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International Bewaffnete stürmen Krim-Parlament – und hissen russische Flagge

Uniformierte Bewaffnete haben auf der ukrainischen Halbinsel Krim die Eingangstüren des Parlamentes zerschossen und sich Zugang zum Gebäude verschafft. Auf dem Gebäude weht nun die russische Flagge.

Legende: Video Das besetzte Parlamentsgebäude (unkommentiert) abspielen. Laufzeit 0:18 Minuten.
Vom 27.02.2014.

Auf der ukrainischen Halbinsel Krim haben bewaffnete Unbekannte die Gebäude von Parlament und Regionalregierung besetzt. Die etwa 30 Männer hätten mit Schnellfeuergewehren das Glas der Eingangstüren zerschossen und sich Zugang verschafft, sagte ein Behördenmitarbeiter der Agentur Interfax in Simferopol.

Demnach bezeichnete die Gruppe sich angeblich als Selbstverteidiger der russischsprachigen Bevölkerung der Krim. Ein Sprecher der Krimtataren teilte mit, die Männer würden Uniformen ohne nähere Kennung tragen. Es gebe zunächst keine Forderungen.

«Kriminelle in Militärkleidung»

Der Eingang des Parlaments sei mit einer Barrikade aus Holz und Abfalltonnen versperrt, hiess es. Am Sitz des Ministerrats wurden zahlreiche Sicherheitskräfte zusammengezogen.

«Die Behörden wollen schnell klären, wer die Besetzer sind und was sie wollen», sagte der Abgeordnete Andrej Sentschenko von der Partei der Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Der Verwaltung zufolge hält sich wegen eines arbeitsfreien Tages kein Angestellter im Parlament auf. Augenzeugen berichteten, auf den Gebäuden wehe die russische Fahne.

Demonstranten in Simferopol.
Legende: Die Besetzer haben noch keine Forderungen gestellt. Keystone

Der amtierende ukrainische Präsident Alexander Turtschinow rief derweil zur Ruhe auf. Turtschinow sprach von «Kriminellen in Militärkleidung». Er habe die Sicherheitskräfte angewiesen, alle Massnahmen zu ergreifen, die für den Schutz der Bürger notwendig seien.

Menschen wünschen sich Frieden

Die Mehrheit der Krim-Bewohner sind ethnische Russen. Am Vortag war es vor dem Regionalparlament in Simferopol zwischen Befürwortern und Gegnern einer Annäherung an Russland zu Zusammenstössen gekommen. Dabei waren mindestens 30 Menschen verletzt worden, einige davon mussten im Spital behandelt werden. Zwei Männer starben, einer davon an einem Herzinfarkt.

Ob die Mehrheit der Krim-Bewohner tatsächlich eine Abspaltung ihrer Halbinsel von der Ukraine möchten, sei völlig unklar, sagt Ann-Dorit Boy gegenüber SRF. Die Journalistin berichtet für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» von der Krim.

«Mein Eindruck ist, dass sich die Menschen eigentlich eher Frieden wünschen.» Sie hätten Angst davor, was eine Abspaltung von der Ukraine mit sich bringen würde. Allerdings seien die mehreren Tausend Russen an der Demonstration am Mittwoch sehr aggressiv und emotional aufgetreten. Ob diese Demonstranten aber repräsentativ für alle Russen auf der Krim sind, ist für Boy offen.

Russland mischt wohl auch mit

Der Hafen Sewastopol auf der Krim ist Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte. Angesichts zunehmender Proteste auf der Krim hat Russland den Schutz der Flotte inzwischen verstärkt.

Moskau versucht aber auch, auf die Regionalpolitiker auf der Krim Einfluss zu nehmen. Wie die Journalistin Boy sagt, war der Parlamentspräsident der Krim letzte Woche in Moskau zu Gesprächen und in den vergangenen Tagen seien Vertreter aus der russischen Duma und aus dem Föderationsrat auf der Krim gewesen. «Bei den Gesprächen hinter verschlossenen Türen geht es um die Vergabe von russischen Pässen.» Es sei also ganz klar russischer Einfluss auf der Krim vorhanden.

Eine Karte der Ukraine.
Legende: Will sich die Bevölkerung der Krim von der Ukraine abspalten? SRF

Situation könnte eskalieren

Ob die Situation auf der Krim eskaliere hänge davon ab, ob sich extremistische, gewaltbereite Gruppen auf beiden Seiten in den Disput einmischen werden, sagt Boy. Die Besetzung des Parlamentsgebäudes durch offensichtlich gewaltbereite, russlandfreundliche Extremisten ist daher ein schlechtes Zeichen.

Öl ins Feuer hat auch die designierte ukrainische Übergangsregierung in KIew gegossen: Eine ihrer ersten Entscheidungen war, der russischen Sprache den offiziellen Status abzuerkennen. «Das hat hier für sehr viel Ärger und Zorn gesorgt», sagt Boy.

3 Kommentare

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  • Kommentar von O. Laube, LU
    Bundesbern soll Franz. als CH-Sprache aberkennen. Dann können diese sich zu Frankreich abspalten und wir Deutschschweizer müssten nicht mehr nach jeder Abstimmung dieses Gejammer aus dem Westen hören! *Ironie Ende bzw. satirische Anspielung auf den Röstigraben und Aufforderungen einiger Spinner nach Abspaltung der Westschweiz*
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Und was hat das mit der Ukraine und der Krim zu tun? - Übrigens würden die Romands nach einem Anschluss an Frankreich nochmals ganz bös auf die Welt kommen. Dann hätten sie plötzlich keine föderativen Rechte mehr, weil alles von Paris aus gesteuert würde. Sie wussten schon zwischen 1803 und 1815, warum sie lieber eigene Schweizer Kantone bilden wollten, und daran hat sich bis heute nichts geändert. - P.S. Eine Rückkehr der Krim-Halbinsel zu Russland scheint nicht mehr unmöglich.
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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Gut gemacht.Die Vorbildfunktion in Kiew hat bereit Schule gemacht.Nun wäre am Besten,ebenso wie in Kiew,Verträge mit ach und krach auszuhandeln,um sie umgehend wieder zu brechen.Der offenbar einzige,gangbare Weg einer Demokratie einen gangbaren Weg zu ermöglichen.Weiter so!Es wird noch heiter werden.Wer Gewalt sät,erntet Gewalt.Wer Provoziert wird provoziert.Druck erzeugt Gegendruck.Dummheit ist das grösste Verbrechen.
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