Bei den Jungen punktet Bernie Sanders

In New Hampshire findet am Dienstag die zweite Vorwahl für die US-Präsidentschaft statt. Spannend wird das vor allem bei den Demokraten, wo Hillary Clinton und Bernie Sanders um die Gunst der Wähler kämpfen. Was Clinton gar nicht gefallen dürfte: Die Jungen wenden sich ihrem Konkurrenten Sanders zu.

Eine junge Frau hält an einem Stand ein rosa T-Shirt mit dem Aufdruck «Feel the Bern 2016» hoch.

Bildlegende: T-Shirts mit dem Aufdruck «Feel the Bern 2016» gehen in New Hampshire weg wie warme Brötchen. Reuters

«Seid ihr bereit für eine radikale Idee?» fragt Bernie Sanders das Publikum an einer Rally in Portsmouth im Bundesstaat New Hamphire. «Wir werden gemeinsam eine Wirtschaft schaffen, die für arbeitende Familien funktioniert, nicht nur für das reichste eine Prozent.» Die Menge jubelt und ruft «Bernie! Bernie!». Seine Aussagen finden Anklang.

Radikalere Positionen von Sanders sind attraktiver

Sanders liegt im Ostküstenstaat New Hampshire laut Umfragen deutlich vor seiner Konkurrentin Hillary Clinton. Das Publikum, das ihm in der vollbesetzten Turnhalle zuhört, ist jung – und das ist bezeichnend: In Iowa hat der Sozialdemokrat über 80 Prozent der demokratischen Wähler unter 30 für sich gewinnen können. Dass Sanders mit 75 Jahren der älteste Präsident wäre, falls er gewählt würde, stört sie nicht.

Clinton steht neben Sanders im Rampenlicht.

Bildlegende: Junge Demokraten stehen auf Bernie Sanders' radikale Ideen – ungeachtet seines hohen Alters. Keystone

Mit dem Alter komme die Weisheit, und das sei wichtig, sagt eine junge Frau in der Menge. Draussen steht eine Frau in ihren Fünfzigern, die Clinton unterstützt. «Sie ist besser, weil sie viele seiner Positionen teilt, aber mit ihrer Erfahrung auch etwas erreichen wird.»

Sofort ist ein junger Sanders-Fan zugegen und sagt, Clinton sei keine echte Progressive. Die Frau widerspricht, doch er wirft ein, Clinton sei gekauft, habe Geld von der Bank Goldman Sachs angenommen.

Die Diskussion zeigt bildhaft, was in der demokratischen Partei derzeit geschieht: Die linke Wählerschaft wendet sich von Clinton ab und kritisiert sie als Teil des «Establishments». Und die radikaleren Positionen von Sanders sind attraktiver für jüngere Generationen.

Junge Frauen haben kein Ohr für Feminismus

Die Clinton-Kampagne hat damit nicht gerechnet. Besonders stört die Strategen, dass junge Frauen mehrheitlich für Sanders sind, statt für Clinton, die bewährte Kämpferin für Frauenrechte. Ältere Frauen unterstützen sie deshalb nach wie vor – und deshalb hat Clinton insgesamt einen Vorteil bei den Frauen.

Feministische Ikonen wie die Publizistin und Aktivistin Gloria Steinem mischen sich in die Debatte ein und eilen ihr zu Hilfe. Steinem erklärte in einer Talk-Show, ältere Frauen seien radikaler als jüngere: «Männer werden mit dem Alter konservativer, weil sie an Macht gewinnen, Frauen werden mit der Zeit radikaler, weil sie mit dem Alter an Macht verlieren.»

Die frühere Aussenministerin Madeleine Albright stellte sich an einer Rally in New Hampshire neben Clinton und erklärte: «Wir beide haben unsere Geschichten darüber, wie wir aufgestiegen sind, aber ihr jüngeren Frauen meint oft, es sei alles gemacht. Es ist nicht erledigt! Und erinnert euch daran: Es gibt einen Ort in der Hölle, der reserviert ist für Frauen, die einander nicht helfen.»

Das kam nicht gut an. Auf Twitter und Facebook kritisierten viele junge Sanders-Fans die Aussagen der beiden älteren Frauen.

Die Wahlkampagnen-Leiter von Clinton werden zunehmend nervös. Denn New Hampshire stimmte vor acht Jahren für Hillary Clinton und verhalf ihren Ehemann Bill bereits in den Neunzigern zu einem wichtigen Comeback in seinem Vorwahlkampf. Nun scheint ihr die Sympathie der Wählerschaft ausgerechnet hier zu entgleiten.