Berlusconi-Prozesse: Morddrohungen gegen Staatsanwältin

Der Ton rund um den Ruby-Prozess wird rauer. Die für die Verhandlung zuständige Staatsanwältin wird mit Drohbriefen überhäuft. Anhänger und Sympathisanten von Berlusconi sollen hinter dem Psychoterror stecken.

Die prominente Mailänder Staatsanwältin Ilda Boccassini hat im Zusammenhang mit dem sogenannten Ruby-Prozess gegen Italiens Ex-Premier Silvio Berlusconi Morddrohungen erhalten. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Mailand mit.

Die Staatsanwältin habe in den vergangenen Wochen zahlreiche anonyme Drohbriefe erhalten und nun auch einen Umschlag, der neben einer Morddrohung zwei Geschosspatronen enthielt. Gehäuft hätten sich die Drohschreiben, seitdem die Anklägerin im Ruby-Prozess vergangene Woche sechs Jahre Haft und einen lebenslangen Ausschluss aus allen öffentlichen Ämtern für Berlusconi gefordert hatte.

Anwältin das Feindbild der Berlusconi-Anhänger

Im jüngsten Drohbrief mit den beigefügten Pistolenkugeln sei der Ruby-Prozess auch explizit erwähnt worden. Boccassini ist eine der prominentesten italienischen Staatsanwälte. Seit vielen Jahren ermittelt die rothaarige Juristin, die in Italien «rote Hilde» genannt wird, gegen Berlusconi und avancierte dadurch zum Feindbild seiner Anhängerschaft.

Im Ruby-Prozess ist Berlusconi wegen Amtsmissbrauch und Sex mit der damals minderjährigen Marokkanerin Karima al-Marough alias «Ruby Herzensbrecherin» angeklagt.

Ruby sagt aus

Die ehemalige Nachtclubtänzerin Karima al-Mahrough alias Ruby hat als Zeugin der Verteidigung ausgesagt. Al-Mahrough antwortete mehrheitlich vage auf die Fragen des Staatsanwalts. Sie könne sich an gewisse Umstände nicht mehr erinnern.