Besonders grosser Jubel in der Schweiz

Der Entscheid des Nobel-Komitees, François Englert und Peter Higgs mit dem Physik-Nobelpreis auszuzeichnen, freut auch Schweizer Teilchenphysiker. Jubel herrschte an den Universitäten Zürich, Bern und Genf sowie am Paul-Scherrer-Institut. Auch Forschungsminister Johann Schneider-Ammann gratulierte.

Eine Person hält ein Champagnerglas in die Höhe im Cern-Foyer.

Bildlegende: Im Foyer des Europäischen Kernforschungszentrums Cern in Genf wurden heute die Champagnergläser gehoben. Keystone

Die Verkündung des Physik-Nobelpreises hat am Kernforschungszentrum Cern in Genf Begeisterung ausgelöst. «Hier war ein Riesenjubel», sagte die Teilchenphysikerin Kerstin Borras. Man habe gehofft, dass die historische Entdeckung dieser Forscher gewürdigt werde. Dass kein Cern-Mitarbeiter mitaufgeführt war, sah Borras gelassen. «Wir sind eine weltweite Forschergemeinde.»

«Ich bin begeistert, dass der diesjährige Nobelpreis an die Teilchenphysik geht», lässt sich Cern-Generaldirektor Rolf Heuer zitieren. Die Entdeckung des Higgs-Boson letztes Jahr am Cern sei der Höhepunkt von jahrzehntelangen intellektuellen Leistungen vieler Leute weltweit gewesen.

Bei den Experimenten waren auch Schweizer Teilchenphysiker der Universitäten Bern, Genf und Zürich, der ETH Zürich sowie des Paul Scherrer Instituts (PSI) beteiligt. Ihre Freude über den Entscheid des Nobel-Komitees sei entsprechend gross, teilte das Swiss Institute of Particle Physics (CHIPP) mit.

Die Universität Zürich erinnert in ihrem Communiqué daran, dass es fast fünfzig Jahre gedauert und tausende der «hervorragendsten Physiker aus nahezu allen Ländern der Welt» erfordert habe, um die Existenz des Higgs-Bosons letztes Jahr am Cern nachzuweisen. «Zur grossen Freude aller Teilchenphysiker» seien nun Englert und Higgs mit dem Nobelpreis geehrt worden.

Johann Schneider-Ammann ist stolz

Bundesrat Johann Schneider-Ammann zeigt sich über den Entscheid des Nobelpreis-Komitees hocherfreut. Der Forschungsminister beglückwünscht das Cern und die beteiligten Schweizer Forschungsinstitute. «Dass heute ein dritter Physiknobelpreis nach Genf kommt, ist das wohlverdiente Resultat einer einzigartigen weltweiten Zusammenarbeit auf wissenschaftlich und technisch höchstem Niveau», heisst es in einer schriftlichen Erklärung Schneider-Ammanns.

Als Gründungs- und Sitzstaat des Cern habe die Schweiz massgeblich zum Bau des LHC beigetragen. Der Beitrag der ETH, der Universitäten Bern, Genf, Zürich sowie des Paul-Scherer-Instituts (PSI) sei überdurchschnittlich gewesen. «Stolz dürfen wir heute die Früchte unserer langjährigen Investitionen in diese ‹state of the art› Grundlagenforschung am Cern ernten», betont Schneider-Amann.

Nachweis erst dank Cern möglich

Eigens für den Nachweis neuer Teilchen haben Physiker und Ingenieure aus aller Welt den grössten Teilchenbeschleuniger aller Zeiten samt Teilchendetektoren geplant und gebaut, den Large Hadron Collider (LHC). Der Ringtunnel hat einen Umfang von 27 Kilometern und liegt zwischen 50 und 175 Metern tief im felsigen Untergrund zwischen dem Flughafen Genf und dem Jura-Gebirge.

In diesem Tunnel rasen Protonen aufeinander zu und generieren beim Zusammenprallen neue Teilchen. Zwei gigantische Detektor-Experimente, ATLAS und CMS, sollen diese aufspüren – und haben es vergangenen Sommer mit dem Nachweis des Higgs-Teilchens auch getan.

Beitrag von 130 Millionen Franken

Die Berner Forscher haben Arbeiten beigetragen, um die Teilchenkollisionen auszuwählen, aufzuzeichnen und zu analysieren, teilte die Hochschule mit. Zusammen mit der Uni Genf haben sie auch an einem Detektor mitgearbeitet, der Spuren von Teilchen registriert.

Physiker von der Uni und ETH Zürich sowie am PSI haben die innerste Komponente des CMS-Detektors gebaut, den so genannten CMS-Pixel-Detektor. Der Pixel-Detektor befindet sich nur vier Zentimeter vom Kollisionspunkt der Teilchen entfernt und kann Flugbahnen von Elementarteilchen mit bisher unerreichter Präzision bestimmen, erklärt das PSI in einer Mitteilung.

Insgesamt hat sich die Schweiz mit Beiträgen in Höhe von 130 Millionen Franken an der Entwicklung, der Konstruktion und dem Betrieb der LHC-Detektoren beteiligt, schreibt die Uni Zürich. Das entspricht 9 Prozent der für die Detektoren aufgewendeten Gesamtsumme.