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International Beihilfe zum Mord in 300'000 Fällen

In Deutschland ist ein ehemaliges Mitglied der Waffen-SS wegen der Verbrechen im Vernichtungslager Auschwitz angeklagt. Der 93-Jährige war freiwillig in der SS gewesen. Ihm wird Beihilfe zum Mord in mindestens 300'000 Fällen vorgeworfen. Nun soll das Verfahren eröffnet werden.

Bahnschienen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau
Legende: Bahnrampe des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, wo der heute 93-Jährige tätig gewesen sein soll. Keystone

In Deutschland ist ein ehemaliges freiwilliges Mitglied der Waffen-SS wegen der Verbrechen im Vernichtungslager Auschwitz angeklagt. Dem 93-Jährigen wird Beihilfe zum Mord in mindestens 300‘000 Fällen vorgeworfen.

1944 habe das SS-Mitglied in Auschwitz zurückgelassenes Gepäck angekommener Häftlinge weggeschafft. Dem Mann sei bewusst gewesen, dass die überwiegend jüdischen Häftlinge, die als «nicht arbeitsfähig» eingestuft wurden, nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet wurden, so die Staatsanwaltschaft Hannover. Er habe durch seine Arbeit das systematische Morden unterstützt.

Arbeit an Bahnrampe in Auschwitz-Birkenau

Die nun zuständige Schwurgerichtskammer des Landgerichts Lüneburg muss nun über die Eröffnung des Verfahrens entscheiden. In Niedersachsen ist die Staatsanwaltschaft Hannover für die Verfolgung nationalsozialistischer Verbrechen zuständig. Bei dieser waren insgesamt vier Ermittlungsverfahren gegen SS-Angehörige aus dem Vernichtungslager Auschwitz anhängig. Wegen Todes oder dauerhafter Verhandlungsunfähigkeit der Verdächtigen sind drei davon eingestellt worden.

In diesem aktuellen Fall liegen bereits 16 Anträge von Überlebenden und Angehörigen der Opfer der sogenannten «Ungarn-Aktion» vor. Weitere seine angekündigt, hiess es.

Der 93-Jährige soll zwischen Mai und Juli 1944 während der «Ungarn-Aktion» in Auschwitz an der Bahnrampe im Lagerabschnitt Birkenau gearbeitet haben. Wegen der Rechts- und Beweislage ist die Anklage auf diesen Zeitraum beschränkt. Zwischen dem 16. Mai und dem 11. Juli 1944 trafen in Auschwitz-Birkenau 137 Eisenbahntransporte mit rund 425‘000 Menschen aus Ungarn ein. Mindestens 300‘000 von ihnen sollen in den Gaskammern getötet worden sein.

Frühere Ermittlung mangels Beweisen eingestellt

Der 93-Jährige soll nicht nur das Gepäck weggeschafft und damit Spuren für nachfolgende Häftlinge verwischt haben. Er soll zudem auch dem Gepäck entnommenes Geld an die zuständige SS-Behörde in Berlin weitergeleitet haben, heisst es in der Anklage.

1985 war bereits gegen den Mann ermittelt worden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte das Verfahren mangels Beweisen eingestellt. Das neue Verfahren beruht auf Vorermittlungen der Zentralstelle für nationalsozialistische Verbrechen in Ludwigsburg.

Im Februar hatten diese bundesweit zu zahlreichen Durchsuchungen von Wohnungen ehemaliger SS-Mitglieder geführt. Es mussten jedoch mehrere Ermittlungsverfahren eingestellt werden, weil die Beschuldigten nicht mehr verhandlungsfähig sind.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Eigentlich lächerlich, erst nach 70 Jahren einen solchen Prozess anzustrengen, wenn man schon vorher nicht fähig war, genug Beweise aufzubringen. Dabei war dieser Mann eigentlich nur eine Nebenfigur, aber der Prozess an sich ist trotzdem richtig. Für die "Nazi-Jäger" wird es immer enger, die Jahre vergehen. - Wann kommt einmal ein Prozess gegen ein Mitglied der roten Horden? Wurde schon jemand wegen dem russischen Holocaust an den Balten (ca. ein Drittel) verurteilt? Eben nicht.
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    1. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      Herr Stump, dass liegt daran, weil in Deutschland das Gesetz geändert wurde, bzw. neu ausgelegt wird. Bisher blieben viele mutmaßliche NS-Täter straffrei, weil der Bundesgerichtshof 1969 im Fall Auschwitz festgelegt hatte, dass für eine Verurteilung eines Anwesenden wegen Beihilfe zum Mord die individuelle Schuld nachgewiesen werden muss. Dies war vielfach nicht möglich. Nun genügt also die indirekte Beihilfe zum Mord, reichlich spät, auch wenn der Beschuldigte " nur " Gepäck beseitigte.
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    2. Antwort von Markus Müller, Bergen
      Ja wenn du Beweise und so hast, dann los, es hindert dich niemand an einer Klage.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Kann DER das ueberhaupt noch begreifen... mutet wie ein schlechter Scherz... aber besser spaet denn nie!
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  • Kommentar von D.Daniele, Obergösgen
    Auch wenn es schwer fällt, ich bin gegen die Todesstrafe. Einfach nur einsperren für den Rest die im noch Bleiben! Wer im Kopf den Schritt zum Töten akzeptiert, geht einen gefährlichen Weg! USA beweist gerade das die Todesstrafe nichts bringt! Leider sind gewisse Gesinnungen Stärker als die bewiesene Realität! Ich möchte mir an einem solchen Menschen die Hände nicht Schmutzig machen. Und die, die Vorgeben an Gott zu Glauben. Glauben ohne Vertrauen ist nichts! dann Vertraut auch Gott!
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