Besuch in der Parteizentrale von Syriza

Nächstes Wochenende wählt Griechenland ein neues Parlament. Alle Umfragen sagen dem linken Parteienbündnis Syriza von Alexis Tsipras einen Sieg voraus. Der Politiker ist bei vielen Griechen populär. Er hat höhere Löhne und mehr Jobs versprochen. Wie er das Versprechen einlösen will, ist unklar.

Alexis Tsipras von Syriza vor einer Menschenmenge. Er hält mit der rechten Hand eine Rose in die Höhe.

Bildlegende: Alexis Tsipras profitiert von viel Zuspruch in der Bevölkerung. Umfragen sehen ihn als Wahlsieger. Keystone

Panos Lambrou gehört zum Führungsteam des linken Parteibündnisses Syriza. Vor dem Interview dreht er sich noch schnell eine Zigarette. Die Tabakkrümel auf seinem Schreibtisch verraten, das es nicht die erste ist. Im Wahlkampf haben Syriza-Politiker versprochen, neue Stellen zu schaffen. Wie viele werden es sein?

«Die Arbeitslosigkeit ist ein riesen Problem, fast 30 Prozent der arbeitsfähigen Bevölkerung haben keinen Job. Viele von ihnen sind Langzeitarbeitslose. Es gibt 500'000 Familien, in denen kein Familienmitglied Arbeit hat», sagt Lambrou und umreisst das Problem, ohne die Frage zu beantworten. Darum nochmals: Wie viele Arbeitsplätze will Syriza schaffen?

Heisses Eisen Schuldenschnitt

«Zaubern können wir nicht», sagt er und bleibt erneut vage. Einzelne Syriza-Politiker haben im Wahlkampf 300'000 neue Stellen versprochen, alle im öffentlichen Dienst. Das sei ganz und gar unfinanzierbar, sagten Kritiker im In- und Ausland sofort. Nun legt sich Syriza auf keine Zahl mehr fest. Die Partei ist vorsichtiger geworden.

Ein weiteres heisses Eisen ist die Forderung nach einem Schuldenschnitt. Auch bei dieser Frage bleibt Lambrou vage: «Die ursprüngliche Forderung, über die Hälfte der griechischen Schulden abzuschreiben, haben wir wieder fallen gelassen.» Das sei Verhandlungssache, sagt Lambrou, der seine Zigarette nun ausdrückt, in einem Aschenbecher, auf den eine 50-Euro-Note aufgedruckt ist.

Kein Plan B in der Schublade

Was geschieht, wenn die EU und die anderen Gläubiger keinen Schuldenschnitt wollen? Steht dann der Austritt aus der Eurozone zur Debatte? Nein, sagt Lambrou. «Wir sehen die Zukunft Griechenlands in Europa. Wir werden hart verhandeln und uns einigen. Einen Plan B gibt es nicht.»

Diesmal stellt Syriza die Forderung nach einem Schuldenschnitt, ohne zu drohen. Das war im Wahlkampf vor drei Jahren noch anders. Das kostete Syriza damals Stimmen – und vielleicht sogar den Sieg. Diesen Fehler will die Partei nicht noch einmal machen. Syriza will gewinnen und regieren. Hat die Partei, die noch nie an der Macht war, dafür genug erfahrenes Personal? «Wir sind entschlossen es mit jedem Monster aufzunehmen», sagt Lambrou und weicht auch dieser Frage aus.

Die Parteien

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