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International Benvenuto, signor Putin!

Er ist herzlich willkommen am russischen Nationaltag an der Expo in Mailand und trifft sich mit Italiens Staatsspitze und dem Papst, wenn auch mit Verspätung – Russlands Präsident Wladimir Putin kann in Italien fast so tun, als gäbe es keinen Konflikt mit dem Westen.

Legende: Video Putin an der Expo in Mailand abspielen. Laufzeit 01:22 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.06.2015.

Russlands Präsident Wladimir Putin ist mit seinem Vorgehen auf der Krim und in der Ostukraine international ins Kreuzfeuer der Kritik geraten – auch in Italien. Und trotzdem: wenn Putin heute Italien besucht, gibt es kaum Misstöne. Beim gerade beendeten G7-Gipfel ausgeschlossen, wird Putin nun von Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi in Mailand empfangen.

Russen vor einer grossen Landesflagge halten ein Schild hoch: «Putin rette die Welt»
Legende: «Putin rette die Welt»: Russen am Nationentag an der Expo begrüssen ihren Präsidenten. Reuters

Umgeben von Sicherheitskräften wird Putin beim Empfang auf dem Expo-Gelände von den anwesenden Landsleuten am russischen Nationaltag in Mailand bejubelt.

«Russland und Italien. Wir beide haben eine ganz besondere Beziehung. Kulturell, politisch, wirtschaftlich. Und das seit über 500 Jahren», sagte Putin bei der Begrüssung auf dem Expo-Gelände.

Putin hat nach dem G7-Gipfel eine Zusammenarbeit mit der Gruppe ausgeschlossen. Russland sei aber zu bilateralen Kontakten mit den Mitgliedern bereit. Früher habe Russland mit dem Gremium zusammengearbeitet und eine «alternative Sichtweise» beigetragen. «Unsere Partner haben entschieden, dass sie diese Alternative nicht mehr brauchen.»

Wirtschaftlich eng verbunden

Eng sind insbesondere die wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder. Italien exportiert Mode, Möbel und Sportwagen nach Moskau und ist gleichzeitig abhängig von russischen Gasimporten. So war Russland denn auch bei den ersten Unterstützern für eine Weltausstellung in Mailand.

Putin und Renzi beim Händedruck.
Legende: Herzlicher Empfang in Mailand: Renzi begrüsst Putin an der Expo Mailand. Keystone

Vor zwei Tagen am G7-Gipfel noch der Verschmähte und Ausgestossene in Bayern, fährt Italien nun vergleichsweise einen Schmusekurs mit Putin. SRF-Italien-Korrespondent Philipp Zahn relativiert, denn Italien sei schliesslich Gastgeber bei der Weltausstellung. Renzi habe gesagt, er werde alle Staats- und Regierungschefs der Teilnehmernationen persönlich empfangen, und so mache er es auch mit Putin.

Vom Besuch profitiere aber auch Italien und wolle Russland die Türe nicht zuschlagen, trotz aller Sanktionen, sagt Zahn: «Italien ist nach Deutschland für Russland der zweitwichtigste Handelspartner in Europa. Italien ist vom russischen Gas abhängig, denn 40 Prozent des Gasverbrauchs in Italien kommt aus Russland. Die Verbindungen beider Länder sind also enorm wichtig.»

Renzi habe auch den USA schon vor längerem signalisiert, dass man sich doch gerne eine gewisse Flexibilität behalten möchte im bilateralen Austausch mit Russland.

Treffen zweier Bekannten im Vatikan

Nach dem kollegialen Auftakt des Besuchs in Italien bei Ministerpräsident Renzi war am Nachmittag eine Privataudienz bei Papst Franziskus geplant. Putin erreichte den Vatikan nach 18 Uhr mit mehr als einer Stunde Verspätung, wie die Agentur Ansa berichtete.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die beiden treffen. Schon im November 2013 sassen sie 35 Minuten bei einem vertraulichen Gespräch im Vatikan zusammen. Der Ukraine-Konflikt war damals noch kein Thema. Das ist diesmal anders, denn die Krise sei eines der «brennenden Themen» beim Gespräch, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Legende: Video Einschätzungen von Philipp Zahn abspielen. Laufzeit 10:03 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.06.2015.

Putin suche die Weltbühne in diesen Zeiten der internationalen Isolation, sagt Philipp Zahn. Der Papst habe ihm denn auch sofort einen Gesprächstermin eingeräumt. «Der Vatikan hat in der Diskussion um die Ukraine nie davon gesprochen, dass Russland der Aggressor im Konflikt sei. Das wurde in Moskau auch goutiert. Es zeigt klar, Papst Franziskus möchte sich nicht in Allianzen, schon gar nicht mit den USA, einsperren lassen.» Der Papst möchte eine unabhängige Position wahren und so den Dialog auch in schwierigen Zeiten fortsetzen.

In der Ukraine ist der orthodoxe Glaube weit verbreitet. Ein Teil der Gläubigen hört traditionell auf den Papst, der Grossteil aber auf den Patriarchen in Moskau und andere wiederum auf eigene Kirchenfürsten in Kiew. Immer wieder beklagen ukrainische Priester Gewaltexzesse gegen ihre Gotteshäuser – nicht nur im Kriegsgebiet Donbass.

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Susanne Lüscher, Gossau
    On this day 52 years ago, President John Kennedy gave a landmark speech at American University, appealing for cooperation instead of confrontation with the Soviet Union. Kennedy knew all too well that he was breaking the omerta-like code that dictated demonization of the Soviet leaders. Papst Franziskus ist ein kluger Mann, der weiss, dass man den Dialog suchen muss und nicht in US-Manier Leute verteufeln soll. Kennedy hat dies auch gewusst - kostete ihm wahrscheinlich das Leben (Ray McGovern)
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  • Kommentar von A.Fontana, Zürich
    Liebe Amerika Liebhaber: Wenn China amerikanische Bonds rausschleudert, dann können Amis ihre Gelddrucker abstellen. Die US-Army wird vor sich hin verrosten. Kurzfristig können nur mehr Kriege die so "grandiosen" US of A noch einigermassen am Leben halten. Russland ist das Ressourcenreichste Land der Welt, dem gehört das nöchste Jahrhundert. Ironie der ganzen Geschichte: Der Chef des Kapitalismus wird vom Kapitalismus vernichtet
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    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Eine ganz bescheidene kleine Frage: Was hat diese Anti-USA-Tirade mit obigem Artikel zu tun??
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      ja, das sehe ich ähnlich, A.Fontana. Russland mit sienen grossen Wasserreserven im Osten wird sich eines Tages noch verteidigen müssen gegen das boomende China. Europa hätte mehr Vorteile durch eine friedlichen Zusammenarbeit mit Russland, als mit der derzeizigen Konfrontation. 2001 hielt Putin eine vielbeachtete Rede im Deutschen Bundestag (im Internet). Daran sollte Europa anknüpfen. Die USA werden mehr und mehr Kriege provozieren müssen, um ihre Machtstellung aufrecht erhalten zu können.
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  • Kommentar von Felix Buchmann, Bättwil
    Im Rahmen seines Italien-Besuchs hat Putin übrigens auch seinen alten Freund und Zechkumpanen Berlusconi getroffen – sage mir, wer Deine Freunde sind, und ich sage Dir, wer Du bist :-) P.S. Wie isoliert der Mann ist, zeigt sich u.a. darin, wie sehr das russische Staatsfernsehen das ganze Theater propagandistisch ausschlachtet. Als ob er der Einzige wäre, der seinem Pavillon an der Mailänder Expo einen Besuch abstattet und dabei ein paar Leute trifft :-)
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    1. Antwort von N.Belg, Luzern
      Übrigens Russen berichten sehr gut, wie es ist. Und das war sehr positiv! Solche Anlässe öffnen Brücken zwischen Menschen. Und das ist erfreulich, dass die Italiener so gastfreundlich zu ihm sind. Und der Papst sehr weise und freundlich! Und W.Putin ist auch so!
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    2. Antwort von Hz. imBoden, Ringgenberg
      Herr Berlusconi oder den Papst als Freunde zu haben ist eben Ehrensache?
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    3. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Kaum erscheint ein "unpassender" Beitrag, wird er sofort "berichtigt" :-) Klar, Putin ist "weise und freundlich", seine Verbrechen in Tschetschenien, seine Freundschaft mit dem dortigen Despoten und Ober-Mafioso Kadyrow, seine verlogene Krim-Annexion und sein feige verdeckter Donbass-Feldzug beweisen das eindrücklich :-) Wenn der Papst ihn empfängt, ist er deswegen noch lange kein Freund! Berlusconi als Freund? Das lässt hingegen tief blicken....
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    4. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Ach nö Herr Buchmann & wie haben westliche Medien das G7 Treffen ausgeschlachtet? Aber so typisch für diese, war dann der Expo-Besuch & das Treffen mit dem Papst bei diesen nur eine kleine Notiz am Rande. Toll hat es wenigsten in Nachrichten bei SRF mehr Platz erhalten. Aber auch nicht viel Sympathie für Berlusconi, hat dieser wenigsten nicht weltweit Kriege angezettelt, wie es die Amis tun. "Sage mir, wer deine Freunde sind & ich sage dir, wer du bist."
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    5. Antwort von N.Belg, Luzern
      F.B. "verlogene Annexion" wenn es so wäre, es hätte sehr viele Flüchtlinge gegeben, Aufstand auf der Krim und Krieg, wie im Irak, Lybien und so weiter. In Tschetschenien er hat nichts begonnen, aber kein Krieg mehr dort. Und ohne seinen Minsk Friedensabkommen gäbe es mehr Tote.
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    6. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      E.Waeden, westliche Medien haben oft sehr kritisch über G7 berichtet, den Sinn und die Resultate schonungslos hinterfragt usw. – von "Ausschlachten" kann keine Rede sein. Die USA haben unter Bush (einem anderen Putin-Freund) Kriege begonnen, Obama ist daran, sie zu beenden, und keine neuen anzufangen. Frau Belg: Informieren Sie sich doch bitte jenseits der Putin-Propaganda über die WAHREN Zustände in Tschetschenien und über das Los der Krimtataren....
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    7. Antwort von N.Belg, Luzern
      F.B. Informieren sie sich jenseits der westlichen Propaganda über die WAHREN Zustände in Tschetschenien und über die Krimtataren.
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    8. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Frau Belg, halten Sie es für besonders sinnvoll, alles ins Gegenteil zu verkehren? Tun Sie nicht so, als ob wir hier von bösen Mächten manipuliert würden – Sie wissen doch genau, dass das nicht stimmt :-) Und hören Sie sich einmal unvoreingenommen die tägliche Hetze in den russischen Staatsmedien an! Viele Russen werden eines Tages "aufwachen" und sagen: Wieso haben wir diesen Unsinn eigentlich so lange geglaubt?
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    9. Antwort von N.Belg, Luzern
      F.B. Die sind schon lange wach, aber sie und Amis sollen langsam, aber ganz sicher aufwachen!!! No dreams more.
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    10. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @F. B: Es erstaunt doch immer wieder sehr, wie gut die Amerikaner immer noch Menschen weltweit "manipulieren" können. Fakt ist aber, dass alles Übel, welches nach Europa überschwappt von Amerika kommt. Das fängt schon mit der "Verdenglischung" unserer Sprache an. Die Eroberung Europas durch sie hat schon lange vor dem Bürgerkrieg in der Ukraine angefangen. Putin hat sich in Europa bisher als einziger dieser wiedersetzt. Also holen sich die Amis wie überall das was sie wollen mit Gewalt.
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    11. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Ach Frau Belg, ein nationalistischer Fieberzustand ist nicht die Art von "Wachheit", die ich meine. Er ist eine gefährliche Krankheit, und ich wünsche dem grossen russischen Volk, dass es sich schnell davon erholt. Lesen Sie z.B. einmal das hier: http://www.nzz.ch/spezial/70-jahre-kriegsende/ein-alter-sieg-fuer-ein-neues-russland-1.18543115
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    12. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Man sollte einen nationalistischen Fiebertraum nicht mit "Wachheit" verwechseln, Frau Belg :-) Ich wünsche dem grossen russischen Volk von Herzen, dass es sich bald davon erholt....
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    13. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      E.Waeden, soso, alles Übel in Europa ist aus Amerika "übergeschwappt" – also auch der Nationalsozialismus, der Stalinismus, die beiden Weltkriege usw.?? Es steht Ihnen frei, ein derart groteskes Feindbild zu pflegen, aber erwarten Sie bitte nicht, dass ich Ihnen dabei folge :-) Und wer wendet eigentlich in der Ukraine Gewalt an?
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