Bei der Ebola-Impfung entscheidet die Wirksamkeit

Beinahe 5000 Menschen sind bereits an Ebola gestorben – die Zahl nimmt täglich zu. Erste Tests zu einem Impfstoff sind nun in der Schweiz zugelassen worden. Ein Garant für Besserung ist ein solcher aber nicht. Die wichtigsten Fragen beantwortet Manuel Battegay, Professor für Infektionskrankheiten.

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Erster Ebola-Impfstoff wird auch in der Schweiz getestet

0:25 min, aus Tagesschau am Mittag vom 28.10.2014

Seit heute Dienstag dürfen in der Schweiz Tests für einen Ebola-Impfstoff durchgeführt werden. Was wird gemacht?

Es geht um eine Studie, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO unterstützt wird, und in mehreren Ländern läuft. Die Studie sollen zeigen, ob die Ebola-Impfstoffe verträglich für Menschen sind und ob sie überhaupt wirken können. Das ist dann möglicherweise der Fall, wenn die Testpersonen Antikörper gegen Ebola bilden. Erste Resultate der Studie sollen im Dezember vorliegen. Die Erkenntnisse aus der Schweiz bilden eine der Grundlagen für weitere Studien.

Wie lange dauert es bis der Impfstoff tatsächlich eingesetzt wird?

Normalerweise dauert es Jahre, bis ein Impfstoff einsetzbar ist. Vor allem die Test zur Wirksamkeit dauern lange. Bei Ebola erfordert die Situation in Liberia, Sierra Leone und Guinea rasches Handeln. Es ist deshalb laut der WHO vertretbar, auf grosse Kontrollgruppen-Studien zu verzichten. Das macht den ganzen Ablauf viel einfacher. Die grossen Studien würden quasi gleich im Feld gemacht. Dieser «Schnelldurchlauf» könnte bereits zwischen Januar und März 2015 anlaufen.

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Freiwillige für Tests mit Ebola-Impfstoff

1:33 min, aus Tagesschau vom 28.10.2014

Wo würde der Impfstoff als erstes eingesetzt?

Gleich an der Quelle: Der Wirkstoff würde als erstes dort eingesetzt, wo am meisten Menschen erkranken, das heisst in den Dörfern und Städten, die direkt unter der Ebola-Epidemie leiden. Zeigt die Impfung Wirkung, wird die Ansteckung also vermindert oder sogar unterbrochen, setzt man ihn weiter ein. Die Abgabe würde kreisförmig um die Quelle erweitert. Nach den Dörfern und Städten, die direkt von Ebola betroffen sind, würde man in umliegenden Ballungszentren impfen. Dann im ganzen Land. Je nach Ausbreitung wird auch in westlichen Ländern geimpft werden.

Wer würde die Impfung zuerst bekommen?

Zuerst müsste man Menschen, die im Spital arbeiten und auch dem Spital-Personal nahe stehende Menschen impfen. Dann die ganze Bevölkerung von Dörfern und auch Städten. Man kann die Impfung mit einem Schutzwall vergleichen, denn man immer weiter ausbreitet.

«  Im besten Fall könnte Ebola mit einem wirksamen Impfstoff bis Mitte 2016 sehr deutlich reduziert sein. »

Was sind die entscheidenden nächsten Schritte?

Die grosse Herausforderung wird es sein, die Wirksamkeit zu messen. Das mag einfach klingen, ist aber in der Realität schwierig zu ermitteln. Es ist entscheidend, dass der Impfstoff zumindest eine gute Teilwirkung hat. Darauf könnten die Forscher aufbauen und die Impfung verbessern. Sollte die Wirkung nicht genügen, muss man zurück ans Reissbrett und von Grund auf an einem neuen Impfstoff forschen. Das würde viel kostbare Zeit rauben. Im besten Fall könnte Ebola mit einem wirksamen Impfstoff bis Mitte 2016 sehr deutlich reduziert sein.

Was sind sonstige Herausforderungen?

Eine grosse Schwierigkeit ist die in Anbetracht dieser Krise ungenügende Infrastruktur in Westafrika. Ein Beispiel: Der Impfstoff muss auf minus 80 Grad Celsius gekühlt gelagert werden. Solche Tiefkühlgeräte nach Afrika zu bringen ist kein Problem. Sie dort aber zu warten, zum Beispiel mit häufigen Stromunterbrüchen, ist eine grosse Herausforderung.

Wer bezahlt die flächendeckende Impfung?

Die Finanzierung sollte aus meiner Sicht kein Problem sein. Die ganze Welt hat ein grosses – auch finanzielles – Interesse, das gefährliche Ebola so schnell wie möglich einzudämmen. Es kommt alle Länder viel teurer, wenn Ebola grossflächig ausbrechen würde, als die Impfungen mit zu finanzieren. Die menschliche Tragik hat aber auch immer wieder – wie zum Beispiel bei HIV – die internationale Solidarität hervorgerufen. Die Kosten werden wohl weltweit getragen.

Das Interview führte Sedrik Eichkorn

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