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Besteuerung von Google und Co. Einige EU-Staaten bremsen härtere Regeln aus

  • Mehrere EU-Staaten möchten härtere Steuerregeln für Digitalkonzerne einführen.
  • Ihren Plan könnten aber einzelne EU-Mitgliedstaaten beim Treffen der EU-Finanzminister Sofia durchkreuzen.
  • Vor dem Treffen legen etwa Irland, Malta und Luxemburg nahe, dass sie gegen eine rasche Einführung von härteren Steuerregeln stimmen.
  • Aus Sicht der Befürworter neuer Regeln ist das prekär: Denn in Steuerfragen müssen EU-Staaten einstimmig zustimmen.

Einige EU-Staaten bremsen die rasche Einführung von härteren Steuerregeln für Digitalkonzerne. «Manche Länder wollen keine kurzfristige Entscheidung», sagte Bulgariens Finanzminister Wladislaw Goranow beim informellen Treffen der EU-Finanzminister in Sofia.

Mehrere EU-Länder, darunter auch Deutschland und Frankreich hatten im vergangenen Jahr rasche Massnahmen zur stärkeren Besteuerung von Digitalkonzerne wie Facebook und Google gefordert.

Viel Umsatz, wenig Abgaben

Sie kritisieren, dass diese in Europa gewaltige Umsätze und Gewinne verbuchen, aber kaum Steuern zahlen, da sie in den meisten Ländern keine Firmensitze haben, die als Voraussetzung für eine Besteuerung gelten. Ausserdem bündeln sie ihre Geschäfte in Ländern mit günstigen Steuerbedingungen, etwa in Irland.

«Uns gehen dadurch erhebliche Steuereinnahmen verloren», sagte EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici. Die EU-Kommission hatte daher auf Drängen einiger EU-Staaten vorgeschlagen, als kurzfristige Massnahmen für Unternehmen mit einem weltweiten Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro sowie einem Online-Umsatz von 50 Millionen Euro in Europa drei Prozent Ertragssteuer zu verhängen.

Digitale Präsenz zählt

Längerfristig will die Brüsseler Behörde jedoch die Körperschaftssteuer-Regeln ändern. EU-Staaten sollen dann Gewinne, die bei ihnen erwirtschaftet werden, auch ohne physische Präsenz eines Unternehmens besteuern können.

Dazu sollen «digitale Betriebsstätten» eingeführt werden. Wenn eine Firma in einem Land etwa mehr als 100'000 Online-Nutzer verzeichnet oder in einem Jahr mehr als sieben Millionen Euro erwirtschaftet, würde sie als digital präsent gelten und müsste eine Steuererklärung abgeben.

«Aus unserer Sicht brauchen wir beides», sagte Goranow weiter. Doch dies dürfte schwierig werden. Denn in Steuerfragen müssen die EU-Staaten einstimmig zustimmen.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet (xyzz)
    Jede Klitsche um die Ecke muss Steuern zahlen und stehen unter der Fuchtel der Finanzbehörden. Den Geisterfirmen, die überall und nirgends sind und keine Steuern zahlen,könnte man schon mit einer nationalen Umsatzsteuer beikommen. Anstelle 19 % In D ein Aufschlag von 10 % = 29 %
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  • Kommentar von Klaus Waldeck (kdwbz)
    Eines der Hauptprobleme für die Schwerfälligkeit der EU bei wichtigen Themen ist mit Sicherheit darin zu sehen das ein einzelnes EU-Mitglied wichtige Grundsatzentscheidungen verhindern kann. In demokratischen Strukturen, zu welchen sich auch die EU zählt, sollten Mehrheitsdefinitionen, analog des CH-Ständemehrs, eingeführt werden.
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  • Kommentar von Stephan Poetsch (StephanP)
    dünkt mich doch sehr seltsam, Deutschland zwingt Irland zu höheren Steuereinnahmen und hat nichts davon. Was ist denn das los? Steuern bezahlen, wo das Geschäft gemacht wird und schlicht das Geschiebe mit „geistigem“ Urheberrecht und ähnlichen Tricks abstellen. Doch dazu fehlt Deutschland doch der Mut.
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