Beide Reaktoren in Fessenheim können am Netz bleiben

Wie in der Schweiz, so auch in Frankreich: Die einen wollen Atomkraftwerke stilllegen, andere wollen sie weiterbetreiben. Das AKW Fessenheim, nahe der Schweizer Grenze in einem Erdbebengebiet gelegen, darf am Netz bleiben. Die Sicherheit muss jedoch verstärkt werden.

Auch der zweite Reaktor des Atomkraftwerks Fessenheim im Elsass darf atomrechtlich zehn weitere Jahre am Netz bleiben. Das gab die französische Aufsichtsbehörde ASN in Paris bekannt.

Allerdings will die französische Regierung das älteste Atomkraftwerk des Landes bis Ende 2016 abschalten. Dafür gibt es noch keinen rechtlich bindenden Ausstiegsbeschluss. Für Reaktor eins liegt eine Genehmigung für den Weiterbetrieb bereits seit 2011 vor.

An beiden Reaktoren muss das Betonfundament verstärkt werden. Dies hatte die französische Atomaufsicht zur Verbesserung der Erdbebensicherheit gefordert. Pro Reaktorblock sollen etwa 15 Millionen Euro investiert werden. Atomkraftgegner fordern seit Jahren die Stilllegung des 1977 in Betrieb genommenen Atomkraftwerks.

Noch nicht erprobt

Der in Frankreich lebende Nuklearexperte Mycle Schneider hat seine Zweifel, ob die Verstärkung des Betonsockels gelingen kann. Er sagt: «Meiner Kenntnis nach ist noch nie irgendwo auf der Welt die Verstärkung des Betonsockels eines Atomkraftwerks durchgeführt worden.» Normalerweise werde der Sockel gegossen, bevor man etwas darauf stellen könne. Es sei von daher sehr schwer vorauszusehen, ob es überhaupt realistisch sei, dass der Sockel verstärkt werden könne.

Keine Stromlücke

Die Stilllegung des Atommeilers würde laut dem Nuklearexperten für Frankreichs Atomproduktion nichts bedeuten. Nur die regionale Stromverteilung müsste umgeplant werden. In Frankreich wie in ganz Europa gebe es Überkapazitäten an Atomstrom.