände abwägen», zitieren französische Medien übereinstimmend aus der Begründung. Und dann: «Die Konzessionen werden für einen symbolischen Preis vergeben, der Unterhalt ist teuer, also wird denjenigen Priorität eingeräumt, die ihre örtlichen Steuern bezahlen.»

Ein örtlicher Verein zur Unterstützung der Roma warf Christian Leclerc Rassismus vor. Der Bürgermeister ist parteilos, ordnet sich aber selber der politischen Rechten zu. Ob des Vorfalls war in ganz Frankreich die Empörung gross.

Gemeindepräsident: Berichte aufgebauscht

Jetzt äussert sich der Gemeindepräsident von Champlan: «Zu keinem Zeitpunkt habe ich mich dieser Bestattung widersetzt, die ganze Sache wurde aufgebauscht», sagte Leclerc. Er sprach von einem möglichen Missverständnis zwischen ihm und der Verwaltung seiner Gemeinde.

Sicher ist: Die Roma-Familie kann nun ihr Kind auf jeden Fall begraben – in der Nachbargemeinde Wissous. Dort hatte die Verwaltung der Familie angeboten, das Baby in ihrer Gemeinde zu begraben.

Untersuchung angekündigt

Nach den Berichten über die Verweigerung der Bestattung hat sich nun auch der französische Menschenrechtsbeauftragte eingeschaltet. Er sei über die Berichte «fassungslos und schockiert», sagte Jacques Toubon dem Radiosender Europe1. Er werde noch heute Montag eine Untersuchung des Falles einleiten.

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